CO2-Bilanz Wo hakt es beim Einsparen?

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Wir haben einiges geschafft beim Vermeiden von Treibhausgasen. Seit 1990 bis 2020 etwa 30 Prozent. Doch seit einigen Jahren tut sich nur noch wenig in Sachen Emissionsrückgang. Warum eigentlich?

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Der DDR-Effekt

Die Wiedervereinigung 1989 war ein Geschenk! Vor allem auch für die deutschen Bemühungen zur Reduktion der Kohlendioxid-Emissionen. Denn die Abwicklung maroder DDR-Industrieanlagen, die überwiegend mit der schmutzigen Braunkohle befeuert wurden, brachte spürbare Verbesserungen in der deutschen CO2-Bilanz.

Aber wir haben uns bei Erneuerbaren ordentlich weiter angestrengt. Mit Wind-, Sonnen- und Bioenergie!

Förderung gekürzt

Der Energie-Wirtschaftswissenschaftler Prof. Uwe Leprich von der Uni Saarbrücken weiß, warum die CO2-Emissionen in Deutschland dennoch seit Jahren stabil bleiben.
"Wir hatten eine sehr gute Ausbaudynamik bei den erneuerbaren Energien bis 2012. Die ist dann abgebrochen, weil die Förderung stark gekürzt wurde. Der zweite Punkt ist, die Effizienzanstrengungen, die wir unternommen haben, waren nicht ausreichend." Der Effizienzgewinn sei durch den sogenannten Rebound-Effekt konterkariert worden. Das passiere immer dann, wenn die Kunden durch Einsparungen mehr Geld im Portemonnaie hätten und dazu neigten, das Geld für zusätzliche Anwendungen auszugeben. Durch zusätzliche Energieverbräuche würden die Einsparungen neutralisiert, so der Experte.

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Der Rebound-Effekt

Bestes Beispiel: Verbrennungsmotoren. Computergesteuerte Einspritztechnik holt aus dem Sprit immer mehr Leistung. Aber das Potenzial zum Spritsparen wird nicht genutzt. Die Autos werden immer größer, immer schwerer und immer zahlreicher. Und dann geht es ja auch um die "Freude am Fahren". Das bedeutet: nicht weniger Verbrauch, sondern mehr PS. Auch dass – erfreulicherweise – die Wirtschaft brummt, wirkt sich negativ auf CO2-Emissionen aus.

Auf der Autobahn zeigt es sich jeden Tag: LKW fahren Stoßstange an Stoßstange. Der Energieaufwand allein für den Transport hat sich seit 1990 verdreifacht. Noch stärker gewachsen ist in dieser Zeit der innerdeutsche Luftverkehr. Alles schlecht für die CO2-Bilanz. Noch ein typischer Rebound-Effekt: Wir dämmen unsere Häuser zwar deutlich besser als vor 30 Jahren. Im selben Zeitraum stieg die Zahl der Wohnungen aber um 25 und die Wohnfläche sogar um 35 Prozent. Bauen und heizen verursacht CO2-Emissionen.

CO2-Einsparungen? Augenwischerei!

Und auch bei der Stromerzeugung, sagt Uwe Leprich, lügen wir uns eigentlich was in die Tasche: "Man hatte gehofft, dass durch die erneuerbaren Energien, die ja in Deutschland in den letzten Jahren gewaltig zugebaut worden sind, Kohlestrom, also schmutziger, CO2-haltiger Strom, verdrängt wird. Das ist nur zu einem kleinen Teil passiert." Die Versorger exportierten den überschüssigen Strom einfach ins Ausland, so Leprich. "Und insofern wird das, was eigentlich als Klimaschutz gedacht war – also erneuerbare Energien in das System zu bringen – aufgezehrt durch den unverminderten CO2-Ausstoß der Kohlekraftwerke."

Hier hat die Politik auf ganzer Linie versagt und ist vor der Lobby der Betreiber der Kraftwerke eingeknickt. Wenn es so weitergeht, werden wir auch 2030 weit hinter den selbstgesteckten CO2-Zielen zurückbleiben.

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