Übergewicht

Richtig Abnehmen

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG

Ursachensuche: Woher kommt das Übergewicht?

Stark übergewichtig – das ist in Deutschland jeder vierte Erwachsene und fast jedes siebte Kind. Tendenz steigend. Doch woher kommt das Übergewicht und warum ist es so schwer, die Fettpolster wieder loszuwerden?

Die Journalistin Dagmar Stöckle macht sich auf die Ursachensuche in eigener Sache. Ein Sportmediziner stellt fest, wie hoch ihr Ruheumsatz beim Kalorienverbrauch ist. Je mehr Muskeln vorhanden sind, desto höher ist der Kalorienverbrauch. Auch Medikamente können Übergewicht verursachen. Dazu gehören beispielsweise Cortison, Schmerzmittel, die Anti-Baby-Pille, Antidepressiva und auch Diabetes-Medikamente. Außerdem ist der physische Check wichtig. Per Ultraschall werden die Organe untersucht. Dazu kommt noch ein Blutbild.

Am Ende der Untersuchungen steht fest: So einfach lässt sich die Ursache für das Übergewicht nicht finden. Dagmar Stöckle sollte dennoch innerhalb eines halben Jahres 15 Prozent ihres Übergewichts abbauen. Die Chancen, dieses Ziel zu erreichen, stehen nicht gut. Nur 20 Prozent der Menschen, die in das Adipositas-Zentrum Bottrop kommen, schaffen eine Gewichtsreduktion aus eigener Kraft – ohne Operation.

Ursachensuche: falsches Essverhalten, falsche Gewohnheiten

Die Art der Ernährung ist eine der wichtigsten Ursachen für Übergewicht. Um hier anzusetzen, muss Dagmar Stöckle protokollieren, was sie isst und wann sie isst. Erste Ergebnisse: Süßigkeiten werden gestrichen, allzu Fetthaltiges muss sie vermeiden. Auch die Uhrzeit ist wichtig. Spätes Essen und Naschen oder gar Mitternachtssnacks sollten ebenfalls wegfallen.

Es steht eine Umstellung des Speiseplans an, und das hat Auswirkungen auf die ganze Lebenssituation. Wird die Ernährung dauerhaft geändert, muss dies zum Arbeits- und zum Familienalltag passen. Eine Umstellung, die mehr als nur ein paar Wochen dauert und auch nicht nach ein paar Monaten wieder endet. Im Fall von Dagmar Stöckle stellt sich doch noch ein physischer Grund für das Übergewicht heraus: Schlafmangel, verursacht durch eine schwere Schlafapnoe, also Atemaussetzer im Schlaf. Der Schlafmangel sorgt dafür, dass der Körper Hunger vermeldet, obwohl er gar keinen Energiebedarf hat. Die Folge kann Gewichtszunahme, in machen Fällen sogar zudem Diabetes sein.

Zu Recht gefürchtet: der Jojo-Effekt

Das Erfolgserlebnis nach einer Diät fühlt sich gut an. Doch bei vielen Menschen sind die abgespeckten Kilos bald wieder auf den Hüften. Und manche wiegen einige Zeit nach der Diät mehr als zuvor – der gefürchtete Jojo-Effekt ist eingetreten. Wer sich häufig auf Diät setzt, um abzunehmen, schadet im Zweifelsfall seinem Körper. Bei einer Diät reduziert der Körper seinen Energieverbrauch; doch die eiserne Energiereserve des Körpers, das Bauchfett, wird zuletzt abgebaut. Bekommt der Körper nach der Diät durch die veränderte Ernährung wieder mehr Energie, wird sie in Form von Fettreserven gespeichert – und zwar zuerst am Bauch. Genau dieses Fett ist nicht nur optisch unschön, sondern auch besonders ungesund, da es Entzündungsstoffe bilden kann.

Doch mehr noch als Diäten schadet das Übergewicht selbst. Rund 75.000 Menschen sterben pro Jahr in Deutschland daran. Um das Gewichtsproblem ohne Jojo-Effekt anzugehen, hilft nach Meinung von Experten nur mehr regelmäßiger Sport und die dauerhafte Umstellung der Ernährung. Sie sollte grundsätzlich gesund sein und viele Flavonoide enthalten, also sekundäre Pflanzenstoffe, wie sie in Obst und Gemüse enthalten sind. Einige Wochen Diät und danach weiteressen wie vorher, ist keine Lösung gegen Übergewicht, sondern eher das Gegenteil.

Der Glaube versetzt Kilos

Wer abnehmen will, muss vor allem fest daran glauben! Zwei Forscherinnen der Universität Harvard testeten ihre Idee in einem Experiment, an dem sich 84 Zimmermädchen beteiligten. Der einen Hälfte erzählten die Forscherinnen, wie gesund ihr Job sei und dass die viele Bewegung völlig ausreiche. Täglich wurden sie daran erinnert. Die andere Hälfte der Zimmermädchen erhielt nur die Information, dass die Studie die Gesundheit und das Wohlbefinden von Hotelangestellten verbessern solle. Alle Probandinnen wurden zu Beginn untersucht und mussten Fragebögen zu ihren Ernährungsgewohnheiten, zu Sport und zu Bewegung im Alltag ausfüllen. Vier Wochen später das Ergebnis: Die Frauen in der informierten Gruppe hatten im Durchschnitt 800 Gramm abgenommen, ihr allgemeiner Gesundheitszustand hatte sich verbessert. Bei der anderen Gruppe gab es keinerlei Änderung. Zur Gewichtsabnahme war es also gekommen, weil die Frauen von der Wirkung überzeugt waren.

Warmes Mittagessen: Fünf Vorteile

Ein warmes Mittagessen ist nicht nur gesund, es kann sogar beim Abnehmen helfen. Unser Körper ist darauf programmiert, tagsüber zu essen und zu verdauen. Dafür sorgen Hormone, die abends den Hunger bremsen. Wer also nachts Essen zu sich nimmt, hat gute Chancen, übergewichtig zu werden. Genauso sieht es mit Snacks aus. Auf Zwischenmahlzeiten ist der menschliche Körper nicht eingestellt. Auch als Ersatz für ein warmes Mittagessen taugen Snacks nicht. Belegte Brote zur Mittagszeit können schnell 1000 Kilokalorien haben. Eine Mahlzeit mit magerem Schweineschnitzel, Kartoffeln und Gemüse dagegen hat nur rund 350 Kilokalorien.

Dass das warme Essen am Mittag den entscheidenden Unterschied macht, ergab eine Studie in Spanien. Die Versuchspersonen, die ihre Hauptmahlzeit vor 15 Uhr aßen, nahmen eher ab als diejenigen, die ihre Hauptkalorienmenge erst abends zu sich nahmen. Auch das Wort Mittagspause sollte wörtlich genommen werden. Wer ganz in Ruhe isst und sich entspannen kann, ist den Rest des Tages leistungsfähiger. Und schließlich hilft beim Mittagessen noch ein kleiner Trick: Wer einen vollen Teller ansieht – das darf auch gerne ein Foto sein – selbst aber gar nicht so viel isst, fühlt sich dennoch länger satt.

Gesund einkaufen: Fünf Fallstricke

Richtiges Abnehmen und gesunde Ernährung fangen bereits beim Einkauf an. Wer in den Supermarkt geht, hat es schwer, alle Dickmacher zu umgehen. Falle 1 sind die Versprechungen auf den Etiketten. Was gesund klingt, ist es nicht immer! Denn Werbeslogans sollen nicht bei gesunder Ernährung helfen, sondern beim Verkauf von Produkten. Eine verpflichtende Lebensmittelampel, die es möglich macht, auf einen Blick zu erkennen, ob ein Produkt eher gesund ist oder nicht, gibt es bei uns, aufgrund der Widerstände der Nahrungsmittelindustrie, leider noch nicht. Ebenso fehlt in Deutschland eine Zuckersteuer, die dafür sorgen würde, dass die ungesunden, süßen Lebensmittel, wie beispielsweise Limos, nicht mehr so billig sind, wie bislang. Wer bewusst hochwertige Lebensmittel, wie unverarbeitete oder Bioprodukte kauft, muss tiefer in die Tasche greifen. Und diese Auswahl ist im Supermarkt eher überschaubar. Denn dort dominieren herkömmliche, billigere, aber auch ungesündere Produkte das Angebot.

Richtig kalorienlastig wird es im Kassenbereich: Hier warten noch einmal Süßigkeiten auf Kunden, die durch das Nadelöhr müssen und beim Warten oft zugreifen. Aber auch wer Stolperfalle Nummer vier erfolgreich hinter sich gelassen hat, wird draußen nochmal auf eine harte Probe gestellt. Würstchen, Pommes, Hähnchen, Döner – vor vielen großen Supermärkten stehen Händler mit verführerisch riechendem Fast Food. Viele gönnen sich einen Snack auf die Hand und machen damit ihre Abnehmpläne zunichte.

Von Low-Carb bis DNA – Diäten

Diäten sind ein Riesengeschäft. In Zeiten, in denen in Industrieländern schon Kinder und ein erheblicher Anteil der Erwachsenen übergewichtig sind, boomt das Abnehmen als Geschäftsmodell. Begonnen hat alles Anfang des 19. Jahrhunderts, als der englische Arzt William Prout Speisen in drei Gruppen einteilte: Proteine, Kohlenhydrate und Fette, eine Einteilung, die bis heute gilt. Die erste kommerzielle Diät veröffentlichte der englische Bestattungsunternehmer William Banting, der selbst schwer übergewichtig war. Fleisch und Fisch zum Frühstück, Alkohol ab der Mittagszeit, außerdem Obst – sein Ernährungsplan gilt als erste Low-Carb-Diät.

Trennkost, bei der Eiweiß und Kohlenhydrate nicht gleichzeitig gegessen werden, gibt es schon seit 1906. Die Diät des amerikanischen Arztes Howard Hay wird bis heute angewandt. Eine der bekanntesten Diäten in Deutschland ist die Brigitte-Diät, die auf kalorienreduzierte Kost setzt. 1969 zum ersten Mal erschienen, existiert sie in angepasster Form ebenfalls bis heute. Anfang der 1970er wurde dann der Low-Carb-Gedanke, also das kohlenhydratarme Essen, wieder aufgegriffen. Ein Jahrzehnt später waren es die Fette, die bei den Diäten vermieden werden mussten. In dieser Zeit entstanden die Light-Produkte, die zwar weniger Fett, dafür aber mehr Zucker enthalten. Zucker, der schlimmste Dickmacher von allen, war für lange Zeit kein Thema – dafür sorgte die Zuckerindustrie mit verschleiernden Aussagen. Diäten gehen mit der Zeit. Inzwischen gibt es eine Diät auf der Grundlage einer persönlichen DNA-Analyse. Doch eine Studie der Universität Stanford zeigt: Der Effekt dieser individuellen Diäten auf das Gewicht ist nicht messbar.

Alltagstipps für den Kampf gegen die Kilos

Trotz ständig neuer Diäten, Ernährungstipps und Aufklärung: Die Deutschen werden immer dicker. Zur gleichen Zeit bringt die Nahrungsmittelindustrie Produkte auf den Markt, die diesen Trend noch verstärken. Doch wer einige wenige Tipps dauerhaft beherzigt, ist auf gutem Weg, sein Gewicht zu halten oder gar zu verringern.

Genug Schlaf: Wer nicht genügend Schlaf bekommt, nimmt zu. Doch wichtig ist auch die Uhrzeit der eigentliche Schlafphase. Lange Abende sollten eher die Ausnahme sein; wichtig ist es, früh zu Bett zu gehen und früh wieder aufzustehen.

Weniger essen: Der Anblick eines gut gefüllten Tellers sorgt alleine schon für eine gewisse Sättigung. Wer diesen Effekt nutzen will, sollte sich einfach kleinere Teller anschaffen und diese gut füllen.

Weniger Auswahl: Je üppiger der Tisch gedeckt ist, desto mehr wird der Appetit angeregt. Wer Wert auf Vielfalt legt, sollte auf jeden Fall leichte Kost auftischen.

In Ruhe essen: Wer sich beim Essen ablenken lässt, sei es durch den Fernseher oder durch Besuch, isst automatisch mehr und bekommt früher wieder Hunger. Ablenkungen sollten also vermieden werden. Und auch wer die Essensmenge vorher festlegt, kann ohne Reue genießen.

STAND
AUTOR/IN
ONLINEFASSUNG