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Klimafolgen von Wind- und Solarstrom „Die Sahara könnte wieder grün werden.“

Windräder und Photovoltaikanlagen in der Sahara könnten nicht nur umweltfreundlichen Strom liefern. Sie würden auch aus der Wüste eine lebenswerte Region machen, sagt eine aktuelle Klimastudie.

Nirgends scheint die Sonne so heiß und verlässlich wie in der Sahara. Dort Solarkraftwerke aufstellen und damit nicht nur Afrika, sondern auch Europa mit günstigem Öko-Strom versorgen – das war mal ein großer Traum. Desertec hieß er. Doch das einstige Planungskonsortium hat sich inzwischen aufgelöst. Technisch und wirtschaftlich hätte Desertec wohl funktioniert, aber die Region – die Staaten Nordafrikas – erwiesen sich als politisch doch zu instabil. Auch könnte – technisch gesehen – Europa seinen Energiebedarf inzwischen auch ohne den Wüstenstrom decken, wenn der Fortschritt bei den erneuerbaren Energien so weiter geht.

Solar- und Windkraft bringt mehr Regen

Der Traum ist aber noch nicht ausgeträumt. Denn als Standort für Solar- aber auch Windkraftwerke scheint die Sahara optimal: Ganzjährig verlässliche Sonneneinstrahlung, kaum Vegetation, dadurch viel Wind. Und ökologisch können Kraftwerke in der Wüste nicht viel kaputt machen – dort lebt ja fast nichts.
Im Gegenteil: Solar- und Windkraftwerke könnten sogar mehr Regen bringen und so dazu führen, dass die Sahara wieder grün wird.

Zu diesem Ergebnis kommt jetzt ein internationales Forschungsteam in der Zeitschrift Science. Mehrere Effekte spielen dabei eine Rolle: Photovoltaikanlagen machen die helle Wüstenoberfläche dunkel. Dadurch werden die unteren Luftschichten wärmer und können – vor allem in den Randzonen – mehr Feuchtigkeit aufnehmen.

Windkrafträder fördern Luftfeuchtigkeit in der Wüste

Windkraftwerke sorgen für eine Durchmischung der Luftschichten, auch dadurch nimmt die Luft mehr Feuchtigkeit auf.
Windkraftwerke bedeuten Reibung. Sie verringern den Luftwiderstand und damit die Windgeschwindigkeit.
Jetzt haben die Forscher im Modell – also fiktiv – ca 60 Wind- und Solarkraftwerke über die gesamte Sahara verteilt und durchgerechnet, wie sich diese Effekte konkret auswirken würden. Ergebnis: Das Klima in der Sahara selbst wird noch wärmer, etwa 1 bis 2 Grad Celsius.

Aber: Die zusätzliche Luftfeuchtigkeit würde auch zu mehr Regen führen – Pflanzen würden wachsen. Das haben auch schon frühere Studien gezeigt, doch das wäre nur der erste Schritt. Die neue Vegetationsdecke würde die Effekte noch einmal verstärken. Denn auch Vegetation macht die Landfläche dunkel und bremst den Wind. In der Folge würde der Regen noch einmal zunehmen. Mehr mehr als die Sahara selbst würde auch die im Süden angrenzende und immer wieder von Dürre betroffene Sahel-Region profitieren. Dort würden sich die Niederschläge der Rechnung zufolge verdoppeln. Das zeigt die Grafik:

Modell - Änderung der Niederschlagsmenge durch großflächige Windkraft- und Solaranlagen in der Sahara

Modell - Änderung der Niederschlagsmenge durch großflächige Windkraft- und Solaranlagen in der Sahara

Energie und Wasser für die Wüste

Damit würde ein Ausbau von Solar- und Windkraftwerken zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Er würde günstig umweltfreundlichen Strom liefern, mit dem sich auch Meeresentsalzungsanlagen betreiben ließen. Und gleichzeitig würde die Sahara lebensfreundlicher werden. Die Studie liest sich somit wie ein klares Plädoyer dafür, solche Kraftwerke über die gesamte Wüste zu verteilen.

Auch wenn die Randbedingungen stark vereinfacht sind, halten deutsche unabhängige Experten die Berechnungen für plausibel. Schließlich war die Sahara vor vielen tausend Jahren schon mal grün. Darauf weist der Meteorologe Martin Claussen vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg hin: Eine anfängliche Pflanzendecke habe auch damals weiteren Regen und somit weitere Vegetation nach sich gezogen.

Umm El Ma See, Erg Awbari, Sahara, Fezzan, Libyen, Nordafrika

Wird die Wüste Sahara durch die großflächige Installation von Windrädern und Solaranlagen bald wieder grün?

Nur ein akademisches Gedankenspiel - instabile politische Lage in Nordafrika

Axel Kleidon vom Max-Planck-Institut für Biogeochemie in Jena macht allerdings eine Einschränkung: Das Modell funktioniere „nur wenn die Vegetation nicht durch menschliche Aktivität wie Überweidung beeinträchtigt wird“, meint Axel nachdem er sich die Studie angesehen hat. „Da aber gerade die Sahelzone stark durch den Menschen und durch Beweidung geprägt ist, stehe ich dem Effekt auf die Vegetation eher skeptisch gegenüber.“
Seine Haupteinwand ist aber ein anderer – und da verweist Kleidon wieder auf die Erfahrungen mit Desertec: In der derzeitigen politischen Situation in Nordafrika sei die Überlegung, in der Sahara in großen Stil Wind- und Solarkraftwerke zu bauen, eher ein akademisches Gedankenspiel als ein realistischer Plan.