Bargeldloses Bezahlen

Warum Bargeld Sicherheit bedeutet

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Lobbygruppen kämpfen gegen das Bargeld. Dabei schützt es uns vor dem Verlust unseres Sparguthabens und vor Negativzinsen.

Die Deutschen galten bislang als ausgesprochene Freunde des Bargelds. Corona verändert das aber gerade. In einer aktuellen Umfrage haben 41 Prozent der Befragten angegeben, jetzt häufiger mit ihrer Girocard zu bezahlen als vor der Corona-Pandemie. Kein Wunder, denn der Einzelhandel fordert seine Kunden mit Schildern auf, bargeldlos zu bezahlen. Aus Hygienegründen, so steht es dort geschrieben.

Dabei hat die Bundesbank bereits im März klargestellt, dass von Bargeld kein besonderes Corona-Infektionsrisiko ausgeht. Das falsche Hygiene-Argument reiht sich ein in vergangene Bestrebungen verschiedener Lobbygruppen, Bargeld durch Bargeldlos zu ersetzen. Für die Kunden ist der einzige große Vorteil die Bequemlichkeit. Denn mit handfestem Bargeld lassen sich die Ausgaben besser kontrollieren. Wer mit Karte zahlt gibt eher mehr aus als er eigentlich möchte. Noch viel wichtiger aber: Bargeld sichert Freiheit!

Aus Hygienegründen sollen Kunden bargeldlos bezahlen (Foto: RBB)
Kartenzahlung erwünscht RBB

Bargeld schwächt die Banken

Bargeld ist Zentralbankgeld, also echtes Geld. Es ist der einzige Zugang zu Zentralbankgeld für die Bevölkerung. Ein Konto bei der Zentralbank haben nur die Banken. Das Geld der Sparer auf dem Bankkonto dagegen heißt Giralgeld und gehört der Bank. Die Bankkunden haben nur ein Versprechen der Bank auf Auszahlung in Bargeld.

Wenn die Bank Bargeld auszahlt, verliert sie also echtes Geld. Dazu kommt, dass Banken Giralgeld im Gegensatz zum Zentralbankgeld selbst schöpfen können. Es entsteht, wenn die Bank einen Kredit vergibt oder etwas kauft, wie zum Beispiel Wertpapiere oder Immobilien. Die Bank muss nur ein Prozent Zentralbankgeld als Mindestreserve nachweisen.

Vergibt die Bank einen Kredit von 100 Euro, braucht sie also nur einen Euro Zentralbankgeld. Im Euroraum gibt es schätzungsweise fünfmal so viel Giralgeld wie Bargeld. Würden alle Bankkunden versuchen, ihr Geld abzuheben, wäre das Bankensystem am Ende. So ein Fall ist der sogenannte Bank Run. Verlieren die Kunden das Vertrauen in ihre Bank, wollen alle ihr Erspartes retten und als Bargeld abheben.

Zuletzt wurde 2013 in Zypern ein Bank Run verhindert, indem die Banken zwölf Tage lang zwangsweise geschlossen wurden. Währenddessen beschlossen Banken und Politiker, dass den Sparern ein Teil ihres Guthabens weggenommen wird, um die Banken zu sanieren. Ohne Bargeld müssten die Banken keinen Bank Run fürchten. Die Bankkunden wären in dem Giralgeldsystem der Banken gefangen.

Bank Run der Northern Rock Bank in Großbritannien 2007 (Foto: NDR)
Bank Run NDR

Bargeld schützt vor Negativzinsen

Die europäische Zentralbank verlangt von den Banken für ihre Einlagen dort Negativzinsen. So soll die Wirtschaft angekurbelt werden. Diese Negativzinsen wollen die Banken an ihre Kunden weitergeben. Die Negativzinsen sind schmerzhaft für Sparer, denn sie verlieren laufend einen Teil ihres Guthabens auf der Bank.

Bislang gibt es Negativzinsen nur für hohe Sparguthaben und für Neukunden. Die Banken müssen sich zurückhalten. Denn verlangen sie zu hohe Negativzinsen, dann ist es für die Kunden attraktiver, ihr Geld abzuheben und das Bargeld im Tresor aufzubewahren. Ohne Bargeld könnten die Banken wesentlich höhere Negativzinsen an die Sparer weitergeben. Gleichzeitig könnten die Gebühren für die bargeldlose Zahlungsabwicklung ohne Alternative steigen.

Bei zu hohen Negativzinsen können Kunden ihr Geld abheben (Foto: SWR)
Nur Bares ist Wahres

Bargeld schützt vor Überwachung

Neuerdings drängen die Internetgrößen des Silicon Valley auf den Markt der bargeldlosen Zahlungsabwicklung. Google bietet seinen Dienst Google Pay bereits an. Facebook scheitert bislang mit der Einführung seiner Währung Libra. WhatsApp Pay steht momentan in wenigen Ländern testweise zur Verfügung. Das Problem: Bei jedem bargeldlosen Zahlungsvorgang werden Daten erfasst. Welche Kunden wann, wo und bei welchem Händler eingekauft haben. Teilweise sogar welches Produkt sie gekauft haben.

Solche Daten sind für diese Internetfirmen bares Geld. Denn sie sammeln genau diese Meta-Daten, um daraus psychologische Profile der Nutzer zu erstellen und ihr Verhalten vorherzusagen. Können diese Firmen das Verhalten ihrer Nutzer auch im Internet oder mit einer Smartwatch permanent verfolgen, entsteht ein sehr genaues Verhaltensprofil.

Je mehr Daten sie sammeln können, desto genauer werden die Vorhersagen. Je genauer die Vorhersagen, umso mehr Geld zahlen ihre Kunden: Firmen, die Anzeigen schalten oder die Nutzer zu einem bestimmten Verhalten bewegen wollen. Das kann sogar politische Einflussnahme sein. Datenschützer kritisieren, dass es für die Nutzer meist nicht verständlich ist, welche Daten wofür verwendet werden. Außerdem stehen die Dienste meist nur zur Verfügung, wenn die Allgemeinen Geschäftsbedingungen - und damit die Verarbeitung der Daten – akzeptiert werden.

Mithilfe genauster Verhaltensprofile können diese Firmen uns teilweise besser einschätzen als wir selbst. Zum Beispiel, wann wir besonders anfällig für ein Produkt sind. Die Firmen können aber auch falsch liegen. Besonders schlimm wäre das beispielsweise, wenn unbescholtene Bürger keinen Kredit bekommen, weil sie am falschen Ort wohnen oder sich mit den falschen Menschen treffen. Am Ende könnte die permanente Überwachung durch Privatfirmen dazu führen, dass wir unser Verhalten anpassen, um keine Nachteile befürchten zu müssen. Bargeld ist das einzige anonyme Zahlungsmittel. Für die Internetfirmen bedeutet es eine Lücke in unseren Verhaltensprofilen. Für uns bedeutet es Freiheit.

Mit Smartphone und Smartwatch droht ständige Überwachung (Foto: SWR)
Permanente Überwachung

Linktipp:

Monetative e.V.

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