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Hayabusa2 Japanische Sonde pickt Asteroid Ryugu an

Die japanische Raumsonde Hayabusa2 ist auf dem Asteroiden Ryugu gelandet. Nun soll sie Gesteinssplitter und Staub sammeln und 2020 zur Erde bringen.

Das Anpieksen von Asteroiden scheint sich zu einer Spezialdisziplin der japanischen Raumfahrt zu entwickeln. Bereits mit der Sonde Hayabusa (deutsch: Wanderfalke) war es dem asiatischen Land im Jahr 2010 gelungen, Material von einem Asteroiden zur Erde zurück zu transportieren. Eine Premiere in der Raumfahrt. Nun ist Hayabusa 2 an der Reihe.

Keksdosen-Roboter auf Asteroid Ryugu

Im Dezember 2014 gestartet, hat die Sonde im vergangenen Jahr den Asteroiden Ryugu erreicht. Im Oktober warf sie drei kleine Landegeräte ab. Darunter auch MASCOT, ein deutsch-französisches Technikprojekt. Von der Größe und Form her Keksdosen nicht unähnlich, kullerten und hüpften die Lander sehr langsam über die Oberfläche. Auf Rädern fahrende Minirover hätten sich wegen der geringen Schwereanziehung nur schwer auf Ryugu aufhalten können. Schon eine Geschwindigkeit von 6 Zentimetern pro Sekunde reicht dort aus, um sich von der Oberfläche weg auf Nimmerwiedersehen in den unendlichen Weltraum hinaus zu schubsen.

Die Keksdosen-Roboter hüpften und kullerten umher und die von ihnen übermittelten Bilder und Daten bargen eine unangenehme Überraschung für die Forscher. Die Asteroidenoberfläche war nicht, wie eigentlich erwartet, von feinem Staub bedeckt, sondern von grobem schotterartigem Gestein. Man hatte Sandstrand erwartet und Kieselküste bekommen.

Die japanische Raumsonde Hayabusa soll vom Asteroiden Ryugu Proben entnehmen

Die japanische Raumsonde Hayabusa soll vom Asteroiden Ryugu Proben entnehmen

Schwierige Probenentnahme auf Asteroiden

Damit standen die Ingenieure vor einem Problem. Denn um eine erste Probe von Ryugu aufzunehmen, fliegt Hayabusa nahe an den Asteroiden heran und setzt ein langes Sammelrohr auf. Danach schießt eine in diesem Rohr verborgene Minikanone ein 5 Gramm schweres Projektil in die Asteroidenoberfläche.

Das aufgewirbelte Material muss dann von selbst seinen Weg durch das Rohr in einen Sammelbehälter im Innern der Sonde finden. Denn aktiv einsaugen kann Hayabusa die wertvolle Probe nicht – Ryugu hat keine Atmosphäre, damit fehlt das für eine Saugströmung notwendige Gas.

Weltraumkanone schießt Projektil in den Asteroiden

Hayabusa2 schießt mit einer Art von Weltraumkanone ein Projektil in den Asteroiden Ryugo.

Erster Testlauf im Labor

Feines Pulver hätte sich leicht aufwirbeln lassen und von selbst seinen Weg durch das Rohr zum Sammelbehälter gefunden. Aber ob sich das tatsächlich vorgefundene grobe Gestein auf Ryugu auf diese Weise einsammeln lassen würde, war ungewiss. Die Lösung: Japans Raumfahrtbehörde JAXA ließ kurzerhand künstliches Gestein herstellen, das von Gewicht und Zusammensetzung dem Asteroidenmaterial ähnelte.

Dieses Kunstgestein wurde im Labor mit einer baugleichen Hayabusa-Kanone beschossen. Das Ergebnis beruhigte die Forscher: Die Chancen stehen gut, dass trotz der schotterartigen Oberfläche ausreichend Splitter und Staub den Weg durchs Sammelrohr in den Rückkehrbehälter finden.

Insgesamt dreimal soll Hayabusa Proben nehmen und zu diesem Zweck mit einem größeren Projektil auch einen kleinen Krater in Ryugu schießen. Ende 2019 beginnt der Rückflug. Ende 2020 ist der Abwurf der Rückkehrkapsel mit den Proben an Bord über Australien geplant. Erst wenn sie geöffnet wird, wird sich herausstellen, ob der Beschuss und die Probennahme tatsächlich funktioniert haben.