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Feuerwerk

Diskussion um Silvester-Feuerwerk Giftfreie Alternativen sind möglich!

Kommentar von Sabine Schütze

Das jährliche Feuerwerk verursacht nicht nur Feinstaub, sondern auch Müll und Gift. Zeit für Alternativen!

Bis zu 200 Millionen Euro geben die Deutschen für Feuerwerk an Silvester aus

Pünktlich um Mitternacht schießen sie Unmengen Raketen in die Luft und lassen XXL-Batteriefeuerwerke zischen. Wenn ich dann erst noch ausgiebig mit Freunden auf das neue Jahr anstoße, bevor ich rausgehe, pralle ich gegen eine verbrannt riechende Nebelwand. Mikroskopisch feine Partikel hüllen uns in der Silvesternacht ein.

Das Umweltbundesamt schätzt, dass insgesamt rund 5000 Tonnen gesundheitsgefährdender Feinstaub zu Neujahr freigesetzt werden. Das ist so viel, wie der komplette Straßenverkehr innerhalb von zwei Monaten verursacht. Silvester beschert uns innerhalb einer Stunde Spitzenwerte: knapp 900 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft in Ravensburg etwa, in Ludwigshafen fast 500, in Mainz und Stuttgart mehr als 350. Erlaubt sind 50 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Machen Feuerwerksverbote Sinn?

Angesichts drohender Fahrverbote in Städten macht es Sinn, auch über ein Feuerwerksverbot nachzudenken. Natürlich geht es anders als beim Verkehr nur um eine einzige Nacht im Jahr. Doch ultrafeine Staubpartikel, die tief in die Lunge, teilweise sogar bis ins Blut gelangen und dadurch Atemwegs- und Herz-Kreislauferkrankungen begünstigen, sind nur ein Teil des Problems. Dazu kommen Unmengen Müll, die am nächsten Tag überall rumliegen und rund 8000 Verletzte, die unsere Feuerwerksknallerei mit sich bringt.

Mann hält brennenden Feuerwerkskörper in der Hand

Im Schnitt verletzen sich rund 8000 Menschen zu Neujahr an Feuerwerkskörpern.

Raketen schleudern beim Abbrennen einen Giftcocktail in die Luft

Die Raketen und Fontänen enthalten reichlich Bindemittel, Farbgeber und Knallsätze, die beim Abbrennen als Giftcocktail in die Luft geschleudert werden. Darunter sind Schwermetalle wie Blei, Barium und Chrom, giftige Chlor- und Schwefelverbindungen. Wenn wir im Feuerwerksnebel stehen, atmen wir sie ein. Die Stoffe schweben nur langsam zu Boden. Im Tiroler Neujahrsschnee hatten österreichische Forscher extrem hohe Mengen Bariumsalze nachgewiesen. Bis zu 600fach mehr als üblich. Bariumsalze lösen Atembeschwerden aus.

Feuerwerkskörper, die grün, gelb und weiß leuchten, bestehen bis zu 40 Prozent aus diesen giftigen Verbindungen, so die Chemiker der Uni Wien. Chlorgemische wiederum sorgen für einen blauen Lichterregen und schaden der Schilddrüse. Durch das Abbrennen bilden sich weitere hochgiftige, krebserregende Chlorverbindungen.

Ich finde, das sind genügend Gründe, mich vom Feuerwerk fernzuhalten. Eigentlich. Denn ich will an Silvester nicht einsam hinterm Fenster Trübsal blasen. Ich möchte gemeinsam mit Nachbarn und Freunden auf der Straße stehen und lachen. Das macht den Charme der letzten Nacht des Jahres aus; - und gehört für mich genauso dazu wie das Feuerwerk.

Zentrale Feuerwerke könnten das Problem lösen

Wie wäre es also mit großen zentralen Feuerwerken in den Gemeinden und Städten?

Ulmer Münster bei Nacht und Silvester-Feuerwerk

Silvester Feuerwerk in Ulm

So würden letztendlich weniger Raketen abgefeuert und mehr Menschen zusammengebracht. Es wäre sogar möglich, die Feuerwerke umweltfreundlicher zu machen. Wissenschaftler der Uni München haben ungiftige Ersatzstoffe für rote und violette Flammenfarben gefunden. Für einen strahlenden blauen Funkenregen entwickelten sie eine chlorfreie Alternative. Diese neuen Mischungen sind aber teuer, sie werden deshalb nicht für Feuerwerkskörper genutzt.

So spucken Silvester-Raketen weiter Gift in den Himmel und nicht nur Ruß und Schwefel. Wobei der Sulfat-Anteil in der Luft eher abkühlend wirkt und der Ruß bis zum Sonnenaufgang zu Boden gesunken ist und deshalb die Atmosphäre nicht weiter aufheizt. Den Klimawandel beschleunigt die Silvesterknallerei also nicht, sind sich Experten sicher. Die Gefahr für unsere Gesundheit dagegen ist größer.

Immer mehr deutsche Städte verbieten daher zu Silvester das Zünden von Feuerwerk in den Innenstädten oder bestimmten Orten – in Tübingen ist das schon seit Jahren so, gerade kam Hannover hinzu.