Zeitreise

Die Geschichte der NATO

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AUTOR/IN
Michael Hänel

Seit ihrer Gründung hat die NATO einige grundlegende Wandlungen durchlaufen.

Präsident Truman zur Gründung 1949

Zehn westeuropäische Länder, die USA und Kanada gründen den Nord Atlantik Pakt. Das westliche Beistandsbündnis gegen den Kommunismus. Wird ein Land angegriffen, verpflichten sich alle anderen militärisch zu helfen. Denn für US Präsident Truman haben die Menschen nur die Wahl: Knechtschaft oder Freiheit, Frieden oder Krieg.

1955: Deutschland in der NATO

Genauer gesagt, die Bundesrepublik Deutschland. Auf der anderen Seite sind die Armeen des Warschauer Vertrages. Die Nationale Volksarmee der DDR wurde 1956 gegründet. Beide Seiten setzen auf das Prinzip Abschreckung, bauen immer mehr Kernwaffen und halten einen Nuklearkrieg für siegreich führbar. Seit 1957 sind amerikanische Atomwaffen auf Raketen der Bundeswehr einsatzbereit.

1968: Neue Strategie

Um einen Angriff aus dem Osten abwehren zu können, setzt die NATO jetzt auf die Strategie der „Flexiblen Reaktion“: Nuklearwaffen und konventionelle Streitkräfte sollen kombiniert zum Einsatz kommen. Das Prinzip der Abschreckung wird gestärkt. Besonders in den 1970er Jahren setzt die nukleare Hochrüstung auf beiden Seiten eine Aufrüstungsspirale sondergleichen in Gang: bei Atomwaffen und bei konventionellen Truppen.

Schlachtfeld Deutschland

Das Rückgrat der NATO in Europa bildet die Bundeswehr mit ihren fast 500.000 Soldaten. Der neue „Leopard“ Panzer soll den Vormarsch der Ost-Armeen verhindern. Nach 1990 werden die detaillierten Angriffspläne von Sowjetarmee und NVA bekannt. Nuklearwaffen hätten ganz Deutschland zerstört.

1979: NATO Doppelbeschluss

Der sollte zweierlei erreichen: Nachrüstung in Form von Pershing II-Raketen und gleichzeitig eine umfassende Rüstungskontrolle. Doch die Verhandlungen mit der Sowjetunion führen erst Ende der 1980er Jahre tatsächlich zu einer vertraglichen Beseitigung der gefährlichen Mittelstreckenraketen. Die Verträge von Gorbatschow und Reagan beseitigen nach 1987 die Atomwaffen weitgehend aus Mitteleuropa.

Die deutsche Friedensbewegung – Historische Aufnahmen

2001: Der Bündnisfall

Der Terroranschlag vom 11. September 2001 löst erstmals in der Geschichte der NATO den Bündnisfall aus. NATO-Truppen greifen danach gemeinsam in Afghanistan ein. Einen Krieg gegen den Irak 2003 unterstützen dagegen einige europäische NATO-Staaten nicht. Darunter Deutschland. Ein Wendepunkt in der Geschichte des Bündnisses, denn nicht der gemeinsam definierte Sicherheitsraum liegt nicht länger mehr nur in Europa.

2009: Russland ist Partner

Die Staatschefs der NATO Staaten feiern den 60. Geburtstag des Bündnisses in Baden-Baden und in Strasbourg. Mit dabei sind mittlerweile auch Mitgliedsländer aus Osteuropa: Polen und die baltischen Staaten. Die Osterweiterung bringt Bewegung ins Gefüge der Weltmächte. Die Mitglieder beschließen den weitgehenden Abzug aus Afghanistan und eine neue Strategie: „Kooperative Sicherheit und Krisenmanagement.“ NATO-Truppen sollen nun auch Hilfe beim Aufbau von Infrastruktur leisten. Angestrebt wird auch die verstärkte Kooperation mit Russland.

SWR2 Archivradio: NATO

28.5.2002 NATO-Russland-Rat gegründet – "Kalter Krieg vorbei"

28.5.2002 | In den 1990er-Jahren haben sich die NATO und Russland immer mehr angenähert. 1997 vereinbarten sie eine engere Partnerschaft. Sie wird noch enger, als beide Seiten Anfang der 2000er-Jahre den islamistischen Terrorismus als immer stärkere gemeinsame Bedrohung wahrnehmen. Nach den Terroranschlägen von 11. September 2001 geht die NATO deshalb einen weiteren Schritt auf Russland zu und vereinbart die Gründung eines NATO-Russland-Rates. Russland solle bei Entscheidungen auf Augenhöhe eingebunden werden.
Am 28. Mai 2002 wird der Vertrag in Rom unterzeichnet. Für Russlands Präsident Wladimir Putin, der erst zwei Jahre im Amt ist, ein großer außenpolitischer Erfolg.
Viele andere Beteiligte äußern die Ansicht, dass damit der Kalte Krieg offiziell besiegelt sei. Sogar über eine künftige EU- oder gar NATO-Mitgliedschaft Russlands wird in diesen Tagen gelegentlich spekuliert.
eporter ist ARD-Korrespondent Gerhard Irmler.  mehr...

27.5.1997 Russland stimmt NATO-Osterweiterung zu

27.5.1997 | Nachdem Russlands Präsident Boris Jelzin sich jahrelang gegen die NATO-Osterweiterung gesperrt hat, wächst das Vertrauen zwischen Russland und dem Westen. 1997 gibt Jelzin den Widerstand auf. Am 27. Mai des Jahres kommt es zur NATO-Russland-Grundakte. Darin verpflichten sich beide Seiten, die Souveränität aller Staaten zu achten. Russland erkennt an, dass es kein Vetorecht gegen die NATO-Mitgliedschaft anderer Länder hat. Die NATO erklärt wiederum, dass sie keinen Anlass und nicht die Absicht habe, in den neuen osteuropäischen Staaten Atomwaffen zu stationieren. Russland bekommt außerdem umfangreiche Wirtschaftshilfen. Auch soll Russland eng in die NATO-Planungen eingebunden werden. Moskau und wird in die Gruppe der führenden Industrieländer – bis dahin G7, ab dann G8 – aufgenommen. Die Stimmung bei der Unterzeichnung in Paris ist gut, und Boris Jelzin tritt mit einem großen Versprechen auf, das über das Vereinbarte hinausgeht. Aus dem Elysee-Palast berichtet damals Cai Rienäcker.  mehr...

5.12.1994 Russland garantiert Souveränität der Ukraine – ist aber gegen NATO-Osterweiterung

5.12.1994 | Nach dem Ende der Sowjetunion sortiert sich Osteuropa neu. Dabei gibt es große Themen zu klären: Das eine sind Atomwaffen. Die Ukraine, Belarus und Kasachstan besitzen welche – noch aus der Zeit, als sie zur Sowjetunion gehörten. Die Ukraine ist Anfang der 1990er Jahre faktisch die drittgrößte Atommacht der Welt. So viele Atomstaaten – das halten viele für gefährlich. Deshalb kommt es zu einem Abkommen: Die drei Ex-Sowjetrepubliken verzichten auf Atomwaffen, unterzeichnen also den Atomwaffensperrvertrag. Im Gegenzug verpflichten sich die anderen Vertragsstaaten, vor allem die USA und Russland, die Souveränität dieser drei Länder zu achten. Dieses Abkommen läuft im Völkerrecht unter dem Namen „Budapester Memorandum“ – denn es wurde auf dem Treffen der damaligen KSZE (Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa, heute: OSZE) im Dezember 1994 vereinbart.
In der Berichterstattung spielt es damals allerdings kaum eine Rolle, denn andere Themen beherrschen die Konferenz sind strittiger: Da ist zum einen der Jugoslawienkrieg, der nur wenige hundert Kilometer von Budapest entfernt, zum anderen die von den USA beabsichtigte NATO-Osterweiterung. US-Präsident Bill Clinton wirbt in Budapest dafür, Helmut Kohl unterstützt ihn. Russlands Präsident Boris Jelzin ist dagegen. Er befürchtet, so erklärt er 5. Dezember in Budapest, dass die Nato-Osterweiterung die Demokratie in Russland gefährde. Reporter ist ARD-Korrespondent Michael Herde.  mehr...

9.5.1955 Die Bundesrepublik tritt der NATO bei

9.5.1955 | Nach dem Zweiten Weltkrieg wuchsen bald die Spannungen zwischen den USA und den westeuropäischen Ländern auf der einen Seite und der Sowjetunion auf der anderen. Mittendrin das zwischen den Siegermächten aufgeteilte Deutschland, aus dem 1949 zwei eigenständige Staaten entstanden, die Bundesrepublik und die DDR. Ereignisse wie die Berlin-Blockade 1948/1949 führten in Westeuropa zu einem verstärkten Gefühl der Bedrohung durch die Sowjetunion und zum Bedürfnis, die militärisch starken USA als dauerhafte Schutzmacht in Anspruch zu nehmen. Dies war die Grundlage für die Gründung der NATO 1949. Anfangs waren es 12 Mitgliedsstaaten. Die Bundesrepublik Deutschland war noch nicht dabei.
Sie tritt erst 9. Mai 1955 der NATO bei – drei Jahre später als die Türkei und Griechenland. Der NATO-Beitritt ist Bestandteil des sogenannten Pariser Verträge, mit denen das Besatzungsstatut in Westdeutschland beendet wurde. Konrad Adenauer unterzeichnet den NATO-Beitritt in Paris anlässlich der Feierlichkeiten zehn Jahre nach der deutschen Kapitulation. Reporter ist Max Schulze-Vorberg.  mehr...

Archivradio-Gespräch Die deutsche Friedensbewegung – Was bleibt vom Pazifismus?

Am 10. Juni 1982 demonstrieren in Bonn eine halbe Million Menschen gegen die NATO. Es ist der Höhepunkt der deutschen Friedensbewegung. Heute ist es ruhiger um sie geworden. Wo stehen deutsche Pazifisten angesichts des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine?  mehr...

SWR2 Wissen: Archivradio SWR2

Warschauer Pakt

15.5.1955 Gründung des Warschauer Pakts

15.5.1955 | Eine Woche nach dem NATO-Beitritt der Bundesrepublik schließen in Warschau die Staaten Osteuropas mit der Sowjetunion ebenfalls ein Bündnis, den "Warschauer Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand", im Westen kurz Warschauer Pakt genannt. Anders als bei der NATO, in der die Mitglieder sich als gleichberechtigte Partner verstanden, war das Kommando des Warschauer Pakts unter Kontrolle der Sowjetunion. Es sorgte auch dafür, dass die einzelnen Staaten kommunistisch und moskautreu blieben.
Der DDR-Rundfunk hebt bei der Vertragsunterzeichnung vor allem hervor, dass der Warschauer Vertrag einen Beitrag zum Frieden in Europa leiste und die beiden deutschen Staaten der Wiedervereinigung einen Schritt näher brächte. Am 15. Mai 1955 kehrt die DDR-Delegation aus Warschau zurück, dabei auch Ministerpräsident Otto Grotewohl. Er hat das Dokument für die DDR unterzeichnet und hält beim Empfang am Berliner Ostbahnhof eine Ansprache.
Bei der folgenden Aufnahme handelt es sich um einen sogenannten Monitor-Mitschnitt, das heißt der in Westberlin angesiedelte Sender Rias hat die Sendung im DDR-Rundfunk aufgenommen und archiviert. | http://swr.li/gruendung-warschauer-pakt  mehr...

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Michael Hänel