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Schon wieder hat es im Frühjahr zu wenig geregnet. Die Angst vor den Folgen eines dritten Dürrejahrs ist groß. Wird das Trinkwasser knapp? Odysso zeigt, wie sich die Trockenheit auf den Südwesten auswirkt.

Wassermangel? War in Deutschland bisher kein Thema. Trinkwasser aus dem Wasserhahn? War bisher selbstverständlich. Doch das könnte sich bald ändern, denn in einigen Regionen ist Wasser im Sommer jetzt schon knapp.

Im Schwarzwald versiegen die Brunnen

Wer hoch oben im Schwarzwald wohnt, ist es gewohnt, sich selbst mit Wasser zu versorgen, denn die Leitungen der großen Wasserversorger vom Bodensee oder vom Rhein kommen dort nicht an. Eigene Quellen, Hochbehälter – das System funktionierte bis vor einigen Jahren.

Doch nach zwei Jahren extremer Trockenheit sitzen die Orte oben im Schwarzwald buchstäblich auf dem Trockenen und dies hat weitreichende Folgen: Reicht das Grundwasser nicht aus, kann weniger Vieh auf die Weide gebracht werden; Futterpflanzen werden von resistenteren Pflanzen verdrängt. Bäume werden anfälliger für den Borkenkäferbefall und für Windbruch. Und letztlich wird es auch für den Tourismus, einen wichtigen Wirtschaftszweig im Schwarzwald, knapp, denn dessen Wasserverbrauch ist enorm.

Die wirtschaftlichen Folgen sind bereits jetzt zu spüren: Die Preise für Holz sind extrem gefallen, weil durch die Trockenheit in Europa zu viel auf dem Markt ist. Und die Landwirte im Schwarzwald müssen um die EU-Zuschüsse bangen, die sie für den Erhalt der einzigartigen Allmendwiesen bekommen, sollten sich Pflanzen- und Tierwelt durch die Trockenheit verändern. Dazu kommt der Wasserbedarf der Landwirtschaft selbst, der nicht mehr gedeckt werden kann.

Wenn das Wasser knapp wird: Drosseln und teilen

Nicht nur in höheren Lagen wird das Wasser knapper – auch Städte wie beispielsweise Freiburg sind in trockenen Sommern betroffen, auch wenn hier noch Wasser aus Tiefbrunnen bezogen werden kann. An der Universität Freiburg entwickelt die Hydrologin Kerstin Stahl daher ein Dürremanagement: Messungen und Modelle sollen helfen zu erkennen, wann die Wassernutzung gedrosselt werden muss. Sie sollen auch als Grundlage für Notfallpläne dienen. Wird das Wasser knapp, muss nicht nur festgestellt werden, um wie viel gedrosselt werden muss, sondern auch, wer seinen Verbrauch einschränken muss.

Möglicherweise könnten Wasserrückhaltebecken in Schwarzwaldtälern eine Lösung sein, um die Versorgung sicherzustellen. In den Vogesen gibt es sie bereits, in Deutschland wird das Thema noch nicht diskutiert.

Mittels Ringwasserleitung haben das wasserreiche Furtwangen und die wasserärmeren Nachbargemeinden das Problem für sich gelöst. Furtwangen teilt sein Wasser, beziehungsweise verkauft den Überschuss über das gemeinsame Netz. Eine Lösung, die auch andere Orte gerne übernehmen würden, doch dafür wird in erster Linie eine Gemeinde gebraucht, die Wasser abgeben kann.

Der Weg des Wassers

Im Oberrheintal befindet sich das größte Grundwasserreservoir Europas: Als Regenwasser fließt es in Bächen abwärts, oder es versickert und kommt nach dem Weg durch Sand, Kies und Gesteinsschichten als Grundwasser im Tal wieder ans Tageslicht.

Ein Teil des Wassers wird im Boden gespeichert und versorgt die Pflanzen. In großen Höhen speist das Wasser im Winter die Gletscher und fließt im Frühjahr als Schmelze in die Täler. Und letztlich fließt alles Wasser, egal welchen Weg es genommen hat, in die Ozeane. Problematisch wird nun die Klimaerwärmung. Je wärmer es ist, desto mehr Oberflächenwasser verdunstet und wird gasförmig – und um so weniger Wasser fließt in die Grundwasserreservoire.



Grundwasser ist nicht nur unser Lebensmittel Nummer Eins, es bietet auch ideale Lebensräume für viele Wildpflanzen und Tiere, beispielsweise Libellen, Flussaale oder Hechte. Bedroht wird die Qualität des Grundwassers vor allem durch eine allzu intensive Landwirtschaft: Dünger, Unkrautvernichtungsmittel und Insektizide geraten ins Grundwasser.

Ein Drittel des Grundwassers in Deutschland ist bereits mit Nitrat belastet – ein Rückstand aus der Düngung in der Landwirtschaft, der entsteht, wenn Pflanzen den überschüssigen Stickstoff nicht aufnehmen können. Nitrat belastet nicht nur das Trinkwasser, sondern auch Tiere und Pflanzen, die auf nährstoffarmes Wasser angewiesen sind.

Inzwischen zählt Deutschland zu den Ländern, die an „Wasserstress“ leiden. Dieser entsteht, wenn von den Wasserressourcen, die zur Verfügung stehen, mehr als 20 Prozent genutzt werden.

Privatisierung – das Geschäft mit dem Wasser

Die Welle der Privatisierungen öffentlicher Aufgaben seit den 1990er Jahren machte auch vor der Wasserversorgung nicht halt. Mehr Geld in der Haushaltskasse und gleichzeitig weniger Arbeit – viele Kommunen ließen sich davon locken und gaben diesen Teil der Grundversorgung in die Hände von Unternehmen, die oft nicht einmal in Deutschland saßen.

Dabei können solche Privatisierungen durchaus verschiedene Formen annehmen – je nachdem, ob eine Kommune Aufgaben an einen Privatbetrieb abgibt, einen Privaten an einer neu gegründeten Gesellschaft beteiligt oder tatsächlich seine Betriebsanlagen verkauft. So beispielsweise Stuttgart, das den Teil Abwasser verleaste und zurückmietete.

Ziel des Ganzen: Der amerikanische Investor sparte Steuern und teilte sich den Profit mit der Stadt. Trinkwasseranlagen und sogar Anteile an den Rohwasserquellen wurden an die EnBW verkauft – die vergeblichen Versuche der Stuttgarter, die Privatisierung rückgängig zu machen, scheiterten bisher am Geld und könnten die Stadt teuer zu stehen kommen.

Für viele Kommunen waren die Folgen der Privatisierung dauerhaft nicht positiv: Für die Verbraucher stiegen die Preise, gleichzeitig wurden Personalkosten eingespart und Instandhaltungen verringert, um Gewinn zu machen.

Geraubtes Nass – der Natur fehlt das Wasser

Mehrere zu warme Sommer, aber auch niederschlagsarme Winter machen die Wasserknappheit an manchen Stellen deutlich sichtbar: Bäche und Flüsse führen kaum noch Wasser, Bäume sterben ab. Ursache für den niedrigen Grundwasserspiegel sind oft nicht nur die geringen Niederschläge, sondern die großen Mengen an Wasser, die der Natur entnommen werden – für Haushalte, für die Landwirtschaft und vor allem für Industrie und Kraftwerke.

Mehr als die Hälfte des entnommenen Wassers in Deutschland wird von Energieversorgern für Kühlzwecke genutzt, rund ein Viertel von der Industrie. Private Haushalte nutzen rund ein Fünftel des gesamten Wassers.

Wo Wasser für industrielle Nutzung entnommen wird, fällt der Grundwasserspiegel viele Meter ab – zu tief für Bäume, deren Wurzeln das Grundwasser nicht mehr erreichen. Reicht das Grundwasser nicht aus, wird oft Flusswasser entnommen, aufbereitet und für die Wasserversorgung genutzt – ebenfalls ein erheblicher Eingriff in die Natur, da die Lebensräume vieler Arten gestört und Ökosysteme beeinflusst werden. Tiere und Pflanzen leiden vielerorts sichtbar – während bei uns das Wasser aus dem Wasserhahn sprudelt.

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