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Bienen haben in ihrer Sprache auch Dialekte. Dabei geht es zwar weniger um Worte, als um Tänze, das Prinzip ist aber das gleiche. Lange war umstritten, ob es diese Dialekte wirklich gibt, jetzt konnten Forscher das beweisen.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
16:05 Uhr
Sender
SWR2

Hochbetrieb im Bienenstock: Im scheinbaren Chaos wuseln die Honigbienen durcheinander. Doch einige der Bewegungen verstecken eine wichtige Information: Durch einen Tanz erklären erfolgreiche Sammlerinnen nach der Rückkehr, wo sie fündig geworden sind, ein heißer Tipp für alle anderen.

Die Dauer von diesem Schwänzeltanz verrät, wie weit das Futter entfernt ist. Und an der Ausrichtung des Tanzes erkennen die anderen, in welche Richtung sie fliegen müssen. Patrick Kohl von der Universität Würzburg erforscht diesen Schwänzellauf der Honigbienen.

Schwänzeltanz lockt andere Bienen an richtigen Ort

„Man darf sich das jetzt nicht so vorstellen, als wäre das eine genaue Koordinatenangabe. Bei der Kommunikation gibt es auch bei uns Menschen immer einen gewissen Fehler.“

Patrick Kohl, Bienenforscher aus Würzburg

Trotzdem ist der Tanz genau genug, um die Kolleginnen an den richtigen Ort zu lotsen.

Bienen beim Schwänzeltanz (Foto: Imago, imago/Panthermedia)
Bienen beim Schwänzeltanz Imago imago/Panthermedia

Nobelpreis für Erforschung der Kommunikation bei Bienen

Für die Entschlüsselung dieser Art der Kommunikation hat Karl von Frisch 1973 den Nobelpreis bekommen. Und er war es auch, der als erster Unterschiede in den Tänzen entdeckte. Die Unterschiede in der Tanzsprache nannte er Dialekte.
Bereits in den 1940er Jahren hatte Karl von Frisch entdeckt, dass unterschiedliche Bienenarten auch unterschiedlich kommunizieren:
Vor allem die Schwänzeldauer bei ansteigender Distanz verläuft bei verschiedenen Unterarten unterschiedlich schnell.

Professor Karl von Frisch (1886 - 1982) hat die Bienensprache erforscht und für seine Forschung 1973 den Nobelpreis bekommen. (Foto: Imago, imago/ZUMA/Keystone)
Professor Karl von Frisch (1886 - 1982) hat die Bienensprache erforscht und für seine Forschung 1973 den Nobelpreis bekommen. Imago imago/ZUMA/Keystone

Forscher erkunden Dialekte der Bienensprache

Ob es diese Dialekte aber wirklich gibt, darüber waren sich die Forscher lange nicht einig. Patrick Kohl und seine Kollegen konnten das jetzt in einer Studie beweisen.

In Indien konnten die Forscher mit drei unterschiedlichen Honigbienenarten arbeiten, deren Stöcke wurden nacheinander an der gleichen Stelle platziert. Die Wissenschaftler gewöhnten die unterschiedlichen Bienen an künstliche Futterstellen, deren Distanz zum Bienenstock veränderten sie nach und nach.

So konnten sie sicher gehen, dass alle Bienen die gleiche Testbedingungen hatten.

Unterschiedliche Lebensbedingungen scheinen wohl die Entwicklung bestimmter Dialekte der Bienensprache zu beeinflussen.  (Foto: Imago, imago images / Frank Sorge)
Unterschiedliche Lebensbedingungen scheinen wohl die Entwicklung bestimmter Dialekte der Bienensprache zu beeinflussen. Imago imago images / Frank Sorge

Dialekte durch Anpassung an besondere Lebensbedingungen

Mit Videokameras haben sie dann den Schwänzeltanz der Bienen aufgenommen und am Computer ausgewertet. Das Ergebnis zeigte klare Unterschiede:

„Bei der östlichen Honigbiene steigt die Schwänzeldauer beispielsweise ganz schnell an. Bei 100 m Entfernung dauert das Schwänzeln nur eine halbe Sekunde, bei 400 m Entfernung dauert es schon 2 Sekunden. Und jetzt zum Vergleich bei der Riesenhonigbiene: Bei 100 m dauert der Schwänzellauf auch eine halbe Sekunde, aber bei 400 m dauert der nur eine Sekunde.“

Patrick Kohl, Bienenforscher aus Würzburg

Der Grund für diese Unterschiede könnte eine Anpassung an die Lebensbedingungen sein.

Fleißige Bienen haben wenig Zeit zur Kommunikation

Denn um die Information an die anderen Bienen weiterzugeben, haben die Sammlerinnen nicht ewig Zeit. Im Bienenstock ist viel los, damit die Zuschauerinnen folgen können, muss man sich kurzhalten.

Bienenarten, die häufig weite Strecken zurücklegen, können also nicht ausführlich und genau die Distanz tanzen. Bei ihnen bedeutet „zwei Sekunden tanzen“ eine andere, eine weitere Strecke als bei Arten, die nicht so weit fliegen – eine Anpassung an die Umwelt

Patrick Kohl und seine Kollegen konnten aber auch zeigen, dass sich diese Dialekte nicht nur zwischen unterschiedlichen Honigbienen-Arten entwickelt haben.

Bienen sprechen Dialekt. Deshalb sollten Bienen auch möglichst nur regional eingesetzt werden. (Foto: Imago, imago images / Frank Sorge)
Bienen sprechen Dialekt. Deshalb sollten Bienen auch möglichst nur regional eingesetzt werden. Imago imago images / Frank Sorge

Imker sollten nur regionale Honigbienen einsetzen

„Wenn wir den Tanz hier von Bienen aus Mitteleuropa vergleichen mit dem Tanz von Bienen aus Südafrika, dann gibt es da große Unterschiede, obwohl sie zur gleichen Art gehören. Aber auch schon zwischen Bienen die nördlich der Alpen wohnen und Bienen aus Italien gibt es Unterschiede.“

Patrick Kohl, Bienenforscher aus Würzburg

Für den Doktoranden hat die Erforschung der Bienensprache aber auch einen ganz praktischen Aspekt. Auf der Suche nach der perfekten Honigbiene würden von Imkern auch Unterarten gekreuzt, die an völlig unterschiedliche Umgebungen angepasst sind – die demnach auch andere Dialekte sprechen, beziehungsweise tanzen.

„Durch das einfache Kreuzen von Bienen, die lange nichts miteinander zu tun hatten, kann man eben diese ganze Tanzsprache eventuell zerstören. Und das wäre etwas sehr Trauriges, würde ich sagen.“

Patrick Kohl, Bienenforscher aus Würzburg

Er appelliert daher dafür, nur regionale Honigbienen einzusetzen, die an die jeweiligen Umweltbedingungen angepasst sind.

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