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Datenschutz - DSGVO Was wissen SCHUFA & Co. von uns?

Die "SCHUFA" sammelt Millionen von Daten über uns. Sie entscheiden mit darüber, ob wir als kreditwürdig gelten, eine Mietwohnung oder einen Handyvertrag bekommen. Die neue Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) macht es künftig leichter zu erfahren, was die SCHUFA über uns weiß. Die Initiative OpenSCHUFA will noch mehr herausfinden: Werden Menschen durch die SCHUFA indirekt diskriminiert?

Was weiß die SCHUFA wirklich über uns – und wonach beurteilt sie die Kreditwürdigkeit? Das OpenSCHUFA-Projekt will das herausfinden. Initiiert wurde es von der gemeinnützigen Organisation AlgorithmWatch. Der Datenjournalist Lorenz Matzat ist einer von drei Geschäftsführern.

Sie haben im Frühjahr das OpenSCHUFA-Projekt ins Leben gerufen und zur "Datenspende" aufgerufen. Wie genau funktioniert das?

Wir alle können bei der SCHUFA Auskunft einfordern, welche Daten dort über uns gespeichert sind. Früher ging das einmal im Jahr kostenfrei – durch die neue Datenschutzgrundverordnung auch häufiger. Wir haben nun per Crowdfunding Geld gesammelt und damit eine Software entwickelt, die seit ein paar Tagen am Laufen ist. Die, die bei OpenSCHUFA mitmachen, schicken uns die Daten, die sie über sich von der SCHUFA bekommen. Das läuft über ein Scan oder ein Foto von dem Schreiben. Wichtig ist, dass es so anonym wie möglich erfolgt. Und wir wollen versuchen, den Score – also die Bewertung der SCHUFA – und wie sie zustande kommt, besser zu verstehen.


Die SCHUFA (Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung) ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Wiesbaden. Sie versorgt Banken und Unternehmen mit Informationen über die Kreditwürdigkeit Dritter. Sie verfügt über Daten von fast 70 Millionen Bürgern – also dem Großteil der deutschen Bevölkerung – und fünf Millionen Unternehmen. Die Daten stammen von Behörden (zum Beispiel Schuldnerverzeichnissen), aber auch von ihren eigenen Kunden. Oft sind Kreditverträge an die Voraussetzung geknüpft, dass Daten an die SCHUFA weitergeleitet werden.

Was erhoffen Sie sich davon?

Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass das massenweise Sammeln von Daten – was ja oft bei Google und Facebook als Problem gesehen wird – tatsächlich Jahrzehnte alt ist. Die SCHUFA und ihre Vorgänger gibt es seit hundert Jahren. Und die SCHUFA macht kaum transparent, wie sie vorgeht und zu ihren Aussagen kommt. Sie hat aber Auswirkungen auf unser Privatleben: Kriege ich einen Mietvertrag oder einen Handyvertrag?

Wie funktioniert das? Findet da möglicherweise eine Diskriminierung statt? Das möchten wir untersuchen.

Inwiefern Diskriminierung?

Wirken sich z.B. bestimmte Lebensformen negativ auf die Kreditwürdigkeit aus? Beispiel: Sie ziehen einmal im Halbjahr um. Wie beeinflusst das Ihre SCHUFA-Bewertung? Oder: Sie haben für ihre drei Kinder, Ihre Frau und Ihren Vater einen Mobilfunkvertrag abgeschlossen – verschlechtert das Ihre SCHUFA-Bewertung? Wir wissen es nicht, deshalb wollen wir es herausfinden.

Wären Sie damit zufrieden, wenn die Firmen einfach transparenter wären?

Ich wäre zufrieden, wenn ich die Möglichkeit habe zu wissen, was Firmen über mich wissen und sammeln. Und ich, wenn nötig, auch Korrekturen einfordern kann. Im Zusammenhang mit dem OpenSCHUFA-Projekt hören wir immer wieder Geschichten von Einzelpersonen, die feststellen, dass die Daten, die die SCHUFA über sie gesammelt hat, völlig veraltet sind. Und es gibt bisher auch nur sehr eingeschränkte Möglichkeiten, das korrigieren zu lassen.

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Info der Redaktion: Wie bekommt man seine Daten von der SCHUFA?

Man kann sie direkt anschreiben. Auf der Internet-Seite der Schufa gibt es auch ein entsprechendes Formular. Daneben gibt es z. T. kostenpflichtige Angebote im Internet, die dabei helfen, von der SCHUFA oder auch bei den 40 anderen Auskunfteien und Unternehmen Auskunft darüber zu bekommen, welche Daten sie über einen gesammelt haben.

Brief mit Schufa Briefkopf über Computer-Tastatur

Post von der SCHUFA