In den USA und Israel gibt es wieder vereinzelte Fälle von Polio. (Foto: IMAGO,  imago images / Stefan Trappe)

Medizin

Rückkehr der Polioviren – Impfung schützt vor Kinderlähmung

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Veronika Simon
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Ralf Kölbel

In den USA gab es den ersten Fall einer Polioinfektion seit zehn Jahren. In Industrieländern galt das Virus lange als ausgerottet. Droht jetzt eine Rückkehr der Seuche?

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In New York wurde der Polioerreger vermehrt im Abwasser gefunden und es gab den ersten Fall seit fast einem Jahrzehnt in den USA. Auch in Großbritannien und Israel wurden Polioviren nachgewiesen. Bei vielen klingelt es da direkt: Gegen Polio, oder auch Kinderlähmung (Poliomyelitis), wurde lange die berühmte Schluckimpfung gegeben. Doch was ist Polio überhaupt?

Letzter Fall in den 1990ern

Die Kinderlähmung ist selten geworden. So selten, dass viele Eltern heute nie mit der Krankheit in Kontakt gekommen sind und auch viele junge Ärztinnen und Ärzte kennen sie nur aus den Lehrbüchern. In Deutschland hat es nach Angaben des RKI Anfang der 1990er Jahre die letzten nachgewiesenen Poliofälle durch Wildviren gegeben. Seit 2002 gilt Europa als poliofrei. Aber auch hier ist es möglich, dass es erneut zu Fällen kommen kann.

Kinderlähmung wird über Tröpfchen durch Schmierinfektion übertragen

Die Kinderlähmung ist nicht ausgerottet. Zumindest nicht überall, vor allem im Nahen Osten, in Afghanistan und Pakistan sind die entsprechenden Viren noch heimisch und können sich von dort verbreiten. Außerdem kann die Nutzung von Lebendimpfstoffen zu Ausbrüchen führen, weshalb man heute vor allem Totimpfstoffe einsetzt.

Ausgelöst wird die Kinderlähmung durch sogenannte Polioviren, die sich vor allem im Darm vermehren. Sie werden durch eine Schmierinfektion, also Berührungen verbreitet, aber auch über Tröpfchen in der Luft.

Polioviren werden häufig über verunreinigtes Trinkwasser übertragen.  (Foto: IMAGO, imago images/Kateryna_Kon)
Polioviren werden häufig über verunreinigtes Trinkwasser übertragen. imago images/Kateryna_Kon

Hirnhautentzündung und Lähmung als mögliche Folgen einer Polioinfektion

In den meisten Fällen verläuft eine Infektion recht harmlos, viele merken gar nichts davon oder sie bekommen etwas Fieber oder einige Tage Magen-Darm-Probleme.

Doch nicht alle kommen so glimpflich davon: Bis zu 5 Prozent der Infizierten entwickeln laut Robert Koch-Institut eine gefährliche Hirnhautentzündung, bei bis zu einem Prozent kommt es zu der sogenannten paralytischen Poliomyelitis. Hinter diesem Begriff verstecken sich die gefürchteten Lähmungserscheinungen bei den oft jungen Patienten. Am häufigsten sind die Beine betroffen, es ist aber auch möglich, dass Arme, Bauch- oder Augenmuskeln gelähmt werden.

An solchen schwereren Verläufen der Kinderlähmung sind zu den Hochzeiten tausende Betroffene gestorben. Doch auch Überlebende haben oft mit lebenslangen Folgen zu tun: Denn die Lähmungen bilden sich zwar zum Teil zurück, meist aber nicht komplett.

Trotz weltweiter Impfkampagnen ist es bislang noch nicht gelungen, das Polio-Virus vollständig auszurotten. Kinder mit Lähmungserscheinungen in der Demokratischen Republik Kongo (Foto: IMAGO, imago images / Stefan Trappe)
Trotz weltweiter Impfkampagnen ist es bislang noch nicht gelungen, das Poliovirus vollständig auszurotten. imago images / Stefan Trappe

Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung grausam

Doch es gibt einen wirksamen Schutz vor der Kinderlähmung: Seit den 60er-Jahren wird in Deutschland gegen die Polio-Viren geimpft, zuerst mit der Schluck-Impfung aus abgeschwächten Viren, einem sogenannten Lebendimpfstoff. Die Zahlen der Infektionen gingen seitdem rapide zurück.

Seit Ende der 90er Jahre werden andere, weniger riskante Impfstoffe verwendet, die nicht mehr geschluckt, sondern in den Muskel gespritzt werden. Sie gehören zu den Routine-Impfungen von Säuglingen, vorgesehen sind drei Dosen im ersten Lebensjahr und eine Auffrischung als Schulkind. Geimpfte Erwachsenen wird bei Reisen in betroffene Länder ebenfalls eine Auffrischung empfohlen.

Hier wird ein Kind in Indien gegen Polio geimpft. (Foto: IMAGO, imago images/Xinhua)
Hier wird ein Kind in Indien gegen Polio geimpft. imago images/Xinhua

Angst vor Polio schwindet

In Deutschland erhalten laut Robert Koch-Institut zurzeit etwa 90 Prozent der Babys die vorgesehenen Polio-Impfungen. Das klingt viel, doch Experten warnen: Um das Virus effektiv in Schach zu halten, wären eigentlich 95 Prozent notwendig. Doch hierzulande hätten viele Eltern die Angst vor der Krankheit verloren – auch ein Ergebnis der erfolgreichen, weltweiten Impfkampagne.

Um das Polio-Virus in Schach halten zu können, müsste die Impfquote in Deutschland höher sein.  (Foto: IMAGO, IMAGO/Zoonar)
Um das Polio-Virus in Schach halten zu können, müsste die Impfquote in Deutschland höher sein. IMAGO/Zoonar

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