STAND
AUTOR/IN

Die Perseiden kommen! Wir erklären, wie man den Sternschnuppenschwarm in diesem Jahr trotz störendem Mondlicht am besten beobachten kann.

Audio herunterladen (3,8 MB | MP3)

Die Perseiden sind der bekannteste Sternschnuppenschwarm. Denn sie liefern ihre Show am Himmel im Hochsommer. Im Winter dagegen locken die Schwärme der Leoniden, Geminiden und Quadrantiden oft nur hartgesottene Astrofans ins Freie.

Warum heißen sie "Perseiden"?

Die Perseiden sind nach dem Sternbild Perseus benannt, da sie ihm zu entströmen scheinen. Tatsächlich stammen die Sternschnuppen im August aber vom Komet Swift-Tuttle. Von ihm abgeplatzte kleine Teilchen haben sich längs der Kometenbahn als Staubwolke im All verteilt. Man kann recht gut voraussagen, wie stark der Strom in jedem Jahr ausfallen wird.

Wie kann man die Perseiden am besten beobachten?

  • Tipp1: Einen wirklich dunklen Platz abseits des Siedlungslichts suchen! Mal rausfahren, auf die richtig dunklen Hügel in der Umgebung beispielsweise. Dann nach Osten orientieren, aber den Mond am besten ganz aus dem Blickfeld lassen und großflächig den Himmel nach Leuchtspuren abscannen.
  • Tipp 2: Zeit nehmen! Und nicht zwischendurch auf den hellen Handybildschirm schauen! Die Augen brauchen gut eine halbe Stunde, um sich komplett an die Dunkelheit zu gewöhnen. Jeder Blick in helles Licht verhindert, das unsere Augen komplett auf diesen tollen, in ihnen eingebauten Nachtmodus umschalten.
  • Tipp 3: Mal am frühen Morgen Ausschau halten! Die Perseiden sind abgeplatzte kleine Staubkrümel, die ursprünglich zu einem Kometen gehörten. Sie bilden eine sehr, sehr langgestreckte Kometenstaubwolke, durch die die Erde jedes Jahr im Sommer durchfliegt. Das ist so, als ob unser Planet einen Sandstrahler durchquert.
Ihren Namen haben die Perseiden, weil sie scheinbar dem Sternbild Perseus entspringen. (Foto: Imago,  imago/VIADATA)
Bei den Perseiden heißt der verursachende Komet 109P/Swift-Tuttle. Er wurde am 19. Juli 1862 entdeckt. Für einen Umlauf um die Sonne benötigt er rund 133 Jahre. Das nächste Mal wird er voraussichtlich erst 2126 zu sehen sein. Imago imago/VIADATA

Während dieses Flugs durch den Strahl aus Kometenkrümeln dreht sich die Erde natürlich weiter um sich selbst und in den frühen Morgenstunden hat sie sich soweit gedreht, dass wir direkt in den anfliegenden Kometenstaub reinschauen. Deshalb sind genau dann, vor der Morgendämmerung, auch die meisten Sternschnuppen zu entdecken.

Wer diese Tipps beherzigt, sollte dieses Jahr trotz des störenden Mondlichts Perseiden-Schnuppen entdecken können. Mit etwas Glück ein Dutzend pro Stunde. Den Höhepunkt erreicht der Sternschnuppenfall während der Tagesstunden des 12. August.

Die absolute Häufigkeitsspitze ist also von Mitteleuroa aus nicht zu beobachten, aber die Morgen- und Abendstunden dieses Tages bieten die besten Sichtungschancen. Die oft zitierten 100 Schnuppen pro Stunde werden aber nicht erreicht. Die Erde fliegt dieses Jahr an einer für Sternschnuppenfans weniger guten Stelle durch den Staubstrom im All. Ein starkes Perseiden-Jahr wird erst wieder für 2028 erwartet.

Perseidenschwarm (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Vor allem nachts gut zu sehen: der Perseidenschwarm Foto: Colourbox.de -

Wie groß ist eine Sternschnuppe wirklich?

Damit ein Teilchen zur Sternschnuppe werden kann, muss es übrigens gar nicht groß sein. Daumennagelgroß reicht bei Weitem aus. Das helle Aufleuchten hat nämlich vor allem mit der hohen Geschwindigkeit der Krümel aus dem All zu tun: Die Perseiden rasen mit bis zu 50 Kilometer pro Sekunde hinein in die Erdatmosphäre.
Dabei pressen und erhitzen sie die Luft so sehr, dass sie zu leuchten beginnt. Die Kometenstaubkrümel selbst werden bei dem Prozess ebenfalls heiß und verdampfen. Aber das Leuchten, das am Erdboden zu sehen ist, stammt nicht von den Krümeln, sondern von der leuchtenden Luft.

Treffen Sternschnuppen irgendwann auf den Boden?

Je größer die Perseiden-Brocken, umso tiefer können sie in die Atmosphäre eintauchen. Sehr helle, tieffliegende Teile werden als Feuerkugeln bezeichnet. Mit Kameras gespickte Beobachtungsnetzwerke registrieren auch jene sehr seltenen Stücke, die den Erdboden erreichen. Kann deren Flugbahn rekonstruiert werden, machen sich Suchtrupps auf den Weg, um das Material aus dem All zu bergen. Eine Handvoll Sternschnuppenreste auf mehreren Quadratkilometern Suchgebiet zu finden gelingt aber freilich nicht immer. Frisch gefallene Perseiden müssten zudem innerhalb weniger Wochen gefunden werden, weil andernfalls das fallende Herbstlaub die frischen Meteorite unter sich versteckt.

Welche Sternschnuppen gibt es außer den Perseiden - zum Beispiel im Winter?

Wer es diesmal nicht schafft, seinen Wunschzettel abzuarbeiten, der hat übers Jahr noch öfter die Chance Sternschnuppen zu sehen. In der kalten Jahreszeit gibt es drei weitere Sternschnuppenschwärme zu entdecken

Sternschnuppen Gucker (Foto: Getty Images, Thinkstock - Montage:SWR)
Sternschnuppen ziehen uns magisch an Thinkstock - Montage:SWR
  • Mitte November stehen die Chancen für Sternschnuppen wieder sehr gut. Dann erreicht der Leoniden-Schwarm seinen Höhepunkt. Diese Sternschnuppen sind außergewöhnlich schnell. Die Leoniden werden durch Teilchen des Kometen Tempel-Tuttle verursacht.
  • Kurz vor Weihnachten - Mitte Dezember- erscheinen die Geminiden. Die Leuchtspuren kommen aus der Himmelregion des Sternbilds Zwillinge – auf Latein Gemini. So kamen die Geminiden zu ihrem Namen. Im Jahr 1862 tauchten im Dezember plötzlich Sternschnuppen auf, die es sonst um diese Zeit nie gegeben hatte. Von bis zu 10 Sternschnuppen pro Stunde berichteten die Astronomen damals. Und waren erstaunt. Denn jedes Jahr wurden es mehr: Um 1900 leuchteten in den Sternschnuppennächten Mitte Dezember schon 20 Schnuppen pro Stunde auf, in den 1980er Jahren war die Zahl auf 80 gestiegen. Für immer wird das Phänomen allerdings nicht auftauchen: Die Geminiden besuchen uns zwar noch das gesamte 21. Jahrhundert hindurch, doch nicht lange nach dem Jahr 2100 wird die kosmische Staubwolke nicht mehr die Erdbahn kreuzen. Dann wird die Geminiden-Show für alle Zeit vorbei sein.
  • Zwischen Neujahr und 10. Januar kommt der Sternschnuppenschwarm der Quadrantiden. Die Quadrantiden treten zwar zahlreich auf – sind aber nicht besonders hell. Ihr Name rührt daher, dass die Meteore im sogenannten „Mauerquadranten“ entspringen, so bezeichnete man früher den nördlichen Abschnitt des Sternbilds Bootes. Obwohl die Quadrantiden jährlich wiederkehren, wird noch gerätselt, woher die Meteore kommen. Derzeit halten Astronomen den Asteroiden 2003 EH1 für den Verursacher. Er ist selbst ein Überbleibsel eines zerfallenen Kometen.

Sternschnuppen heißen auch Meteore - was ist der Unterschied zum Meteoriten?

„Meteor“ ist der Fachausdruck für „Sternschnuppe“. Nicht zu verwechseln mit „Meteorit“ – das ist ein Himmelskörper, der beim Eintritt in die Erdatmosphäre nicht vollständig verglüht und deshalb auf dem Erdboden einschlägt.

STAND
AUTOR/IN