Quecksilber im Fisch Bedenklich oder nicht?

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Meldungen über Quecksilber im heimischen Fisch beunruhigen Verbraucher. Doch Lebensmittel-Kontrolleure raten zur Gelassenheit.

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"Die Quecksilber-Werte sind in der Regel sehr erhöht. Circa das 5-20-fache über dem zulässigen Grenzwert", erklärt Lothar Kroll. Der Fischerei-Biologe misst seit fast 30 Jahren regelmäßig Umwelt-Werte im Speise-Fisch aus Rhein, Mosel und Saar.

Laut EU Umwelt-Qualitäts-Norm dürfen 20 Mikrogramm Quecksilber pro Kilogramm Fisch nicht überschritten werden. Lothar Krolls Werte reichen aber von 100 bis zu 300 Mikrogramm pro Kilogramm Fisch. Er rechnet sogar damit, dass bundesweit 95 Prozent der Fische den geforderten Wert überschreiten. Weltweit sind Meeresfische wie Thunfisch, Schwertfisch, weißer Heilbutt und Hai ebenfalls stark mit Quecksilber belastet. Wie alle Raubfische stehen sie am Ende der Nahrungskette und werden relativ alt. Deswegen speichern sie mehr Quecksilber als andere Arten.

Woher kommt das Quecksilber?

Etwa 2.000 Tonnen Quecksilber gelangen pro Jahr in die Atmosphäre. Führender Quecksilber-Forscher warnten bereits 2010 vor einer ernsthaften Bedrohung und schleichenden Vergiftung von Umwelt, Tieren und Menschen. Denn das Schwermetall verteilt sich über Winde über den ganzen Globus verteilt. Derzeit gelangt das meiste Quecksilber in China in die Luft.

Kohlekraftwerke und Goldgewinnung als wichtigste Quecksilberquellen

Der Quecksilber-Forscher Johannes Bieser vom Helmholtz-Zentrum bei Hamburg macht vor allem Kohlekraftwerke und die Goldgewinnung in ärmeren Ländern als Haupt-Verursacher der aktuellen Belastungen verantwortlich: "Doch die Hälfte des Quecksilbers in Europa kommt aus der Vergangenheit. Wir haben noch immer mit Quecksilber zu tun, das vor etwa 150 Jahren emittiert wurde." Der giftige Stoff oxidiert, deponiert auf dem Boden und wird irgendwann über den Regen wieder ausgewaschen. "Im Endeffekt wird früher oder später das ganze Quecksilber über die Flüsse in Ozeane oder eben auch Seen transportiert", so Bieser.

Auf Fisch verzichten?

"Entscheidend ist die wirklich verzehrte Menge an Quecksilber - und die hängt ab von der Konzentration und der Menge an verzehrtem Fisch", sagt Helmut Schafft vom Bundesinstitut für Risikobewertung. Hoch ist die Konzentration vor allem in "alten" Fischen wie Thunfisch und Hai, Heilbutt oder Aal.

Ansonsten gibt Schafft grünes Licht. "Einzige Ausnahme sind Schwangere und kleinere Kinder. Denn Quecksilber kann neurologische Fehlbildungen verursachen. Kinder sollten deshalb allenfalls wenig belastete Fische essen, wie Seelachs oder Hering, Karpfen und Forelle." Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt ein bis zwei Fischmahlzeiten pro Woche. Doch letztlich ist auch eine gesunde Ernährung ohne Fisch möglich.

Diskussion um Grenzwerte

Vor diesem Hintergrund gibt es auch unterschiedliche Grenzwerte für Quecksilber im Fisch. Das Bundesinstitut für Risikobewertung orientiert sich an den Lebensmittelgrenzwerten. Diese Werte liegen im Vergleich zur Umweltqualitätsnorm sehr viel höher. Lothar Kroll orientiert sich an der Umweltqualitätsnorm: "Diese Norm gibt es, weil wir herausfinden möchten, ob die kostspieligen Anstrengungen zur Reduktion des Quecksilbers auch wirklich erfolgreich sind. Auf diese Weise wollen wir einen Abwärtstrend darstellen. Deshalb sind die Grenzwerte auch sehr streng." Für die Gesundheit der Verbraucher seien diese Grenzwerte jedoch wenig relevant. Lebensmittelkontrolleure raten deshalb zur Gelassenheit.

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