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In Deutschland wird in einer klinischen Studie erforscht, ob das Plasma von Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung überstanden haben, eingesetzt werden kann, um schwer Erkrankten zu helfen.

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Die Serumtherapie nennt man auch passive Impfung. Dabei spendet ein geheilter Patient Blut. Das Blut wird aufbereitet und einem anderen Patienten gespritzt, der noch keine Antikörper gebildet hat. Es ist quasi eine Antikörper-Spende. Die Antikörper bilden ein Immungedächtnis, das übertragen werden kann.

Serumtherapie für Risikogruppen und schwer Erkrankte

Besonders gefährdete Menschen könnten so immunisiert werden, weil sie durch die Serumtherapie schon vor der Erkrankung die Antikörper gegen das Virus im Blut haben.
Und Patienten, die gerade schwer gegen eine Infektion ankämpfen, bekommen mit den Antikörpern eine Hilfestellung für das Immunsystem.

Wenn geheilte Patienten Blut spenden, dann kann dieses Blut aufbereitet  werden und als Serum einem anderen Patienten gespritzt werden, der noch keine Antikörper gebildet hat. Der erhält dadurch eine Antikörper-Spende, wird zumindest auf Zeit immun.  (Foto: SWR)
Wenn geheilte Patienten Blut spenden, dann kann dieses Blut aufbereitet werden und als Serum einem anderen Patienten gespritzt werden, der noch keine Antikörper gebildet hat. Der erhält dadurch eine Antikörper-Spende, wird zumindest auf Zeit immun.

Paul-Ehrlich-Institut gibt Startschuss für klinische Studie

Das zuständige Paul-Ehrlich-Institut hat jetzt die Genehmigung für eine erste klinische Studie zur Serumtherapie bei Covid-19 erteilt. Das Projekt heißt „Capsid“.

Die Capsid-Studie untersucht, ob die Serumtherapie auch bei Covid-19 eingesetzt werden kann. Also ob Menschen, die eine Covid-19-Erkrankung schon hinter sich haben, ihre Antikörper weitergeben können.

Die freiwilligen Blutspender helfen mit herauszufinden, ob diese Serumtherapie auch bei Covid-19 eingesetzt werden kann.  (Foto: SWR)
Die freiwilligen Blutspender helfen mit herauszufinden, ob diese Serumtherapie auch bei Covid-19 eingesetzt werden kann.

Passiv-Impf-Studie wird von der Uniklinik Ulm geleitet

Federführend bei der großangelegten Studie ist das Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik in Ulm in Zusammenarbeit mit dem Blutspendedienst Baden-Württemberg Hessen.

Professor Dr. med. Hubert Schrezenmeier  (Foto: SWR)
Professor Dr. med. Hubert Schrezenmeier vom Institut für Klinische Transfusionsmedizin und Immungenetik Ulm (IKT). Dort wird die Studie federführend geleitet.

Über 15 Zentren in ganz Deutschland sind an der Studie beteiligt, aus Baden-Württemberg beispielsweise in Tübingen, Mannheim oder Freiburg.

Blutspendedienste suchen nach Genesenen

Menschen, die nach einer bestätigten Covid-19-Infektion wieder gesund sind, können sich bei den Blutspendediensten melden und eine Plasmaspende vereinbaren. Das gespendete Plasma wird daraufhin untersucht, aufbereitet und zur Behandlung von schwer-kranken Covid-19-Patienten eingesetzt.

Die Blutspendedienste suchen nun nach Menschen, die eine Covid-19 Erkrankung überwunden haben und bereit sind Blutplasma zu spenden.  (Foto: SWR)
Die Blutspendedienste suchen nun nach Menschen, die eine Covid-19 Erkrankung überwunden haben und bereit sind Blutplasma zu spenden.

100 Covid-19 Patienten sind in der ersten Testphase

Etwa 100 Patienten mit einer akuten Infektion mit dem neuen Coronavirus sind in der Capsid-Studie eingeschlossen – die Hälfte erhält eine Antikörper-Therapie, die andere Hälfte nicht. So soll wissenschaftlich nachgewiesen werden, ob die Therapie wirkt und ob es Nebenwirkungen gibt.

Serumtherapie wurde schon gegen Ebola und Schweinegrippe eingesetzt

Solche Therapien wurden schon bei früheren Infektionen verwendet, wie bei der Schweinegrippe 2009 oder bei einer Ebola Epidemie 2013 in Westafrika.. Mit guten Erfolgen. Ihr wissenschaftlicher Nachweis steht aber noch aus.

Denn die Passivimpfung wurde bisher immer nur in Notfallsituationen eingesetzt: Ohne kontrollierten Vergleich mit Patienten, die kein Plasma bekommen haben. Nur wenn man eine Placebo-Gruppe und eine echte Plasmagruppe systematisch vergleicht, weiß man hinterher, wie gut die Therapie tatsächlich wirkt.

Eine erste randomisierte Studie zur Covid-19 Passivimpfung soll Klarheit bringen. Denn diese Passivimpfung wurde bisher immer nur in Notfallsituationen eingesetzt. (Foto: Imago, imago images / Eibner)
Eine erste randomisierte Studie zur Covid-19 Passivimpfung soll Klarheit bringen. Denn diese Passivimpfung wurde bisher immer nur in Notfallsituationen eingesetzt Imago imago images / Eibner

Zudem wird es noch eine Weile dauern, bis die ersten Medikamente zur Passiv-Immunisierung auch offiziell auf den Markt kommen. Die klinischen Studien brauchen einige Monate.

Passivimpfung muss regelmäßig wiederholt werden

Die Passivimpfung bei einer Serumtherapie wirkt nur so lange, wie die gespritzten Antikörper im Blut kursieren. Das sind in der Regel einige Wochen bis Monate. Deshalb muss eine solche Passivimpfung regelmäßig wiederholt werden. Das ist der große Unterschied zu einer „normalen“ Impfung: Bei der lernt der Körper ja selber solche Antikörper zu erstellen und baut ein Gedächtnis auf.

Passivimpfung besser als gar keine Impfung

Im Fall der aktuellen Covid-19-Epidemie gibt es so eine Aktivimpfung noch nicht. Und wie lange die Entwicklung noch dauert, ist unklar. Gleichzeitig steigt die Zahl der potentiellen Serum-Spender an, denn prinzipiell entwickelt ja jeder, der die Infektion durchläuft, spezifische Antikörper. Deshalb wäre eine Passivimpfung mit Blutserum gerade für Risikogruppen oder bereits schwer erkrankte Covid-19 Patienten ein großer Fortschritt.

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