Raumfahrt und Klimawandel

Satellit Sentinel-6 – So funktioniert der Wächter der Weltmeere

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Der Erdbeobachtungssatellit „Sentinel-6 Michael Freilich“ beginnt seine Mission als Teil des europäischen Copernicus-Programms der ESA und soll den Meeresspiegel so genau wie nie zuvor messen. Wissenschaftler*innen wollen damit unter anderem den Klimawandel besser vorhersagen.

Am 21. November 2020, 18:17 Uhr unserer Zeit, startet in Kalifornien eine Falcon-9-Rakete des Raumfahrtunternehmens SpaceX und bringt den Satelliten Sentinel-6 ins Weltall. Aus rund 1.300 Kilometer Höhe soll er von dort aus den Meeresspiegel zentimetergenau messen.

Ohne diesen Satelliten wären wir blind. Dann könnten wir punktuell messen, aber wir würden es im globalen Kontext nicht sehen. Also, das Auge im All ergänzt in wunderbarer Art und Weise unsere Augen auf der Erde und im Zusammenspiel sind sie unglaublich mächtig.

Schon seit den frühen 90er Jahren vermessen Satelliten den Meeresspiegel. Bislang übernahm die Aufgabe die Satelliten-Baureihe mit Namen Jason. Doch Sentinel-6 bietet eine deutlich höhere räumliche Auflösung und der genaue Blick ist entscheidend, um den Schutz von Küstenregionen richtig zu planen.

Sentinel-6 (Foto: Pressestelle, ESA)
Der Satellit erinnert an ein kleines Häuschen mit Schrägdach und ist in etwa so groß wie Kleinbus. Er soll den Meeresspiegel beobachten. Pressestelle ESA

So funktioniert Sentinel-6

Sentinel-6 bestrahlt die Meeresoberfläche mit elektromagnetischer Strahlung. Diese Strahlung wird reflektiert und kehrt zum Satelliten zurück. Die Laufzeit dieser Signale wird gemessen, um die Höhe des Meeresspiegels hochgenau berechnen zu können und so auch kleinsten Veränderungen auf die Spur zu kommen.

Im Schnitt steigt der Meeresspiegel um mehr als drei Millimeter im Jahr. Der Anstieg ist global jedoch nicht gleich verteilt: In Europa sind es zwischen zwei bis vier Millimeter - in anderen Regionen sogar bis zu einem Zentimeter pro Jahr. Auch ist der Anstieg nicht konstant, sondern nimmt Jahr für Jahr zu.

Sentinel-6 leistet noch mehr

Darüber hinaus liefert Sentinel-6 Informationen zu Wind, Strömungen und Wellen. Damit lassen sich zusätzlich wichtige Aussagen für die Schifffahrt und zu tropischen Stürmen und Hitzewellen treffen. Der größte Vorteil aber ist die flächendeckende, globale Messung. Nur zehn Tage benötigt Sentinel-6 für die komplette Vermessung der Weltmeere.

Der Satellit Sentinel-6 über den Malediven (Foto: Pressestelle, ESA)
Der Satellit Sentinel-6 mit Blick über den Malediven Pressestelle ESA

Wir in der Forschung mit Erdbeobachtungsdaten setzen einfach darauf, dass die Gesamtmenge an Daten kontinuierlich wächst, sodass wir ein zunehmend geschlossenes Bild der gesamten Veränderungsprozesse auf der Erde haben

Unterstützung durch andere Satelliten

Sentinel-6 kann dies jedoch nicht allein leisten. Er wird deshalb von weiteren Satelliten des Copernicus-Programms der europäischen Raumfahrtagentur ESA unterstützt. Es ist das weltweit größte Erdbeobachtungsprogramm und besteht aus insgesamt sechs Satelliten-Familien. Sie vermessen die Atmosphäre, die Ozeane, das Festland und die Polargebiete. Mit dieser umfassenden Datensammlung können Wissenschaftler*innen den Zustand der Erde überwachen und kritische Veränderungen frühzeitig feststellen.

Satellit Sentinel-6 wird von Rakete abgekoppelt (Foto: Pressestelle, ESA)
Der Satellit Sentinell-6 wird von der Space X Rakete Falcon 9 im Weltall abgekoppelt Pressestelle ESA

Zwillings-Satellit kommt in 5 Jahren nach

Die Daten von Sentinel-6 werden in Echtzeit übertragen und sind für jedermann frei einsehbar. Mindestens fünf Jahre soll Sentinel-6 die Satelliten-Familie unterstützen. Dann wird ihn sein Zwilling Sentinel-6B ergänzen oder gegebenenfalls ersetzen. Bis 2030 soll die Datenerfassung damit sichergestellt sein - eine wichtige Grundlage für die Klimapolitik in Deutschland und den Schutz der Erde.

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