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trauriges Paar

Schlechte Spermien fördern Fehlgeburten Auch der Vater spielt eine Rolle

Viele Frauen erleiden in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft eine Fehlgeburt; die meisten bringen in den nächsten Jahren dann aber doch ein gesundes Kind zur Welt. Bei einigen Paaren aber folgt Fehlgeburt auf Fehlgeburt. Die medizinische Suche nach den Ursachen zielte bisher auf die Frauen. Nun gibt es neue Belege, dass auch die Spermienqualität der Männer bei Fehlgeburten eine Rolle spielt.

Forscher am Imperial College London haben dazu rund 110 Männer genau untersucht: bei 50 Probanden hatten die Partnerinnen mindestens drei frühe Fehlgeburten erlitten; bei den Frauen der übrigen Männer gab es keine Komplikationen während der Schwangerschaft. Das eindeutige Ergebnis:

Bei den Männern aus der Fehlgeburten-Gruppe fanden sich doppelt so oft Defekte im Erbgut der Samenzellen; außerdem waren ihre Spermien häufiger missgebildet und insgesamt weniger beweglich.

Spermien Symbolbild

Auch eine schlechte Spermienqualität kann für Fehlgeburten verantwortlich sein.

Besonders auffallend war die erhöhte Zahl von Sauerstoffradikalen: viermal so viele entdeckten die Forscher in der Samenflüssigkeit dieser Probanden. Eigentlich sollen Sauerstoffradikale – die Forscher sprechen von ROS – die Spermien vor Infektionen und Bakterien schützen. In größeren Mengen können sie die Zellen aber massiv schädigen – das könnte die gehäuften Fehler im Erbgut der Samenzellen erklären.

Warum die betroffenen Männer in ihrer Samenflüssigkeit so viel mehr Sauerstoffradikale bilden als üblich, können die Wissenschaftler noch nicht erklären.

  • Frühere Infektionen, zum Beispiel mit Chlamydien könnten eine Ursache sein – auch wenn sich keine Infektion mehr nachweisen ließ, könnten laut den Wissenschaftlern noch Keime in der Prostata geblieben sein.
  • Alter und Gewicht spielen möglicherweise ebenfalls eine Rolle: die Männer, deren Partnerinnen häufige Fehlgeburten erlebt hatten, waren rund sieben Jahre älter und öfter übergewichtig als die Probanden der Vergleichsgruppe. Außerdem war ihr Testosteronspiegel niedriger.

Die Londoner Wissenschaftler wollen den Ursachen für die verstärkte Bildung von Sauerstoffradikalen nun in weiteren Studien auf die Spur kommen. Sie hoffen, dass sich so Therapien entwickeln lassen, die die Chance auf eine gesunde Schwangerschaft erhöhen.

Kinderwunsch Labor

Die Qualität der Spermien spielt auch eine Rolle für die Entwicklung einer gesunden Plazenta. In Kinderwunschzentren werden Spermien daher genau untersucht.

Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass die Samenzellen auch wichtig sind für die Entwicklung einer gesunden Plazenta, die den Fötus im Mutterleib mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgt.

Natürlich wissen die Forscher, dass gehäufte Fehlgeburten ganz unterschiedliche Ursachen haben können: Fehlbildungen der Gebärmutter, hormonelle Störungen oder Alkoholkonsum der Mutter sind nur einige davon.

Trauernde Frau

Die Gründe für eine Fehlgeburt sind vielfältig, oft lässt sich die Ursache nicht eindeutig klären.

Entscheidend ist aus Sicht der Forscher aber, dass eben auch die Spermienqualität der Partner eine Schlüsselrolle spielen kann. Deshalb fordern die Wissenschaftler, künftig auch die Männer betroffener Paare genau zu untersuchen – bisher ist das in den Leitlinien zu gehäuften Fehlgeburten routinemäßig nicht vorgesehen. Ihre Studie publizierten die Forscher nun im Fachblatt „Clinical Chemistry“.