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Die Biogasanlage in Üttfeld

Landwirtschaft & Energie Schluss mit Biogas vom Lande?

SWR2 Impuls. Von Annegret Faber

Alle Zeichen deuten drauf hin: Landwirte sollen weniger Biogas produzieren. Künftig soll Biogas vor allem in der Luftfahrt und im Schiffverkehr zum Einsatz kommen, so möchte es das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Klingt ziemlich abwegig und würde das Aus für viele kleine Anlagen bedeuten.

Strom und Wärme aus Biogas

Derzeit wird aus Biogas vor allem Strom und Wärme gewonnen. In Zukunft soll sich das ändern. Biogas soll zu Treibstoff werden. Technisch geht das. Allerdings muss das Biogas vorher mit sehr teuren Anlagen aufbereitet werden, erklärt Frank Schlowin, der in Weimar das Institut für Biogas, Kreislaufwirtschaft und Energie gegründet hat. Aus seiner Sicht rechne sich die Umwandlung in Treibstoff erst aber einer bestimmten Anlagengröße und sei deshalb hauptsächlich ein Thema für große Biogasanlagenbetreiber. Also für Energiekonzerne.

Die Biogasanlage von Jungbauer Hörner

Viele Landwirte haben Angst ihre Biogasanlange zu verlieren.

9.000 Biogasanlagen in 20 Jahren

Doch was wird aus den vielen kleinen Anlagen der Landwirte? Beinahe 9.000 Biogasanlagen wurden in den letzten 20 Jahren gebaut. Betreiber bekommen ihren Strom aus Biogas 20 Jahre lang gefördert. Neu ist, dass der Landwirt anschließend noch an einer Ausschreibung teilnehmen und mit ein wenig Glück weitere zehn Jahre unterstützt wird. Den Zuschlag bekommt der, der am wenigsten für den Strom verlangt, den seine Anlage produziert.

Insolvenz bedroht viele Betreiber

Aber viele Anlagenbetreiber haben aus der Sicht Schlowins ihren Kostenrahmen zu eng gestrickt und überleben nicht unter den neuen Bedingungen. Strom und Wärme aus Biogas scheinen nicht mehr erwünscht zu sein.

Zwei graue Türme mit runden Dach einer Biogasanlage

Bisher produzieren Biogasanlagen hauptsächlich Strom und Wärme. Das soll sich nun ändern.

Das dazugehörige Argument lautet: Es gebe zu viele störende Energiepflanzen auf den Feldern, die für die herkömmlichen Biogasanlagen angebaut werden. Für den Anwalt für Umweltrecht, Prof. Martin Maslaton, ist das Argument erstens falsch und zweitens diene es nur dazu, kleinere Biogasanlagen langfristig aus dem Verkehr zu zuziehen.

Hauptsächlich Futtermittel auf den Äckern

Auf deutschen Äckern wachsen nämlich vor allem Futtermittel. Pflanzen für die Ernährung der Tiere, sprich, für die Fleischproduktion. Über 60 Prozent der Fläche nehmen Futtermittel ein. Weltweit sind es sogar 70 Prozent. Den Rest teilen sich ungefähr zu gleichen Teilen Ackerpflanzen, die wir direkt als Lebensmittel nutzen, und Energiepflanzen. Das Problem auf unseren Feldern ist also nicht das Biogas, sondern die Fleischproduktion. Warum stehen herkömmliche Biogasanlagen dann in der Kritik?

Gelbes Rapsfeld in der Nähe des Wurzacher Riedes

Auf nur etwa 20 Prozent der Äcker wachsen Engergiepflanzen für Biogasanlagen.

Biogas für den Schiffs-und Flugverkehr

„Vielleicht sollte man bei den Politikern nachfragen, die in den Aufsichtsräten sitzen, der großen Energieversorger“, meint Biogasanlagenbetreiber Andreas Niederlöhner. Er glaubt, dass die Politik und mit ihr die Energiekonzerne eine Trendwende eingeleitet haben. Ein Zeichen dafür könnte sein, dass die Biogasanlagen in Zukunft nicht mehr dem Landwirtschaftsministerium, sondern dem Verkehrsministerium unterstellt sind.

Das alles bedeutet: Biogas soll also – aufbereitet als Flüssiggas oder in Erdgasqualität – im Schiffs- und Flugverkehr genutzt werden. Der „normale“ Landwirt kann das mit seiner kleinen Anlage nicht leisten. Um zu überleben, müssen gerade kleine Betriebe sich etwas einfallen lassen, sagt Anlagenberater Frank Scholwin. Für ihn ist klar: Es braucht ein gutes Konzept und eine wasserdichte Finanzierung. Vor allem Anlagen mit einem guten Wärmekonzept hätten Chancen zu überleben. Für ihn sei die Gründung von Energiegenossenschaften ein vielversprechender Weg.