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Die ansteckendere Delta-Variante des Coronavirus breitet sich weiter aus. Macht es Sinn, für einen besseren Impfschutz die Zweitimpfung früher zu machen? Was spricht dafür, was dagegen?

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Ein Blick nach Großbritannien zeigt, wie schnell die Neuinfektionen wegen der Delta-Variante wieder hochgehen können. Innerhalb von einer Woche hat sich hier die Zahl der Neuinfektionen zuletzt fast verdoppelt. Nach Angaben der britischen Gesundheitsbehörden in Großbritannien infizieren sich auch Geimpfte mit nur einer Impfdosis durch die Delta-Variante wieder häufiger.

Eine einzelne Impfdosis gegen die Delta-Variante bietet einen noch geringeren Schutz als gegen die anderen Varianten. Deshalb werden Stimmen lauter, die einen kürzeren Abstand zur Zweitimpfung fordern. Denn nach der zweiten Impfdosis schützten die Impfstoffe von Biontech und AstraZeneca auch vor der ansteckenderen Delta-Variante ähnlich gut vor schweren Krankenverläufen wie gegen die aktuell am weitesten verbreitete Alpha-Variante. Das zeigt auch eine Datenanalyse des britischen Gesundheitsministerium von Mitte Juni.

Eine einzelne Impfdosis gegen die Delta-Variante bietet einen noch geringeren Schutz als gegen die anderen Varianten. Deshalb fordern viele einen kürzeren Abstand zur Zweitimpfung.  (Foto: Imago, imago images/ZUMA Wire)
Eine einzelne Impfdosis gegen die Delta-Variante bietet einen noch geringeren Schutz als gegen die anderen Varianten. Deshalb fordern viele einen kürzeren Abstand zur Zweitimpfung. Imago imago images/ZUMA Wire

Es gibt Spielräume für die Abstände zwischen den Impfungen

In der Zulassung der Impfstoffe von der Europäischen Arzneimittelagentur steht, wie schnell die zweite Impfung für einen vollständigen Schutz verabreicht werden kann. Doch es gibt Spielräume: So kann die zweite Dosis mit dem Vektor-Impfstoff von Astrazeneca nach vier Wochen oder auch nach zwölf Wochen verabreicht werden. Ein Intervall von acht bis zwölf Wochen wird von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen.

Späte Zweitimpfung schützt bei AstraZeneca besser

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt bisher in Deutschland bei AstraZeneca den größtmöglichen Abstand von zwölf Wochen. Sie verweist dabei unter anderem auf eine im Februar veröffentlichte Studie im Fachmagazin “The Lancet”. Die Daten deuten darauf hin, dass der Impfschutz bei einer schnelleren Zweitimpfung verringert werden kann.

Bei einem Abstand von zwölf Wochen ist das Risiko für eine Covid-19-Erkrankung um 80 Prozent gesunken. Bei einem kürzeren Abstand von sechs Wochen verringerte sich das Risiko nur um 55 Prozent. Der Leiter der Stiko Thomas Mertens verweist bisher auch auf die Daten und hat kürzlich in einem Interview mit der Zeit von “wissenschaftlichem Unsinn” gesprochen, wenn die Abstände bei Astrazeneca verkürzt werden.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt bisher in Deutschland bei AstraZeneca den größtmöglichen Abstand von zwölf Wochen. Daten deuten darauf hin, dass der Impfschutz bei einer schnelleren Zweitimpfung verringert werden kann. (Foto: Imago, imago images/ZUMA Wire)
Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt bisher in Deutschland bei AstraZeneca den größtmöglichen Abstand von zwölf Wochen. Daten deuten darauf hin, dass der Impfschutz bei einer schnelleren Zweitimpfung verringert werden kann. Imago imago images/ZUMA Wire

Trotzdem darf laut Bundesgesundheitsministerium der Abstand individuell mit den Impfärztinnen oder -ärzten angepasst werden – im Rahmen des zugelassenen Zeitraums von vier bis zwölf Wochen.

mRNA-Impfstoffe sind auch mit kürzeren Abständen wirksam

Bei den mRNA-Impfstoffen empfiehlt die Stiko einen Abstand von sechs Wochen zwischen den beiden Impfdosen. Das Intervall könnte auf drei Wochen verkürzt werden mit Blick auf die Zulassung des Impfstoffs von Biontech und Pfizer.

In der Zulassungsstudie haben 95 Prozent der Probanden den Biontech-Impfstoff innerhalb von maximal 24 Tagen bekommen – die meisten innerhalb von drei Wochen. Ein dreiwöchiger Abstand zur Zweitimpfung war in der Zulassungsstudie somit Standard und auch Grundlage für die spätere Berechnung der Impfstoffwirksamkeit. Moderna empfiehlt mit Blick auf ähnliche Ergebnisse in der Zulassungsstudie einen Abstand von vier Wochen. Trotzdem spricht sich die Stiko bisher für ein längeres Intervall bei den mRNA Impfungen aus.

Bei den mRNA-Impfstoffen empfiehlt die Stiko einen Abstand von sechs Wochen zwischen den beiden Impfdosen. Das Intervall könnte aber auf drei Wochen verkürzt werden.  (Foto: Imago, imago images/Beautiful Sports)
Bei den mRNA-Impfstoffen empfiehlt die Stiko einen Abstand von sechs Wochen zwischen den beiden Impfdosen. Das Intervall könnte aber auf drei Wochen verkürzt werden. Imago imago images/Beautiful Sports

Ständige Impfkomission prüft die aktuelle Datenlage

Mit Blick auf die ansteckendere Delta-Varianten und der fortgeschrittenen Immunisierung prüft die Stiko eine mögliche Verkürzung der Impfabstände. Am Anfang der Impfkampagne war unter anderem auch die Impfstoffknappheit ein Grund, den Abstand zu verlängern, um möglichst vielen Menschen eine Erstimpfung zu ermöglichen. So hat es auch die Weltgesundheitsorganisation empfohlen.

Angesichts der zu erwartenden Impfstofflieferungen gilt diese Knappheit auch noch für die nächsten Wochen. Für Juli sind bisher insgesamt über 17 Millionen Impfdosen vom Bundesgesundheitsministerium angekündigt. Trotz der fortgeschrittenen Impfkampagne hält die Stiko die Verteilung der Impfstoffmenge noch immer für relevant.

Vorzeichen für Deutschland sind besser als in Großbritannien

Christian Drosten hält es in der letzten Folge des NDR-Podcasts "Corona Update" für wenig sinnvoll, die Impfabstände mit Blick auf die Delta-Variante zu kürzen. Er plädiert dafür, in der gleichen Art und Weise weiterzuimpfen. Mit Blick auf die Delta-Variante habe Deutschland wegen der aktuell geringen Inzidenz zudem einen Vorteil.

Großbritannien konnte die Inzidenz nicht so weit nach unten drücken. Die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner lag bei 25, als die Zahl der Neuinfektionen vor allem in England Ende Mai wieder hoch ging. In Deutschland liegt die 7-Tage-Inzidenz derzeit bei 5,6 (Stand 29.Juni 2021) . Weiterhin müssen sich aber möglichst viele Menschen impfen lassen, damit es ein Vorteil bleibt.

Mit Blick auf die Delta-Variante hat Deutschland wegen der aktuell geringen Inzidenz einen Vorteil. In Deutschland liegt die 7-Tage-Inzidenz derzeit bei 5,6. (Foto: Imago, imago images/Rüdiger Wölk)
Mit Blick auf die Delta-Variante hat Deutschland wegen der aktuell geringen Inzidenz einen Vorteil. In Deutschland liegt die 7-Tage-Inzidenz derzeit bei 5,6. Imago imago images/Rüdiger Wölk

Die Ständige Impfkommission prüft aktuell die wissenschaftlichen Daten, um gegebenenfalls ihre Empfehlung für die Impfabstände anzupassen. Es gebe verschiedene Pro- und Contra-Argumente, erklärte am vergangenen Freitag Thomas Mertens, der Leiter der Ständigen Impfkommission: “Wir versuchen derzeit die notwendige Evidenz zu schaffen.” Wann mit einer Entscheidung gerechnet werden kann, ist noch nicht abzusehen.

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