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Eine Tasse mit schwarzem Kaffee steht auf einer Holzplatte. Kaffeebohnen liegen verstreut herum.

140 Liter für einen Becher Kaffee Der Wasser-Fußabdruck

In einem Becher Kaffee stecken in Wirklichkeit 140 Liter Wasser. So groß ist der entsprechende Wasser-Fußabdruck. Der gibt an, wie viel Wasser für die Herstellung eines Produkts nötig ist.

Der Ökologische Fußabdruck hat inzwischen einen kleinen Bruder. Seit der Jahrhundertwende tüfteln Wissenschaftler an dem "water foot print" – dem Wasser-Fußabdruck. Ein Konzept, das bei weltweit zunehmenden Wasserkrisen immer wichtiger wird.
Für den so genannten Wasser-Fußabdruck schaut man auf den gesamten Herstellungsprozess eines Produkts, erklärt Philipp Wagnitz, Wasserreferent bei der Umweltorganisation WWF.

Beim Kaffee verbrauchen vor allem der Anbau und die Waschung der Bohnen sehr viel Wasser. Wie bei fast allen landwirtschaftlichen Produkten entfällt der Großteil des Wasserverbrauchs, mehr als 90 Prozent, auf die Herstellung, also die Landwirtschaft.

Der weltweite Kaffeekonsum erfordert 120 Billionen Liter Wasser, etwa die 1,5 fache Menge des jährlichen Rheinabflusses. Die Herstellung von 1 kg Röstkaffee erfordert 21.000 Liter Wasser. Bei 7 g pro Tasse ergeben sich die 140 l für eine fertige Tasse Kaffee. Diese Menge übersteigt bereits unseren durchschnittlichen täglichen Trinkwasserverbrauch von 125 Litern pro Person.

Mit diesem Konzept lässt sich für jedes Produkt ein Wasser-Fußabdruck erstellen: Vom Anbau der Baumwolle bis zum fertig genähten T-Shirt

  • Ein Kilo Baumwollstoff: 11.000 Liter Wasser.
  • Ein Kilo Rindfleisch; 15.500 Liter.
  • Ein Kilo Käse: 5.000 Liter
  • Ein Kilo Eier: 3.300 Liter (das entspricht für ein Ei etwa 200 Liter)
  • Ein Kilo Schokolade: 2.250 Liter
  • Ein Kilo Zucker: 1.500 Liter
  • Ein Liter Bier: Bier 300 Liter

Der britische Wissenschaftler John Anthony Allan hat für diese Idee des "virtuellen Wassers" 2008 den internationalen Stockholmer Wasserpreis erhalten. Der niederländische Wasser-Experte Arjen Hoekstra hat das Konzept noch weiter entwickelt: „Ich hab gesehen, dass viele Länder mit Wasserknappheit Produkte von woanders importieren, die sehr wasserintensiv sind. So haben sie einen externen Wasserverbrauch. Also hab ich angefangen, das irgendwie zu quantifizieren, diese Wege des virtuellen Wassers, wie wir das nennen.“

Die Fußabdrücke werden nicht unbedingt dort hinterlassen, wo das Produkt konsumiert wird. Zum Beispiel Tomaten, die wir in Deutschland kaufen und essen, sind oft aus Spanien importiert und haben einen Großteil ihres Wasser-Fußabdrucks dort hinterlassen: vor allem in der Region Almaria, wo Obst und Gemüse mit Bewässerungsanlagen großgezogen wird.

Rindfleischkeule roh wird zerlegt

Bei der Erzeugung von Rindfleisch wird viel Wasser verbraucht

Deutschland trägt schweren Wasser-Rucksack

Deutschland ist die drittgrößte Importnation der Welt. Der WWF hat die Folgen vor drei Jahren in einer Studie „Das importierte Risiko“ untersucht. Kaffee, Kakao, Baumwolle, Fleisch sind die importierten Güter mit dem größten Wasser-Rucksack. Brasilien, Elfenbeinküste, Frankreich sind die Länder, in denen Deutschland den größten Wasser-Fußabdruck hinterlässt.


WWF-Experte Philipp Wagnitz zählt die Branchen auf, die viel Wasser verbrauchen: „Die Landwirtschaft, die Textilindustrie, auch in der Lederverarbeitung wird viel verbraucht, aber auch verschmutzt, im Bergbau wird viel gebraucht und verschmutzt, das sind schon so Leitindustrien, wo man weiß, die sind am wasserintensivsten. Deutschland selbst ist ganz bestimmt nicht arm an Wasser. Und wir sind im Vergleich mit 120 Litern pro Kopf pro Tag auch noch besonders gute Wassersparer, wenn es um den direkten Wasserverbrauch in unserem Alltag geht: also Duschen, waschen, Putzen, Toilettenspülung …“

Kleiderstange mit Jeanshosen in verschiedenen Blautönen auf Bügeln

Auch die Herstellung von Textilien wie Jeans ist mit einem großem Verbrauch an Wasser verbunden.


.Dem setzt Wasser-Fußabdruck-Experte Wagnitz allerdings ein vierstelliges Aber entgegen
„Jeder Bundesbürger hat im Schnitt einen Wasserverbrauch von 5.000 Litern am Tag. Also gegen 120 Liter im direkten Verbrauch 5000 Liter im indirekten Verbrauch - also durch den Konsum. Und ja – da würd ich sagen, wir sparen da an der falschen Stelle.“:

Lieber duschen und dafür kein Fleisch essen

Der niederländische Wissenschaftler Hoekstra rechnet sogar vor: Wenn wir nie wieder duschen, sparen wir gerade mal 50 Liter Wasser täglich. Würden wir aber nie wieder Fleisch essen, spart das 800 Liter am Tag.

Mit dem Wasser-Fußabdruck lassen sich anschauliche, vergleichbare Zahlen präsentieren. Aber Philipp Wagnitz vom WWF legt Wert darauf, auch hinter die Zahlen zu schauen. Das meiste Wasser verbrauchen wir indirekt, wenn wir Produkte konsumieren oder benutzen, bei deren Herstellung viel Wasser verbraucht wird.

Eine Frau schiebt einen Einlaufswagen

Das meiste Wasser verbrauchen wir indirekt, wenn wir Produkte konsumieren oder benutzen, bei deren Herstellung viel Wasser verbraucht wird.

Vegetarische, regionale Ernährung spart Wasser

Wasser ist weltweit ungleich verteilt. Ob wir in Deutschland einen Wasserfußabdruck hinterlassen oder in der ägyptischen Wüste, von wo wir unsere künstlich bewässerten Frühkartoffeln importieren, das macht den Unterschied. Unser Konsum hinterlässt Spuren in der Welt, auch wenn wir das der frisch gebrühten Tasse Kaffee nicht ansehen.
Philipp Wagnitz vom WWF empfiehlt, beim Wasser darauf zu achten, dass man weniger Fleisch isst. Das verbrauche viel Fläche und auch Wasser. Darüber hinaus solle man sich vorzugsweise regional und saisonal ernähren. Und man solle vielleicht auch nicht ständig neue Kleidung kaufen, sondern hochwertigere Klamotten länger tragen – auch so kann man Wasser sparen.

Korb mit krumm gewachsenem Gemüse

Schätzungen zufolge schaffen es 20 bis 40 Prozent der Obst- und Gemüseernte europaweit aufgrund von Schönheitsfehlern nicht in den Handel, und das trotz einwandfreier Qualität. Gegen die Lebensmittelverschwendung wollen Supermarktketten nun ein Zeichen setzen.