Epigenetik

Studie: In acht Wochen biologisch um drei Jahre jünger werden?

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Wie schnell reagiert der Körper auf eine Ernährungsumstellung und auf mehr Sport? Das hat ein Forschungsteam aus Washington genauer untersucht.

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Nach nur acht Wochen mit viel Bewegung und gesunder Ernährung das eigene biologische Alter wieder herunterschrauben – was nach einem billigen Werbespruch klingt, hat ein Forschungsteam aus Washington vom Institute for Functional Medicine im Rahmen einer Studie beobachten können.

Gesunder Lebensstil könnte die Epigenetik beeinflussen

Ein gesunder Lebensstil könnte sich laut der Studie auf unsere Gene auswirken. Die DNA selbst wird dabei nicht verändert, doch die Art und Weise, wie sie abgelesen wird. Das nennt sich Epigenetik, konkret geht es in diesem Fall um Methyl-Gruppen, die sich an die DNA binden. Die Methyl-Gruppen beeinflussen, ob und wie bestimmte Gene abgelesen werden und ihre Verteilung verändert sich mit dem Alter und der Lebensweise. Die Methyl-Gruppen sind also ein Marker für das biologische Alter – auch als epigenetische Uhr bezeichnet.

Die Studie des Forschungsteams vom Institut in Washington

Und genau diese epigenetische Uhr hat sich das Forschungsteam genauer angeschaut. Von 43 Probanden sollten sich 20 möglichst viel bewegen und durch regelmäßige Atemübungen das Stresslevel herunterfahren.

Die Probanden mussten auch ihre Ernährung anpassen – mit möglichst wenigen Kohlenhydraten und viel Gemüse. Zwischen 19 Uhr und 7 Uhr durften sie gar nichts essen – ein Ansatz aus dem Intervallfasten.

Epigenetik (Foto: IMAGO, imago/Westend61)
Die Teilnehmenden der Studie durften zwischen 19 Uhr abends und 7 Uhr morgens nichts essen – ein Ansatz aus dem Intervallfasten. imago/Westend61

DNA-Analysen liefern Hinweise auf "Verjüngungs-Effekt"

Acht Wochen hat das Experiment gedauert – dann haben die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen DNA-Proben entnommen und die Methylierungen mit dem Zeitpunkt vor dem Experiment verglichen. Bei der Analyse hat das Forschungsteam signifikante Unterschiede gefunden. Das biologische Alter, die epigenetische Uhr, hat sich um fast zwei Jahre zurückgedreht.

Ganz im Gegenteil zur Kontrollgruppe. Die Probanden, die normal weitergelebt haben, sind epigenetisch erstaunlicherweise mehr als ein Jahr älter geworden. Hier war die Veränderung aber nicht statistisch signifikant und ein Hinweis, dass die Veränderungen im Allgemeinen nicht überschätzt werden sollten.

Biologische Uhr (Foto: IMAGO, imago images/Ikon Images)
Das biologische Alter der Teilnehmenden, die epigenetische Uhr, hat sich in der Studie fast zwei Jahre zurückgedreht. imago images/Ikon Images

Ergebnisse müssen erst bestätigt werden

Ganz prinzipiell liefert die Studie nur erste Hinweise, dass sich das biologische Alter durch einen gesünderen Lebensstil nach nur acht Wochen verändert. Die Autorinnen und Autoren sprechen selbst von einer Pilotstudie mit begrenzter Aussagekraft. Die Stichprobe sei mit 40 Probanden zu klein. An der Studie haben übrigens auch nur Männer teilgenommen.

Neue Studien mit größeren Stichproben müssen also erst bestätigen, ob sich die epigenetische Uhr auch wirklich in wenigen Wochen zurückdrehen lässt. Frühere Studie konnten so einen starken "Verjüngungs-Effekt" nicht beobachten.

Spezielle Ernährung ist wichtig

Dass sich die biologische Uhr dieses Mal so stark zurückdreht, hat laut dem Forschungsteam vor allem mit der speziellen Ernährung zu tun. Der Ernährungsplan hat Lebensmittel mit besonders viel Nährstoffe empfohlen, die für die Veränderung der Methyl-Gruppen an der DNA wichtig sind. Das heißt konkret für den Teller: Viel grünes Gemüse, Nüsse, Samen und so gut wie kein Fleisch.

Epigenetik (Foto: IMAGO, imago images/Panthermedia)
Eine spezielle Ernährung aus viel grünem Gemüse, Nüssen, Samen und so gut wie keinem Fleisch scheint die biologische Uhr besonders zurück zu drehen. imago images/Panthermedia

Wie sich die spezielle Ernährung und die zurückgedrehte epigenetische Uhr dann tatsächlich auf die Gesundheit und die Lebensdauer auswirkt, müssen in Zukunft neue Studien weiter untersuchen. Doch auch wenn es bislang nur Hinweise sind, ist die Studie sicherlich ein weiterer Anreiz für mehr Sport und mehr Gemüse auf dem Teller.

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