Richtig heizen

Wärmepumpe im Altbau – geht das?

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Jörg Wolf

Deutschland soll künftig anstelle mit Öl und Gas CO2-neutral heizen – und das vor allem mit der Wärmepumpe. Wie realistisch ist dieser Plan der Bundesregierung?

Warum überhaupt eine Wärmepumpe?

Eine Wärmepumpe hat den Vorteil, dass sie elektrisch betrieben wird, also den sauberen Strom von Windrädern und Solaranlagen nutzen kann. Außerdem hat sie einen extrem guten Wirkungsgrad: Während ein moderner Gaskessel aus einer Kilowattstunde Gas 0,9 Kilowattstunde Wärme macht, produziert die Wärmepumpe aus einem Kilowatt Strom die 3- bis 4-fache Menge an Wärme. Damit ist sie jeder anderen Heizung überlegen.

Das sind die Gründe der Regierung, warum die Wärmepumpe die neue Nummer 1 unter den Heizungen in Deutschland werden soll.

Allerdings bezweifeln viele ihre Eignung für ältere, unsanierte Gebäude. Diese machen immerhin noch den Großteil der Gebäude in Deutschland aus. Gerade Energieberater empfehlen deshalb, vor dem Einbau einer Wärmepumpe eine umfangreiche Dämmung von Dach und Außenwänden vorzunehmen sowie eine Fußbodenheizung einzubauen. Maßnahmen, die zwar zweckmäßig, aber auch sehr teuer sind.

Die Grafik zeigt eine Gegenüberstellung von Energie-input (gelb) und Wärme-output (rot). Bei der Wärmepumpe entstehen vier rote Einheiten aus einer gelben Einheit.  (Foto: SWR)
Vergleich der Wirkungsgrade: Wieviel Kilowatt Wärme (rot) entstehen aus je einem Kilowatt Öl, Gas oder Strom (gelb)?

Wieso ist eine Wohnungssanierung gut für die Wärmepumpe?

Je weniger Energie ein Haus verbraucht, umso effizienter oder stromsparender kann die Wärmepumpe betrieben werden. Da der Strom bislang deutlich teurer als Gas und Öl war, darf eine stromgetriebene Heizung nur wenig Strom verbrauchen, um kosteneffizient zu bleiben. Bei energetischen Sanierungen werden deshalb meist zwei Maßnahmen vorgeschlagen:

  1. Ältere Heizkörper sollten durch eine Fußbodenheizung ersetzt werden, weil diese die Wohnung mit geringer Betriebstemperatur – auch Vorlauftemperatur genannt – energiesparend wärmt. Dieser Vorteil entsteht durch die große Oberfläche der Fußbodenheizung, mit der sie die Wärme besser an den Raum abgeben kann. Meist reichen 30-40 Grad Celsius. Ältere Heizkörper werden dagegen häufig mit einer Vorlauftemperatur von 60 bis 70 Grad betrieben.
  2. Außerdem sollten die Wärmeverluste eines Hauses durch die umfangreiche Dämmung von Wänden, Dach und Fenstern so weit wie möglich reduziert werden.

Beide Maßnahmen senken den Energieverbrauch eines Hauses stark ab, was sich natürlich unabhängig vom Typ der Heizung immer positiv bemerkbar macht.

Braucht die Wärmepumpe eine Fußbodenheizung?

Trotz staatlicher Fördermaßnahmen überlegen viele Hausbesitzer ganz genau, ob sie in umfangreiche energetische Sanierungsmaßnahmen investieren. Denn solche Baukosten werden sich meistens erst nach mehreren Jahrzehnten durch die Energieeinsparung amortisieren.

Kritiker warnen vor explodierenden Heizkosten, wenn die Wärmepumpe ohne Sanierung eingebaut werden sollte. Es ist auf jeden Fall ratsam, die Ausgangssituation genauer anzuschauen.

In der Praxis hat sich zum Beispiel gezeigt, dass man meist auch in unsanierten Wohnungen mit alten Heizkörpern die Betriebstemperatur so weit absenken kann, dass eine Wärmepumpe sehr effizient wird. Der Grund: In der Vergangenheit wurden meist zu viele oder zu große Heizkörper in den Räumen installiert. Das heißt, die Oberfläche aller Heizkörper ist wie bei einer Fußbodenheizung so groß, dass man hier ebenfalls mit niedrigen Vorlauftemperaturen die Wohnung warm bekommt.

Heizkörper unter einem Fenster  (Foto: SWR)
Häufig befinden sich in älteren Häusern mehr Heizkörper als nötig.

Wie gut ist mein Heizwärmeverbrauch?

Es ist nicht zwingend so, dass alte Häuser ohne Dämmung sehr viel Wärme durch Wände und Fenster verlieren. Neben der Bauweise, zu der unter anderem die Mauerstärke, Nachbarwohnungen und verwendeten Materialien zählen, spielt hier auch die Lage und das regionale Klima eine große Rolle.

Wie gut der eigene Heizwärmeverbrauch des Gebäudes ist, lässt sich der Jahresheizkostenrechnung entnehmen. Dort wird der Gesamtwärmeverbrauch angegeben.

Um den eigenen Heizwärmeverbrauch (in Kilowattstunden) vergleichbar zu machen, muss man ihn zur beheizten Fläche des Hauses in Beziehung setzen. Auch der Wirkungsgrad der Heizung, sowie der Warmwasserverbrauch spielen eine Rolle.

Ab wann sollte man die Wohnung dämmen?

Dr. Marek Miara und sein Team vom Fraunhofer Institut ISE in Freiburg haben die Effizienz von Wärmepumpen im Bestandsbau untersucht. Die Feldstudie zeigt, dass Luft-Wasser-Wärmepumpen auch im ungedämmten Bestandsbau durchschnittlich übers Jahr einen Wirkungsgrad von knapp drei erreichen und deshalb ökologisch und ökonomisch effizient betrieben werden können. Bei den Erdwärmepumpen lag der Wert sogar über vier. Trotzdem gibt es eine Grenze.

Miara empfiehlt, dass der individuelle Heizwärmeverbrauch einen Wert von 150 KWh pro m2 und Jahr nicht übersteigen sollte. Das bedeute nicht, dass moderne Wärmepumpen die Wohnung nicht warm bekommen würden, wenn der Wert höher ist, aber man werfe die Energie dann quasi aus dem Fenster. Deshalb sollte man bei höheren Werten über Dämmmaßnahmen nachdenken.

Mann Mitte 40 mit Brille im Profil vor unscharfer Beamerprojektion  (Foto: SWR)
Dr. Marek Miara vom der Fraunhofer Institut ISE in Freiburg

Praxistipp: Wer ausprobieren will, ob seine Wohnung auch unsaniert mit Wärmepumpe beheizt werden kann, sollte an sehr kalten Wintertagen die Betriebstemperatur an seiner Heizung so weit wie möglich absenken und beobachten, ob die Räume immer noch ausreichend warm werden. Wenn man eine Temperatur von 55 Grad oder niedriger erreicht, lässt sich die alte Öl- oder Gas-Heizung ohne Weiteres austauschen.

Wenn nicht, sollte man sich beraten lassen. Meist lässt sich bereits durch kleinere Maßnahmen wie den Austausch von einzelnen Heizkörpern oder alten Fenstern viel erreichen.

LCD-Display der Heizung. Die maximale Vorlauftemperatur steht auf 55°C  (Foto: SWR)
Praxis-Tipp: Die maximale Vorlauftemperatur der Heizkurve absenken.

Ist die Wärmepumpe klimafreundlich?

Auch wenn es das Ziel der Bundesregierung ist, mit Hilfe von Wärmepumpen die CO2-Neutralität in Deutschland zu erreichen, bedeutet ein kompletter Umstieg aller Öl- und Gas-Heizungen auf Wärmepumpe noch nicht, dass das Ziel erreicht ist. Entscheidend ist, wie der ganze Strom für die vielen Millionen Wärmepumpen hergestellt wird.

Zurzeit wird dieser leider immer noch zum Großteil in Kohle- und Gaskraftwerken generiert, da gerade im Winter, wenn die Wärmepumpen am meisten Strom brauchen, Solaranlagen kaum einen Beitrag zum Strommix liefern. Aus diesem Grund müssen vor allem mehr Windräder aufgestellt werden, die auch in der Sonnenarmen Jahreszeit große Mengen an Strom produzieren. Die Energiewende im Bereich Wärme ist also mit Wärmepumpen letztlich nur zu schaffen, wenn alle Teilbereiche zeitgleich entwickelt werden.

Landschaft mit Windrädern von oben.  (Foto: SWR)
Ohne den Ausbau der Windenergie kommt der Strom für die Wärmepumpen aus Kohle- und Gas-Kraftwerken.

Linktipps:

Wärmepumpen im Bestand eine Internet-Blog-Serie von Dr. Marek Miara

Die Studie vom Fraunhofer Institut ISE zu Wärmepumpen im Bestand

KEK – Karlsruher Energie und Klimaschutzagentur: Energieberatung, Stromsparcheck, Photovoltaik

Wirkungsgrad von Wärmepumpen in der Praxis. Eine öffentliche Verbrauchsdatensammlung

Staatliche Förderprogramme für die energetische Sanierung

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