Gentechnik Neue Chancen für den Ökolandbau?

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Ökologischer Landbau und Gentechnik sind für viele ein Widerspruch. An der Universität Davis in den USA zeigen Pamela Ronald und Raoul Adamchak, dass beides sehr gut zusammenpasst.

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Ein ungewöhnliches Paar

In Kalifornien treffen Pamela Ronald und Raoul Adamchak, sie ist Pflanzengenetikerin, ihr Mann Biobauer. Die beiden arbeiten und forschen an der Universität Davis, eine der größten und renommiertesten Agrar-Unis der Welt. Raoul Adamchak bewirtschaftet dort die Biofarm der Universität und unterrichtet ökologischen Landbau. Gentechnik und Ökolandbau sind für viele ein Widerspruch, doch die beiden teilen dieselben Ziele. „Wir beide haben eine sehr ähnliche Vorstellung von einer nachhaltigen Landwirtschaft. Dieselbe Vision, wie gesunde Lebensmittel auf möglichst umweltschonende Weise angebaut werden können“, sagt Raoul Adamchak.

Raoul Adamchak setzt auf Biolandbau und Gentechnik

Auf der Biofarm der Uni baut Adamchak Bohnen und anderes Gemüse an. Er verzichtet auf chemische Düngemittel und Pestizide. Stattdessen setzt er auf Fruchtfolgen und einen nachhaltigen Umgang mit den Ressourcen. Doch manche Probleme bekommt er so nicht in den Griff. Immer wieder vernichten Schädlinge seine Ernte. Raoul ist einer der wenigen Öko-Landwirte, die öffentlich darüber sprechen, dass ihnen neue Sorten aus dem Genlabor helfen könnten: „Die Landwirtschaft braucht die modernsten Technologien und zugleich die besten ökologischen Anbaumethoden“, sagt er: „Nur wenn wir bei der Pflanzenzucht und bei den Anbaumethoden intelligente Lösungen finden, bekommen wir eine Landwirtschaft, die nachhaltig und produktiv ist.“

Reis ist eine der wichtigsten Nahrungspflanzen der Welt

Seine Frau Pamela Ronald hat sich als Pflanzengenetikerin auf Reis spezialisiert, eine der wichtigsten Nahrungspflanzen der Welt. Für die großen Agrarkonzerne ist Reis nicht besonders interessant, denn Reis wird vor allem in Entwicklungsländern gegessen. Genau das macht für Pamela Ronald den Reiz aus: „Hier können wir einen Beitrag dazu leisten, die Welternährung sicherer zu machen“, sagt sie. In traditionellen Reis-Sorten hat Ronald ein Gen entdeckt, das dafür sorgt, dass Reis Überflutungen besser erträgt. Noch mit den alten Methoden der Gentechnik hat sie das Gen in moderne ertragreiche Sorten übertragen. Wissenschaftler am Internationalen Reisforschungsinstitut IRRI auf den Philippinen haben daraus in jahrelanger Arbeit eine neue Sorte entwickelt. Der überflutungstolerante Reis wird heute von Millionen Bauern in Indien und Bangladesch angebaut. Eine enorme Hilfe für die Menschen, denn normaler Reis stirbt ab, wenn er länger als zwei Wochen unter Wasser steht. Mit den alten Methoden der Gentechnik feierte Pamela Ronald zwar große wissenschaftliche Erfolge, doch die Arbeit an einer neuen Sorte war immens teuer, aufwändig und langwierig.

Bei der Pflanzenzucht setzt Pamela Ronald auf die Genschere CRISPR

In ihrem Labor setzt Pamela Ronald heute deshalb ebenfalls auf die Genschere CRISPR-Cas9. Die Forscher hoffen, dass sie so schneller zum Ziel kommen – und dass Sorten möglich sind, die zuvor undenkbar waren. Sie wollen einen Reis entwickeln, dem bestimmte Schädlinge nichts anhaben können. Eine solche Sorte würde die Ernte sichern und zugleich Pestizide einsparen. Außerdem geht es darum, die Reispflanze so zu verändern, dass sie besser mit dem Klimawandel klar kommt. „Trockentoleranz ist eine große Herausforderung für die Pflanzenzucht“, sagt Pamela Ronald. „Ich möchte mit CRISPR eine Reissorte entwickeln, die besser mit Trockenheit auskommt.“

Wie sieht eine zukunftsfähige Landwirtschaft aus?

Auch ihr Ehemann Raoul Adamchak hofft auf Hilfe durch die neue CRISPR-Technik. Ein Wurzelschädling frisst sein Gemüse, vor allem die Kürbisse. Und im Ökolandbau gibt es keine Möglichkeit, die Schädlinge zu bekämpfen. Gifte, die im konventionellen Landbau eingesetzt werden, sind für Raoul tabu. Zusammen mit seiner Frau berät er, wie man das Problem lösen könnte. Einige Pflanzen sind offenbar resistent gegen die Schädlinge. „Wir könnten dort ein Resistenz-Gen finden und in andere Pflanzen übertragen“, überlegt Pamela Ronald. Die beiden wollen ein Forschungsprojekt starten. Ob es ihnen tatsächlich gelingt, eine schädlingsresistente Kürbissorte zu entwickeln, ist derzeit völlig offen. Doch für Raoul wäre eine Pflanze aus dem CRISPR-Labor die beste Lösung:. „Ich würde sie sofort pflanzen“, sagt er. Was bei ihm so selbstverständlich klingt, birgt enormen Sprengstoff, denn der Widerstand gegen jede Form der Gentechnik ist ein fester Pfeiler des Ökolandbaus. Doch auch in der Ökobranche hat die Diskussion begonnen: Welche Methoden sind erlaubt? Und wie sieht eine zukunftsfähige, umweltfreundliche Landwirtschaft aus? Vielleicht zeigen Raoul und seine Frau Pamela einen Weg auf: Sie versuchen, die Probleme zu lösen, indem sie das Beste aus beiden Welten vereinen. Die Genschere CRISPR ist für sie ein Werkzeug – nicht mehr und nicht weniger.

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