Katzen hören auf ihren Namen

Verhaltensforschung

Studie zum Bindungsverhalten von Katzen

Stand
Autor/in
Veronika Simon
Onlinefassung
Ralf Kölbel

Katzen bauen genauso wie Hunde nicht nur soziale Bindungen zu ihren Artgenossen auf, sondern auch zu ihren Menschen  – auch wenn sie manchmal keine Lust haben, es uns zu zeigen.

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Ob ein bekannter Mensch in der Nähe ist – das ist einer Katze herzlich wurscht. Im Klischee-Bild lassen sich die unabhängige Stubentiger nur ab und an dazu herab, ihrem Herrchen oder Frauchen eine kurze Kraul-Einheit zu erlauben  – ansonsten wollen sie von ihnen nur einen vollen Futternapf und ein sauberes Klo. Doch ganz so scheint das nicht zu stimmen – das zeigt eine Studie, die in der Fachzeitschrift Current Biology veröffentlicht wurde.

Katzen reagieren auf ihren Namen

Die Verbindung zwischen Katze und Mensch ist bisher kaum erforscht. Der schwanzwedelnde Hund mit seinen treuen Augen schien das interessantere Sozialverhalten zu haben, die Forschung hat seiner Bindung mit dem Menschen mehr Beachtung geschenkt.

Manchmal können auch Hunde und Katzen soziale Bindungen entwickeln
Manchmal können auch Hunde und Katzen soziale Bindungen entwickeln.

Doch mittlerweile rückt auch die Beziehung zwischen Katze und Mensch immer mehr in den Fokus: Und die ersten Ergebnisse gaben dem Eindruck recht, dass Katzen keine sonderlich sozialen Tiere sind, zumindest was ihre menschlichen Mitbewohner angeht: In kleineren Studien haben Katzen sich nicht anders verhalten, egal, ob nun ihr Halter oder ein fremder Mensch anwesend war.

Gleichzeitig konnten japanische Forscher aber zeigen, dass Katzen ihren eigenen Namen erkennen und darauf reagieren.

Katzen hören auch auf ihren Namen
Manche Katzen hören auf ihren Namen.

Neue Studie zum Sozialverhalten von Katzen

In einer Studie haben Forscherinnen aus den USA ein Experiment mit fast 70 jungen Kätzchen durchgeführt. Sie wollten die soziale Bindung zwischen Katze und Besitzer untersuchen. Dafür haben sie die Katze mit einer stressigen Situation konfrontiert:

Tier und Halter betraten gemeinsam einen fremden Raum, nach zwei Minuten verließ der Mensch den Raum aber wieder und ließ die Katze allein.

Nach weiteren zwei Minuten kehrte der Mensch in den Raum zurück und jetzt beobachteten die Wissenschaftler das Verhalten der Katze. Diese Art von Experiment wird sonst genutzt, um die Bindung von kleinen Kindern zu ihren Eltern oder von Hunden zu ihren Haltern zu untersuchen.

Experiment zum Bindungsverhalten bei Katzen
A) Anteil von drei Hauptbindungsstilen, die bei Kätzchen und erwachsenen Katzen beobachtet werden. (B) Katze mit sicherer Bindung. (C) Katze mit unsicherer ambivalenter Bindung. (D) Katze mit unsicherer Bindung.

Bindung zum Menschen gibt der Katze Sicherheit

Zwei Drittel der Katzen zeigten hier das gleiche Verhalten: Sie nahmen Kontakt mit dem zurückgekehrten Menschen auf, sie ließen sich kurz schmusen und erkundeten dann weiter den Raum. Das spricht laut den Forscherinnen für eine sichere Bindung - die hereinkommende Person wird als Rückversicherung genommen, ihre Anwesenheit gibt Sicherheit.

Die restlichen Katzen -also etwa ein Drittel der Tiere - ignorierten den Menschen entweder völlig, wichen ihm gar nicht mehr von der Seite oder zeigten sich hin und hergerissen.

Wie verhalten sich Katzen gegenüber Menschen?
Eine neue Studie zeigt: Katzen verhalten sich nicht anders, egal, ob nun ihr Halter oder ein fremder Mensch anwesend ist.

Auch Katzen binden sich an Menschen

Die Ergebnisse sind gut vergleichbar mit den Bindungsversuchen zwischen Kleinkindern und ihren Eltern oder Hunden und ihren Besitzer– auch da reagieren zwei Drittel ähnlich wie die Katzen auf eine zurückkehrende Bezugsperson.

Daraus schließen die Forscher, dass Katzen genauso wie Hunde nicht nur soziale Bindungen zu ihren Artgenossen aufbauen, sondern auch zu ihren Menschen  – auch wenn sie manchmal keine Lust haben, es uns zu zeigen.

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Autor/in
Veronika Simon
Onlinefassung
Ralf Kölbel