STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Die erste Welle ist vorbei, Deutschland ist verhältnismäßig gut durch die bisherige Corona-Krise gekommen. Was ist gut gelaufen, was könnte man bei zukünftigen Pandemien besser machen?

Dauer

Virologen veröffentlichen fast täglich neue Erkenntnisse, Firmen und Kultureinrichtungen gehen pleite, in vielen Familien kommt es vermehrt zu Gewalt. Das Coronavirus hat die Welt in eine tiefe Krise gestürzt und zeigt, wie verletzlich auch hoch entwickelte Industriestaaten sind. Und während weltweit Forscher an einem Impfstoff arbeiten, entwickeln andere bereits Strategien, um mit künftigen Pandemien besser umgehen zu können.

Dauer

Corona macht Missstände sichtbar

Schon ganz zu Beginn der Krise zeigten sich überdeutlich die ersten Missstände:

  • Vorräte an Schutzkleidung, Masken und Desinfektionsmitteln fehlten deutschlandweit. Auch Krankenhäuser, Arztpraxen und Altenheime machten da keine Ausnahme. Und das, obwohl das Robert Koch-Institut bereits 2013 ein Szenario entwickelt hatte, das die jetzige Coronakrise verblüffend genau beschreibt. Konsequenzen hatten die Empfehlungen keine.
  • Missstand zwei: Produziert wurden die Schutzausrüstungen – ebenso wie viele Medikamente – bisher überwiegend dort, wo die Krise ausbrach: in China. Hier setzt gerade ein Umdenken ein.
  • Misstand drei: Immer wieder beklagt, aber auch ohne Folgen, blieben die Missstände in Heimen und der Pflege: zu wenig Fachpersonal, chronischer Personalmangel. Viele Erkrankungen und Todesfälle hätten möglicherweise vermieden werden können.
Dauer

Strenge Quarantäne oder schnelle Infektion?

Doch abgesehen von bekannten Missständen: Wie geht man eine Krise solchen Ausmaßes an? Eher streng, eher locker? Innovationsforscher Prof. Dr. Andreas Pyka von der Uni Hohenheim hat mit seinem Team eine Simulation entwickelt. Eine virtuelle Stadt macht sichtbar, welche Maßnahmen welche Wirkung haben.

Die Simulation zeigt nicht nur das Infektionsgeschehen direkt nach den ersten Maßnahmen, sondern auch, dass es nach einem strengen Shutdown und ersten Lockerungen zur gefürchteten zweiten Welle kommen kann. Andererseits würden durch zu lockere Schutzmaßnahmen von vornherein mehr Sterbefälle in Kauf genommen.

Bei allem Unmut über die Schutzmaßnahmen – es ist nicht das erste Mal, dass eine Pandemie zu Kontaktverboten und Mundschutzpflicht führt: Bereits in den 1950er und 1960er Jahren griff die DDR wegen der Asiatischen und der Hongkong-Grippe zu diesem Mitteln.

Strikte Maßnahmen helfen der Wirtschaft

Ein Argument gegen die strikten Maßnahmen, wie sie in Deutschland gelten, ist das Überleben der Wirtschaft. Viele Betriebe standen schon Wochen, manche nach den ersten Monaten kurz vor der Insolvenz. Eine Studie aus den USA zeigt allerdings: Je strenger die Maßnahmen, desto schneller erholt sich danach die Wirtschaft.

Zu diesem Ergebnis kamen die drei Ökonomen Sergio Correia, Stephan Luck und Emil Verner, nachdem sie die Auswirkungen der Spanischen Grippe auf die Wirtschaft untersucht und die Ergebnisse auf die COVID-19-Situation übertragen hatten.

Auch vor Jahrhunderten war das Konzept der Quarantäne schon erfolgreich, beispielsweise bei der Pest: Venedig ließ Schiffsmannschaften 40 Tage lang nicht von Bord, wenn der Verdacht einer Pestinfektion bestand. Vom italienischen Wort „quaranta“ – vierzig stammt der heutige Begriff Quarantäne.

Soziale Folgen von Corona

Neben Firmenpleiten, Schließung von Kultureinrichtungen, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit sind auch die psychischen und sozialen Folgen der Krise enorm. Wesentlich ist laut Prof. Malte Schwinger von der Uni Marburg der Verlust von Autonomie, der Wunsch, sein Leben selbst steuern zu können.

Und an die Stelle von Planbarkeit treten in vielen Fällen Panikkäufe sowie die dauernde Angst vor einer Infektion. Befürchtet werden vermehrt psychische Erkrankungen, aber auch mehr Gewalt in Familien.

Schwer wiegen auch fehlende soziale Kontakte – im Privaten, aber auch im Berufsleben. Die anfängliche Begeisterung mancher Arbeitnehmer über das Arbeiten zu Hause könnte sich negativ auf die Gesundheit auswirken, wenn das Zusammengehörigkeitsgefühl geschwächt wird, fürchtet Henning Krug von der Uni Marburg.

Speziell Frauen trifft die Kombination von Homeoffice, Kinderbetreuung zu Hause, Homeschooling sehr stark. Diese Situation fördert nach Ansicht der Kinder- und Jugendpsychologin Hanna Christiansen dauerhaft alte Geschlechterrollen – ein gewaltiger Rückschritt.

Dauer

Zeit für Verschwörungsmythen

Kaum hatte das Virus China verlassen, blühten im Westen bereits die Verschwörungsmythen. Nicht wissenschaftliche Erkenntnisse zählen, sondern eher exotische Ansichten und Verfolgungsängste, die sich dank sozialer Netzwerke rasend schnell verbreiten und die Realität weitgehend ausklammern.

Zielscheibe Nummer Eins sind beim Coronavirus Bill und Melinda Gates mit ihrer Stiftung, die sich um die Verbesserung der weltweiten gesundheitlichen Situation kümmert. Die vielen Gelder, die in die Stiftung und ins Budget der Weltgesundheitsorganisation fließen, werden von den Verbreitern der Verschwörungsmythen keineswegs als Hilfe betrachtet, sondern als Mittel zur Machtergreifung durch Bill Gates.

Ein weiterer Mythos zielt auf das 5G-Mobilfunknetz, das vielen ohnehin ein Dorn im Auge ist. Nun muss Corona auch dafür herhalten: Die Strahlung mache das Virus erst richtig gefährlich, so die Verschwörungserzählung. Was wissenschaftlich nicht haltbar ist, da Strahlen keine Viren transportieren.

Und ebenso wie bei Ebola kommt auch bei Corona das Thema Biowaffen auf: Das Virus sei gezielt gezüchtet und eine Biowaffe zur Bevölkerungskontrolle. Auch dies: ein alter Mythos im neuen Gewand. Denn Proteinsequenzen, wie sie im Virus SARS-CoV2 vorkommen, existieren in vielen Organismen. In diesem Fall stimmen sie zu 96 Prozent mit einem Fledermaus-Virus überein.

Dauer

Zeit der Lobbyisten

Schnell am Start waren zu Beginn der Coronakrise auch die vielen Lobbyisten, um die Interessen ihrer Wirtschaftszweige durchzusetzen. Dabei ging es nicht nur darum, möglichst viel Geld aus dem beschlossenen Konjunkturpaket abzugreifen. Vielmehr sollten alte Forderungen durchgesetzt und unliebsame Regelungen wieder rückgängig gemacht werden. Stichworte: CO₂ -Höchstgrenze bei Neuwagen, Verbot von Plastik-Wegwerfprodukten oder der Green Deal in der Landwirtschaft, mit dem Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent werden will.

Dauer

Naturschutz als Schutz vor Viren

Viren kommen in der Natur vor – das ist für sich genommen noch kein Problem. Doch werden Viren verbreitet und springen gar auf den Menschen über, kann es gefährlich werden. Menschen dringen immer tiefer in unberührte Gebiete vor oder zerstören intakte Ökosysteme. Es entstehen höhere Dichten von Arten, die eben auch Viren in sich tragen können. Oder es werden fremde Arten eingeschleppt und mit ihnen Krankheitserreger.

Gefährlich sind auch der Handel und der Genuss von Buschfleisch. Durch den Kontakt zu Nutztieren und Menschen ist es möglich, dass Viren übertragen werden, mit denen sonst niemand in Berührung gekommen wäre. So gesehen ist der beste Schutz vor Pandemien mit unbekannten Erregern globaler Naturschutz, der nicht nur Ökosysteme erhält, sondern die Übertragungsgefahr natürlich vorkommender Viren verringert.

Dauer

Mit Artenschutz gegen Corona

Auch Artenschutz-Projekte verfolgen den Ansatz, intakte Ökosysteme zu erhalten oder wieder herzustellen. Beispiel Zoo Karlsruhe: Hier werden, wie in anderen Zoos, Tierarten durch Zucht erhalten. Doch mit der Artenschutzstiftung werden auch Projekte in den Herkunftsländern gefördert, durch die die Eingriffe des Menschen in die Natur zurückgedrängt werden sollen. Der Lebensraum der Wildtiere soll erhalten und, wenn nötig, wieder hergestellt werden. Der Handel mit Wildtieren – sowohl als Nahrungsmittel wie auch als Trophäe – soll unterbunden werden.

Artenschutz ist allerdings etwas, das nicht in fernen Ländern stattfindet, das versucht die Stiftung zu vermitteln. Damit er funktioniert und Pandemien wie Corona verhindert werden, müssen auch in Deutschland Verbraucher darauf achten, was sie konsumieren, wohin sie fliegen. Nur wenn auch entfernte Ökosysteme intakt bleiben, schützen sie uns vor Viren.

Dauer

Corona-Warn-App

Die Ansätze zum Schutz vor der Infektion mit dem Coronavirus sind vielfältig: Quarantäne, Kontakteinschränkungen und die Entwicklung eines Impfstoff gehören zu den wichtigsten. Zum ersten Mal kommt nun auch ein digitaler Schutz hinzu, den, ebenso wie Deutschland, viele Länder anbieten: Eine Corona-Warn-App auf dem Smartphone soll Alarm schlagen, wenn Kontakt zu Menschen bestand, die danach positiv auf Corona getestet wurden.

Technologie Corona-Warn-App: Das müssen Sie wissen

Die Corona-Warn-App ist jetzt verfügbar. Was bringt die App? Wie steht es um die Sicherheit? Wir haben die Antworten auf die wichtigsten Fragen rund um die neue Tracing-App.  mehr...

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG