Summen für süßen Nektar So hören Pflanzen das Brummen von Insekten

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Pflanzen haben "Ohren". Und damit hören sie das Summen von Insekten - sagen Forscher der Universität Tel Aviv. Die Kommunikation zwischen Insekten und Pflanzen ist damit vielfältiger als gedacht.

Wir wissen bereits: Pflanzen können "sprechen" – miteinander und mit ihren Fressfeinden. Wenn eine Raupe beispielsweise eine Pflanze annagt, produziert diese bestimmte Hemmstoffe, damit sie der Raupe nicht mehr so gut schmeckt.

Forscher haben sich nun genauer angeschaut, wie Pflanzen und Insekten noch miteinander kommunizieren können – und zwar so, dass sie voneinander profitieren.

Symbiose: Nektar und Pollen im Austausch für Bestäubung

Pflanzen und Insekten haben eine ganz besondere Beziehung, denn die meisten Pflanzen sind abhängig von Bienen & Co: Insekten bestäuben ihre Pflanzen, indem sie von Blüte zu Blüte fliegen, die Pollen von einer zur anderen tragen und so überhaupt erst die Fortpflanzung von Pflanzen möglich machen.

Je effektiver die Insekten die Blütenpollen verteilen, desto besser für die Pflanze. Die Insekten machen das jedoch nicht aus Nächstenliebe, sondern weil sie dafür von der Pflanze süßen Nektar bekommen. Eine Win-Win-Situation.

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Nektar gegen Bestäubung - Pflanzen und Insekten profitieren beide von der Zusammenarbeit. picture alliance / Frank Rumpenhorst - picture alliance / Frank Rumpenhorst

Aber: Die Produktion von süßem Nektar kostet die Pflanze Energie – je süßer, desto mehr. Die Annahme der Wissenschaftler: Es würde sich für Pflanzen lohnen, genau dann besonders süßen Nektar zu produzieren, wenn auch wirklich Bestäuber in der Nähe sind. Genau das sollen die Pflanzen hören können, so die Hypothese: das Gebrumm und Gesumm.

Pflanzen nehmen tiefe Frequenzen wahr und reagieren darauf

Ob das wirklich stimmt, haben die Forscher so getestet: Nachtkerzen-Pflanzen wurden mit unterschiedlichen Geräuschen beschallt. Mit Original-Aufnahmen von Bienengesumm und mit einem künstlich erzeugten Summen in einer ähnlich tiefen Frequenz. Außerdem mit einem deutlich höheren Ton, der nichts mehr mit dem sonoren Sound von Bienen zu tun hat – und mit Nichts, also Stille.

Drei Minuten nach der Beschallung haben sie die Zuckerkonzentrationen im Nektar der Blüten gemessen. Das Ergebnis: Der Nektar enthielt am wenigsten Zucker bei Stille und bei hohen Tönen. Signifikant mehr Zucker gab es tatsächlich bei tiefen Tönen und bei Bienen-Sound: 20 Prozent mehr!

Nachtkerzen (Foto: picture alliance / Yuval Sapir / Tel Aviv University - picture alliance / Yuval Sapir / Tel Aviv University)
An Nachtkerzen-Arten wie dieser haben die Forscher aus Tel Aviv die Kommunikation von Pflanzen und Insekten erforscht. picture alliance / Yuval Sapir / Tel Aviv University - picture alliance / Yuval Sapir / Tel Aviv University

Heißt also: Die Pflanze nimmt die tiefen Töne von Bienensummen und Insektenbrummen wahr und reagiert darauf, indem sie süßeren Nektar produziert. Somit ist die Pflanze attraktiver für ihre Bestäuber.

Die kommen, so die Vermutung, gerne wieder zurück oder sagen ihren Artgenossen Bescheid, wo der besonders süße Saft zu finden ist. Die Pflanze produziert also just-in-time, und die Biene kommt häufiger mal vorbei: Win-Win in Perfektion – die Systeme von Pflanzen und Insekten haben sich im Laufe der Evolution aufeinander abgestimmt.

Blütenblätter als Resonanzkörper

Die Autoren der Studie kamen außerdem dem Geheimnis auf die Spur, wie die Pflanze die verschiedenen Tonhöhen wahrnimmt: mithilfe ihrer Blütenblätter. Diese vibrierten im Experiment der Forscher, wenn man sie mit tiefen Tönen beschallte – und sie vibrierten nicht bei hohen Tönen.

Die Blüten sind also quasi die "Ohren" der Pflanze. Sie dienen als Resonanzkörper, auf die sich der Schall vom Bienengebrumm überträgt. Die Forscher halten es übrigens für möglich, dass viele Pflanzen genau deshalb schalenförmige Blüten haben.

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