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Mit dem Rauchen aufhören Helfen E-Zigaretten bei der Tabakentwöhnung?

Von Ulrike Till

Viele Raucher wollen lieber heute als morgen keine Zigaretten mehr anrühren. Gelingt die Entwöhnung besser, wenn Tabakraucher auf E-Zigaretten umsteigen? Das legt eine neue Studie nahe. Doch die Ergebnisse sind umstritten.

Ganz ohne Unterstützung schaffen es nur drei von hundert Aufhörwilligen, das Rauchen aufzugeben. Doch auch mit professioneller Beratung und Hilfsmitteln wie Nikotinpflastern oder -kaugummi sind nur einige erfolgreich. Jetzt zeigt eine große Studie im New England Journal of Medicine: Möglicherweise lässt sich die Erfolgsquote deutlich steigern, wenn Tabakraucher auf E-Zigaretten umsteigen. Doch Kritiker bezweifeln das.

Frau mit E-Zigarette

In der Werbung wird die E-Zigarette meist als gesündere Alternative zur normalen Zigarette dargestellt

Groß angelegte Studie mit Rauch-Stop-Programm

Schon länger gibt es Hinweise, dass E-Zigaretten Rauchern beim Ausstieg helfen können – das bestätigen nun neue Daten aus einer groß angelegten klinischen Studie. Knapp 900 Raucherinnen und Raucher haben mitgemacht, alle hatten sich für ein Rauch-Stopp-Programm des britischen Gesundheitsdienstes gemeldet. Die Probanden wurden in zwei Gruppen eingeteilt: eine Hälfte bekam Nikotinpflaster, -kaugummis oder -sprays, die anderen Teilnehmer erhielten E-Zigaretten.

Nikotinpflaster mit Zigarettenschachtel

Viele Raucher und Raucherinnen versuchen mit Nikotinpflastern von ihrer Tabaksucht loszukommen. Einigen gelingt das auch.

Dampfen statt Rauchen hilft bei Entzug

Außerdem wurden alle Probanden in den ersten vier Wochen mehrfach von Ärzten beraten. Nach einem Jahr waren die Probanden, die E-Zigaretten dampfen durften, deutlich erfolgreicher: Ihnen gelang der Verzicht auf klassische Tabakzigaretten fast doppelt so häufig wie der Vergleichsgruppe. Mit E-Zigarette glückte der Ausstieg 18 Prozent der Teilnehmer; dagegen waren mit Hilfe von Nikotinersatzprodukten nur 10 Prozent erfolgreich.

Nikotinersatzmittel wirken nachhaltiger

Ein Detail ist dabei wichtig: Bei den Nutzern von E-Zigaretten ging es meist nicht um einen kompletten Nikotin-Stopp, sondern letztlich nur um den Umstieg von herkömmlichen Zigaretten auf E-Zigaretten. Die gelten zwar als deutlich weniger gesundheitsschädlich – aber über die Langzeitrisiken ist noch kaum etwas bekannt.

In der Verdampfer-Gruppe nutzten 80 Prozent der Teilnehmer nach einem Jahr immer noch E-Zigaretten; bei den Probanden, die nur Nikotinersatzmittel bekommen hatten, gelang der Ausstieg dagegen meist komplett.

SCHWEIZ JUUL E-ZIGARETTE

Die E-Zigarette Juul ist mittlerweile auch in Deutschland auf dem Markt. Doch die Langzeitfolgen des Konsums von Zigaretten sind bislang noch nicht gut erforscht.

Britische Rauch-Stopp-Studie in der Kritik

Mehrere britische Experten haben die Studie als Durchbruch gefeiert. In Deutschland dagegen kommt Kritik vom Mannheimer Institut für Public Health: Die Studienbedingungen seien wenig realitätsnah, heißt es in einer Stellungnahme. Der hohe Nikotingehalt der verwendeten E-Zigaretten sei unüblich; ebenso die intensive therapeutische Begleitung.

Das Mannheimer Institut betont, dass in den deutschen Leitlinien für Suchttherapeuten E-Zigaretten zur Tabakentwöhnung nicht vorgesehen sind. Stattdessen setzen deutsche Fachgesellschaften bisher vor allem auf Nikotinersatzprodukte, Medikamente und unterstützende Gespräche.

Kein echter Rauch-Stopp mit E-Zigaretten

Der Grund: mehrere Studien hätten gezeigt, dass Raucher mit Hilfe von E-Zigaretten keinen echten Rauch-Stopp erreichen. Nach einer Weile nutzen viele Aufhörwillige den Mannheimer Forschern zufolge einfach Tabak- und E-Zigaretten parallel.

Die Wissenschaftler warnen auch davor, dass insbesondere jugendliche Nichtraucher über E-Zigaretten überhaupt erst in gefährlichen Nikotinkonsum einsteigen. Das ist auch eine Sorge am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Dort sind die Experten allerdings offen dafür, unter Umständen auch E-Zigaretten bei der Rauchentwöhnung zu nutzen. Die deutschen Leitlinien werden gerade überarbeitet, die britische Studie wird auf jeden Fall mit einfließen.

Frau schaut von der Seiten auf einen Aschenbecher mit vielen gerauchten Zigaretten

Um mit dem Rauchen aufzuhören, benötigt man auch viel Willenskraft. Der Umstieg auf die E-Zigarette ist für viele kein richtiger Ausstieg.