Faktencheck "Maleficius" So realistisch ist der neue Tatort

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Im Gehirn steckt ein Mikrochip, ein Querschnittsgelähmter kann wieder laufen. Im Tatort schon möglich. Doch wie weit ist eigentlich die Wissenschaft?

Im Tatort trifft Kommissarin Lena Odenthal auf einen Wissenschaftler mit verrückten Ideen. Als sogenannter Transhumanist träumt er davon, Mensch und Maschine miteinander zu verschmelzen. Der Mensch soll also ein Update bekommen, leistungsfähiger werden.

Mit Gedanken unser Smartphone steuern?

Im Tatort sind die Wissenschaftler schon sehr weit. Computerchips werden ins Gehirn transplantiert. Das ist so noch nicht möglich, aber Transhumanisten gibt es wirklich: Sie träumen zum Beispiel von einem Chip in ihrem Kopf.

Das ist auch die Vision des Milliardärs und Tesla-Gründers Elon Musk: Mit seiner Firma Neuralink will er das menschliche Gehirn mit einem Computer verknüpfen. Das soll über Chips gelingen, die Freiwillige sich ins Gehirn pflanzen lassen. Über hauchdünne Elektroden sollen die Chips mit Nervenzellen im Gehirn verbunden werden. Jeder Chip soll dann Signale der Nerven auslesen. Über einen Mini-Sender hinter dem Ohr werden die Signale dann an ein Smartphone oder andere technische Geräte weitergeleitet.

Roboterarm lässt sich mit Gedanken schon steuern

Noch ist ein Mischwesen aus Mensch und Technik nur für Transhumanisten nur ein Traum. Doch Ansätze aus der Wissenschaft gibt es schon. Ein Roboterarm kann zum Beispiel nur mit Gedanken schon gesteuert werden. Allerdings steckt dann kein Chip im Gehirn, sondern Elektroden außen am Kopf. Ein Chip wäre oft noch zu gefährlich. Aber mit der Elektrode funktioniert das auch nicht so gut wie mit einem implantierten Chip.

Ein Roboterarm bewegt sich nur durch Gedanken. (Foto: SWR, SWR -)
Dieser Roboterarm wird nur durch Gedanken gesteuert. SWR -

Elon Musk möchte in Zukunft sogar noch einen Schritt weiter gehen. Also nicht nur Daten vom Gehirn empfangen, sondern auch Daten in unseren Kopf weiterleiten. So könnten wir Fremdsprachen oder Kampfkünste direkt ins Gehirn laden. Bisher nur ein Traum, das halten namhafte Hirnforscher aber auf lange Sicht nicht für möglich.

Können Querschnittsgelähmte irgendwann wieder laufen?

Im Tatort recherchiert Kommissarin Lena Odenthal zur Krankengeschichte eines verschwundenen Rollstuhlfahrers. Erstmal sieht alles nach Suizid aus. Doch dann wird die Leiche einer Ärztin gefunden. Sie arbeitete in der Hirnforschung. Das Ziel der Wissenschaftler: Querschnittsgelähmte Menschen mit Hilfe von Gehirnstimulation wieder mobil zu machen.

Dauer

In der Wissenschaft gibt es hier vielversprechende Ansätze. Zum Beispiel sogenannte Exoskelette: Das sind Lauf- oder Greifhilfen zum Umschnallen. Patienten können gestützt zwar damit schon kurze Strecken laufen. Die Bewegungen sind aber noch nicht flüssig. Die Steuerung ist auch oft zu kompliziert. Wissenschaftler träumen davon, dass sich die Exoskelette irgendwann mit unseren Gedanken steuern lassen. In ersten Pilotstudien mit Armprothesen für Gelähmte hat das auch schon geklappt.

Rollstuhl rollt schon nur durch Gedanken

Was schon heute möglich ist, zeigt auch eine Pilotstudie: Studienteilnehmer sind hier nur durch die Kraft von Gedanken mit dem Rollstuhl durch die Laborräume gerollt. Die Probanden müssen dabei an ihre Hände denken, dann fährt der Rollstuhl nach rechts. Wenn sie an ihre Füße denken, dreht der Rollstuhl nach links. Das klingt simpel, erfordert aber enorme Konzentration. Es klappt nur nach monatelangem Training.

Mann sitzt auf Rollstuhl mit Elektroden auf dem Kopf (Foto: WDR -)
Dieser Rollstuhl rollt in einer Pilotstudie aus Bochum nur durch Gedanken. WDR -

Außerdem müssen die Rollstuhlfahrer eine Haube mit 32 Mess-Elektroden auf dem Kopf tragen: Wie eine Badekappe sieht sie aus, von dort führen Kabel zum Steuerungscomputer des Rollstuhls. Das ist im Alltag lästig – und auch deshalb nicht ideal, weil Elektroden außen auf dem Kopf die Hirnaktivität nur grob erfassen können. Viel exakter sind Messungen mit eingepflanzten Elektroden. In den USA laufen dazu erste Studien, allerdings ist die Infektionsgefahr erheblich.

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