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Roboter können schon heute Pflegekräfte teilweise ersetzen und Krankenzimmer desinfizieren. Im Kampf gegen das neue Coronavirus sollen die Maschinen weiterentwickelt werden. Zum Beispiel um medizinisches Personal vor einer Infektion zu schützen.

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Roboter als Servicekraft in Quarantäne-Zeiten

Guang-Zhong Yang ist Dekan am Institut für medizinische Robotik der Jiaotong-Universität in Shanghai. Ein Roboterexperte also – der in Zeiten des neuartigen Coronavirus auch selbst schon auf die Hilfe eines Roboters angewiesen war. Ende Februar kehrte er von einer Reise zurück und musste sich in einem Hotel in Shanghai für zwei Wochen in Quarantäne begeben. Das Essen brachte ihm dort ein Roboter:

„In normalen Zeiten wäre das ein nettes Gimmick. Aber jetzt, wo wir persönliche Kontakte reduzieren müssen, ist das wirklich nützlich.“

Guang-Zhong Yang, Robotikexperte
Roboter können im Kampf gegen das Coronavirus wertvolle Dienste leisten. (Foto: Imago, imago)
Roboter können im Kampf gegen das Coronavirus wertvolle Dienste leisten. Imago imago

Maschinen im Kampf gegen das Coronavirus vielseitig einsetzbar

Roboter können infizierten Menschen aber nicht nur Sachen bringen, sondern auch deren Krankenzimmer nach ihrer Genesung eigenständig mit starkem UV-Licht desinfizieren. Das passiert gerade mit dänischen Maschinen in chinesischen Krankenhäusern. In den USA schicken Ärzte Telepräsenz-Roboter zu Corona-Patienten und können so per Videotelefonie mit den Kranken sprechen. Außerdem gibt es Roboter, die kontaminierten Abfall entsorgen, sagt Guang-Zhong Yang:

“Die nutzen Technik aus autonomen Fahrzeugen. Sie navigieren eigenständig und finden sich mittels maschinellem Sehen zurecht. Aber solche Maschinen werden zur Bekämpfung von Covid-19 nur vereinzelt genutzt.“

Guang-Zhong Yang, Robotikexperte

Roboter können nicht nur infizierte Menschen bedienen, sie können zum Beispiel auch  Krankenzimmer mit starkem UV-Licht desinfizieren.  (Foto: Imago, imago)
Roboter können nicht nur infizierte Menschen bedienen, sie können zum Beispiel auch Krankenzimmer mit starkem UV-Licht desinfizieren. Imago imago

Wissenschaftler wollen mehr Roboter-Forschung

Guang-Zhong Yang will das ändern. Darum hat er zusammen mit zwölf weiteren Experten ein Editorial für seine Zeitschrift Science Robotics geschrieben. Die Wissenschaftler fordern, jetzt Roboter zu entwickeln, die künftig bei der Behandlung von ansteckenden Krankheiten helfen sollen. Damit wollen sie medizinisches Personal gerade auf Intensivstationen vor der Gefahr einer Infektion schützen:

“Warum müssen wir Krankenschwestern und Ärzte einer Gefahr aussetzen, wenn wir doch Roboter haben, mit denen man sogar ferngesteuert operieren kann? Man könnte die Körperfunktionen von Patienten ferngesteuert messen und sogar die Intubation regeln.“

Guang-Zhong Yang, Robotikexperte
Wissenschaftler fordern Roboter zu entwickeln, die künftig bei der Behandlung von ansteckenden Krankheiten helfen sollen.  (Foto: Imago, imago)
Wissenschaftler fordern Roboter zu entwickeln, die künftig bei der Behandlung von ansteckenden Krankheiten helfen sollen. Imago imago

Corona- Rachenabstriche könnten von Robotern übernommen werden

Ferngesteuerte Operationsroboter sind heute oft Standard – zum Beispiel bei Eingriffen an der Prostata. Der Arzt sitzt dabei an einer Konsole, sieht die Operation auf einem Monitor und steuert die Maschinen über spezielle Joysticks. Die Technologie dahinter könnte man für die Behandlung von Intensivpatienten anpassen.

Auch weniger aufwändige aber trotzdem gefährliche Aufgaben könnten Roboter übernehmen. Rachenabstriche etwa. Manche der nötigen Technologien könne man aus anderen Bereichen übernehmen, andere müsste man neu entwickeln, sagt Guang-Zhong Yang.

Statt Menschen könnten Roboter die Rachenabstriche übernehmen.  Robotikforscher Guang-Zhong Yang hält das für realisierbar.   (Foto: Imago, imago)
Statt Menschen könnten Roboter die Rachenabstriche übernehmen. Robotikforscher Guang-Zhong Yang hält das für realisierbar. Imago imago


Wird sich langfristig etwas ändern?

Schon bei der Ebola-Epidemie 2015 machten Wissenschaftler Vorschläge, wo Roboter bei der Bekämpfung von Infektionskrankheiten helfen könnten. Passiert ist seitdem aber nicht viel. Wenn die Situation wieder unter Kontrolle ist, sind die Vorhaben schnell vergessen.

Dieses Mal könnte es anders sein. Erstens weil es eine Pandemie diesen Ausmaßes schon sehr lange nicht mehr gab. Und zweitens weil die Robotik große Fortschritte gemacht hat, die man jetzt ausnutzen könnte.

Um den Ehrgeiz der Forscher anzuspornen, bereitet Guang-Zhong Yang gerade einen Wettbewerb vor. Er will Ingenieure, Ärzte und Gesundheitsökonomen zusammenbringen. Die sollen dann unter realistischen Szenarien an der Bekämpfung von Infektionskrankheiten forschen. Der Wissenschaftler ist optimistisch:

„Eines Tages werden wir Covid-19 unter Kontrolle haben. Das ist sicher. Aber wir müssen bereit sein, damit die nächste Krankheit uns nicht so schwer trifft.“

Guang-Zhong Yang, Robotikexperte
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