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Reha-Maßnahme

Für die Operation fit werden Prehabilitation: Das richtige Training vor dem Eingriff

Operationen schlauchen den Körper - die Bettruhe danach schwächt die Muskeln. Um dem vorzubeugen, gibt es die Prehabilitation: Fitness-Training vor dem Eingriff - eine konsequente Weiterentwicklung der Rehabilitation.

Aktive Patienten verkraften die Nebenwirkungen einer Operation besser. Das ist bei Eingriffen wegen Brust-, Darm- und Prostatakrebs sowie Leukämie schon belegt. Die vorbeugende Bewegung fördert die Genesung. Doch auch große orthopädische Operationen wie ein Hüftgelenksersatz schlauchen den Körper. Prehabilitation soll das verhindern.

Darauf setzt auch die 71-jährige Heidi Plaß und ihre Behandler in Hamburg. Plaß trainiert im Physiotherapiezentrum der Hamburger Asklepios-Klinik St. Georg vor ihrer Operation unter Aufsicht einer Sportwissenschaftlerin.

6:19 min | Do, 18.5.2017 | 22:00 Uhr | odysso - Wissen im SWR | SWR Fernsehen

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Prehabilitation

Trainieren vor der OP

Odysso

Prehabilitation bedeutet, dass Patienten vor der Knie- oder Hüftgelenkstransplantation Fitnessübungen machen, so die OP besser überstehen und schon nach wenigen Tagen die Klinik verlassen können.

Patienten, die vor einer Operation trainieren, erholen sich danach schneller

Vier Wochen lang trainieren die Patienten im Trainingsraum des Klinikums. Dabei bauen sie Kraft auf und trainieren ihre Stabilität und ihr Gleichgewicht. Das Ziel ist, dass die Patienten bereits gestärkt in die OP gehen und sich hinterher schneller erholen. Sportwissenschaftlerin Daniela Oestreich erklärt:

Arthrose-Patienten bewegen sich auf Grund ihrer starken Gelenkschmerzen oft nicht mehr genug, es fehlt ihnen an Muskelkraft und -koordination.

Diese Patienten gehen automatisch in einen Schonrhythmus. Sie bewegen sich weniger im Alltag. Dadurch bauen sie Kraft ab und werden unsicher. Aus diesem Kreislauf sollen die Patienten durch die Prehabilitation rausgeholt werden.

Frauen bei der Gymnastik

Gymnastik fördert Beweglichkeit und Gleichgewicht: wichtige Parameter vor einer Operation

Prehabilitation lindert Schmerzen

So schickt das Hamburger Klinikum Patienten mit einer geplanten Hüft-OP etwa vier Wochen vor dem Termin zweimal pro Woche zum Fitnesstraining. Dabei geht es nicht nur um Muskelzuwachs, sondern vor allem um Bewegungssteuerung. Denn wenn die Patienten ein besseres Gleichgewicht haben, werden die Gelenke funktionell belastet und dementsprechend haben sie auch weniger Schmerzen.

Der Plan: Die Patienten sollen sich maximal fit machen

Für den Orthopäden Roel van der Most, Leiter der Endoprothetik am Hamburger Klinikum, ist dabei auch die Einstellung der Patienten wichtig. Es ist nicht nur das Training. Es ist schon eine Haltung. Bei mir gibt es nicht: Ich komme ins Krankenhaus rein und ich leg mir ins Bett und machen Sie mal. Schon in unserer Sprechstunde erkläre den Patienten, dass es extrem wichtig ist, dass sie selbst das maximal Mögliche aus sich herausholen.

Selbst schwerkranken Menschen helfen physiotherapeutischen Übungen vor einer Operation

Das spezielle Trainingsprogramm für Muskulatur und Kreislauf funktioniert auch bei schwer kranken, schmerzgeplagten und gebrechlichen Menschen. Ich konnte überhaupt nicht mehr laufen, berichtet die 71-jährige Heidi Plaß. Ich hatte solche Schmerzen, dass ich nur mit dem Gehwagen ins Krankenhaus kommen konnte.

Eine Frau läuft auf dem nassen Gehweg mit einem Rollator

Körperliches Training vor einer anstehenden OP kann den späteren Heilungsverlauf positiv beeinflussen.

Atemkraft beugt Komplikationen während und nach der Operation vor

Ältere Menschen haben in der Regel eine schlechtere Kondition. Doch mit schlichten physiotherapeutische Übungen lässt auch die Atemkraft trainieren. Dadurch lasse sich das Risiko senken, nach einer Operation eine Lungenentzündung zu bekommen, erklärt van der Most. Zudem würden bei trainierten Patienten weniger Komplikationen auftreten und sie müssten in der Regel auch kürzer im Krankenhaus bleiben.

Positive Wirkung von Training vor Hüft-OPs wissenschaftlich nachgewiesen

Studien haben den positiven Effekt körperlicher Bewegung zum Beispiel vor einem Hüftgelenkersatz gezeigt: Durch Prehabilitation werden Muskeln, Sehnen und Bänder rund um die Hüfte so weit stabilisiert, dass die Schmerzmittel schon vor der OP stark reduziert werden konnten. Und das anschließende Laufenlernen mit dem künstlichen Gelenk geht deutlich zügiger als ohne sportliche Vorbereitung auf den Eingriff.

Ein Röntgenbild eines künstlichen Hüftgelenks, aufgenommen während einer Operation zur Kontrolle.

Röntgenbild eines künstlichen Hüftgelenks - auch hier kann Bewegung vor der OP hilfreich sein

Durch Prehabilitation lassen sich die Schmerzen um die Hälfte vermindern

Auch die Schmerzen lassen sich offenbar durch das Training vor der Operation vermindern. Um das zu beweisen, hat Orthopäde van der Moest gemeinsam mit der Sportwissenschaftlerin Oestreich eine Studie begonnen. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: bei Patienten mit präoperativen Vorbereitung halbierten sich die Schmerzen.

Weiterer positiver Effekt der Prehabilitation: Die Patienten blieben auch nach der Operation aktiver. Sportwissenschaftlerin Österreich betont, so hätten sich einige Patienten lange Aufenthalte in Kliniken und Reha-Einrichtungen erspart:

Die Patienten, die das Trainingsprogramm durchlaufen haben, sind nach der Operation schon so fit und selbstständig, dass bei einigen Patienten im Anschluss ein ambulantes Reha-Programm oder eine ambulante Physiotherapie völlig ausreichen.