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odysso zeigt ganz konkret, was getan werden muss, um die Erderwärmung zu bremsen und liefert uns Alltags-Tipps zum Klimaschutz.

Die Menschheit lebt über ihre Verhältnisse – insbesondere die Bewohner der Industrieländer. Jeden Tag verbrauchen wir so viele Ressourcen, verursachen so viele Schadstoffe, dass wir eigentlich drei Planeten bräuchten.

Das „Eine-Welt-Experiment“ - Energie, Einkauf und das Burger-Problem

Familie Lessander in Bad Kreuznach versucht so zu leben, dass die Ressourcen unserer einen Erde für sie ausreichen. Das bedeutet für die vierköpfige Familie eine Änderung des Lebensstils, beispielsweise: Wasser und Strom sparen, weniger Müll verursachen, fleischarm leben und so selten wie möglich Auto fahren. Bei ihrem Experiment setzen sie beim alltäglichen Verbrauch im Haushalt an.

Strom und Heizung: Der Energieverbrauch im Haushalt macht ungefähr ein Viertel unseres Ressourcenverbrauchs aus. Strom und Warmwasser aus regenerativer Energie selbst zu produzieren, ist eine gute Möglichkeit, umweltfreundlicher zu leben. Wer nicht die Möglichkeit hat, beides selbst zu erzeugen, kann immerhin bei der Versorgung auf Öko umstellen. Doch Vorsicht: Die Bezeichnung Ökostrom ist nicht geschützt – es lohnt sich also, vor der Umstellung genau hinzusehen, was das Versorgungsunternehmen anbietet.

Einkaufen: Mal eben schnell in den Supermarkt gehen – auch das verschlechtert die Ökobilanz. Der größte Teil der Waren im Supermarkt ist verpackt, vieles in Plastik. Produktion und Entsorgung belasten sowohl die Umwelt als auch die Mülltonne. Im Eine-Welt-Experiment geht Familie Lessander nun bevorzugt in den Unverpackt-Laden, in den sie ihre eigenen Aufbewahrungsgefäße mitbringen dürfen.

Wer kann, baut auch einen Teil Gemüse oder Obst im Garten an und kauft möglichst regionale Produkte. Schon beim Kaffee wird dies problematisch – eine Alternative ist Tee, der zwar mitunter auch weit reist, aber beim Anbau weniger Wasser verbraucht.

Schwierig wird es, wenn die Familie den Wunsch nach einem Steak oder Burger verspürt: Insbesondere Rindfleisch hat eine verheerende Klimabilanz durch den Wasserverbrauch für die Tiere, den Landverbrauch fürs Weideland und den Ausstoß des Treibhausgases Methan durch die Rinder. Hier hilft nur die Umstellung auf vegetarisches Essen oder zumindest extremes Reduzieren des Fleischverbrauchs.

Das Eine-Welt-Experiment: Mobilität, Sparsamkeit der ökologische Fußabdruck

Ein weiterer großer Ressourcen-Verbraucher ist die Mobilität: Am umweltfreundlichsten ist es, wenn möglich, CO2-neutral in die Pedale zu treten. Die mit Abstand schlechteste CO2-Bilanz hat das Flugzeug. Auch Pkw schneiden nicht gut ab, wie ein Vergleich des Umweltbundesamts zeigt. Nicht immer es möglich, auf eine Fahrt mit dem Auto zu verzichten, doch die meisten Autofahrten werden in Deutschland auf Strecken zurückgelegt, die kürzer als fünf Kilometer sind.

Hier wären radeln oder zu Fuß gehen durchaus umweltfreundliche und sportliche Alternativen. Und auch der Pkw selbst macht bei den Emissionen einen Unterschied: Ein Kleinwagen stößt wesentlich weniger CO2 aus als ein SUV, ausgesprochen Sport Utility Vehicle. Die „Eine Welt“-Familie Lessander hat sich ein kleineres Fahrzeug angeschafft und lebt auch ansonsten sparsamer als vorher.

Den ökologischen Fußabdruck überprüfen sie regelmäßig mit einem Ressourcenrechner im Internet. Bilanz nach eineinhalb Jahren: Die Familie hat ihre Bilanz verbessert. Ihr Startverbrauch von gerechnet 1,56 Erden ist auf 1,23 Erden gesunken. Das nächste Ziel heißt „eine Erde“, bei dem nur so viel verbraucht wird, wie die Erde verkraftet.

Grüne Mogelpackungen beim Umweltschutz

Öko ist „in“ und die Industrie möchte weiterhin gut verkaufen – auch Produkte, die der Umwelt eigentlich schaden. Was verkauft werden soll, wird als „grün“ beworben, um das Gewissen der Verbraucher zu beruhigen. Doch oft handelt es sich um Mogelpackungen, sogenanntes „Greenwashing“, dem Journalistin Kathrin Hartmann seit Jahren auf der Spur ist.

Am offensichtlichsten ist dies bei den vieldiskutierten SUV, extrem PS-starken, großen und schweren Autos, deren Image wegen der schlechten Umweltbilanz angekratzt ist. Trotzdem war 2019 jedes fünfte neu zugelassene Auto in Deutschland ein SUV – für die Hersteller ein Verkaufsschlager. Damit dies so bleibt, brachten die großen Hersteller Elektro-SUVs auf den Markt – ein Riesenauto mit Öko-Touch. Beispiel Flugzeug: Auch Flugreisen sind wegen des hohen CO2-Ausstoßes in der Diskussion.

Wer nicht auf das Fliegen verzichten mag, kann seinen Flug „kompensieren“, also Geld dafür bezahlen, dass Umweltprojekte unterstützt werden. Doch nicht immer werden in die Kompensation alle Kosten eingerechnet, warnt Umweltpsychologe Johannes Schuler vom Fraunhofer ISI Karlsruhe. Und der Und das ausgestoßene CO2 bleibt ohnehin in der Welt. Auch die Werbung von Textilherstellern, die bei einem Teil ihrer Produkte sogenanntes „Ozean-Plastik“ recyceln, führt laut Kathrin Hartmann in die Irre, denn nur ein sehr geringer Teil der Produkte wird so produziert.

Die Pointe: Spätestens wenn Kunden glauben, durch den Kauf solcher Produkte die Umwelt zu schonen, ist das Greenwashing schädlich. Wer oft kleinere, grüne Produkte kauft, hat ein gutes Gewissen und läuft Gefahr zu glauben, er könne sich deshalb einen großen „ökologischen Fehltritt“ leisten, beispielsweise eine Flugreise.

Umweltfreundlich reisen – geht das?

Bei jeder Reise produzieren wir CO2 – doch wie viel, das hängt vom gewählten Verkehrsmittel ab. Die Unterschiede sind riesig: Das Fliegen ist eine der klimaschädlichsten Fortbewegungsarten. Schon bei einem relativ kurzen Flug, beispielsweise die Strecke Frankfurt–Barcelona, werden pro Fluggast bei Hin- und Rückflug circa 442 Kilogramm CO2 ausgestoßen.

Das Auto schneidet auf der gleichen Strecke nicht besser ab; der pro-Kopf-Ausstoß sinkt erst, wenn mehrere Personen mitfahren. Zu den CO2-Emissionen beim Fliegen kommt als schädlicher Faktor allerdings noch hinzu, dass Emissionen in großen Höhen eine stärkere Treibhausgaswirkung haben.

Kreuzfahrtschiffe sind die schlimmsten Klimasünder unter den Fortbewegungsmitteln. Zum einen produziert ein Kreuzfahrtschiff an nur einem Tag so viel CO2 wie der Verkehr einer ganzen Stadt. Zum anderen lagert sich der Ruß des verbrannten Schweröls ab – dies ist in der Arktis bereits deutlich zu sehen und trägt erheblich zur Klimaerwärmung und zur Eisschmelze bei.

Welches Verkehrsmittel – Flugzeug, Zug oder Auto – am umweltverträglichsten für eine gewählte Strecke ist, lässt sich beispielsweise im Online-Tool „ecopassenger“ ausrechnen. Bei Strecken an Land sind die umweltfreundlichsten Fortbewegungsmittel Bus und Bahn – wobei der Fernbus mit der besten CO2-Bilanz die Nase vorn hat.

Bäume pflanzen gegen den Klimawandel

Wer das Klima wirklich schützen will, muss Bäume pflanzen und außerdem den bestehenden Wald schützen, denn der Wald hat eine Schlüsselrolle im Kampf gegen den Klimawandel. Bäume speichern das Klimagas CO2 und produzieren den für uns lebenswichtigen Sauerstoff. Eine weltweite Aufforstung von 0,9 Milliarden Hektar Wald könnte zwei Drittel unserer menschgemachten CO2-Emissionen aufnehmen und speichern, haben Wissenschaftler der ETH Zürich errechnet. Der Platz dafür wäre vorhanden, das Wissen um die wichtige Rolle der Bäume ist unumstritten – doch den Wäldern rund um den Globus geht es mangels Taten immer schlechter.

Auch der baden-württembergische Wald leidet – schuld ist vor allem der Klimawandel. 43 Prozent der Bäume sind geschädigt, besonders betroffen sind Fichte und Tanne, die nicht nur als CO2-Speicher wichtig sind, sondern auch als Holzlieferanten. Die Forstwirtschaft testet nun den Anbau von Baumarten, die den Klimawandel besser verkraften, beispielsweise Mammutbaum, Maserbirken, Schwarznuss und Buchen aus wärmeren Regionen. Der Wald wird sich auch in Baden-Württemberg verändern, um bei höheren Temperaturen und mehr Trockenheit überleben zu können.

Wie wichtig Bäume im Kampf gegen den Klimawandel sind, begriff 2007 schon der damals neunjährige Schüler Felix Finkbeiner: Er rief Kinder auf der ganzen Welt auf, Bäume zu pflanzen – eine Milliarde Bäume ist das Ziel der Bewegung „Plant for the Planet“, für die sich Kinder noch heute engagieren.

Mit Geo-Engineering den Klimawandel beherrschen

Bäume zu pflanzen, ist eine der einfachsten Methoden gegen den Klimawandel – abgesehen von der Beseitigung der Ursachen. Doch auch neue Technologien, die Klimawandel zwar nicht ganz aufhalten, seine Folgen aber abmildern sollen, werden erforscht: Geo-Engineering soll das Klimasystem verändern.

Eines der Projekte ist „Solar Radiation Management“ – die Strahlung der Sonne, die von der Erde absorbiert wird, soll verringert werden. Dazu werden per Flugzeug Schwefeldioxidpartikel in die Stratosphäre gebracht. Sie verwandeln sich in Aerosole und diese sollen einen Teil der Sonnenstrahlen reflektieren, bevor sie auf die Erde treffen. Bisher ist noch nicht absehbar, welche langfristigen Folgen diese Technologie für die Erde hätte.

„Carbon Capture“, das Einsammeln von CO2 aus der Atmosphäre, wird schon seit Jahren praktisch erforscht. Die Filterung aus der Luft ist allerdings energieintensiv, was den Umwelteffekt wieder teilweise zunichte macht. Noch ungelöst ist das Problem, was mit dem gesammelten CO2 schließlich passieren soll. Manche Projekte suchen nach Lagermöglichkeiten an Land, andere sehen eine Speicherung in den Ozeanen vor. Gegen beide Arten der Lagerung gibt es Bedenken, da auch hier die Folgen nicht bekannt sind.

Da nicht nur Bäume CO2 binden, sondern auch alle anderen Pflanzen, könnten Raps und Mais auf riesigen Feldern angebaut und nach der Ernte für Bioenergie verwertet werden. Dafür würden allerdings riesige Flächen benötigt, wofür wiederum viel Energie verbraucht würde.

Lili Fuhr, umweltpolitische Referentin der Heinrich-Böll-Stiftung hält die Geo-Engineering-Ansätze nicht für sinnvoll, da sie nicht an den wirklichen Ursachen für den Klimawandel ansetzen. Und die Ursachen, für die der Mensch verantwortlich ist, bestehen weiter.

Die Erde leidet am Menschen

Von außen betrachtet, ist das Treiben der Menschheit auf der Erde widersinnig: Mehrere Milliarden Menschen bevölkern den Planeten, der ohne diese Bewohner vermutlich gesund wäre und keinerlei Probleme hätte. Doch die Bewohner, die von eben diesem ehemals gesunden und ressourcenreichen Planeten abhängig sind, sind derzeit damit beschäftigt, ihre Lebensgrundlage zu zerstören. Der CO2-Ausstoß treibt die Temperatur rasend schnell nach oben. Wüsten breiten sich aus, Meeresspiegel steigen.

Und der Mensch? Der hat inzwischen verstanden, was er macht. Er kennt die Ursachen: Energiewirtschaft, Verkehr, Zerstörung der Wälder, übermäßiger Konsum, kurzum: nicht nachhaltiges Verhalten zerstören die Erde, von der er lebt. Doch anstatt Konsequenzen zu ziehen und für die kommenden Generationen zu retten, was noch zu retten ist, macht er weiter wie bisher...

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