Alptraum Adipositas

Die wahren Ursachen von Übergewicht

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AUTOR/IN
Dagmar Stoeckle | Jörg Wolf

Jeder zweite Deutsche ist übergewichtig, jeder fünfte ist sogar betroffen von Adipositas, also krankhafter Fettleibigkeit. „Nur“ dick zu sein ist an sich schon nicht gesund. Doch durch Adipositas erhöht sich die Wahrscheinlichkeit von Folgeerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck, Gelenkerkrankungen, aber auch das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko – und sogar die Wahrscheinlichkeit einer Krebserkrankung. Ein großes Problem dabei: Ab einem Body-Mass-Index von 40 ist die Wahrscheinlichkeit, jemals wieder runter zu kommen von seinem Übergewicht, verschwindend gering. Statistisch gesehen gelingt es maximal einem von fünf Patienten. Der Rest bleibt dick oder entscheidet sich für eine Operation wie einer Magenverkleinerung.

Frauenfüße auf Waage, Anzeige 105 Kilogramm (Foto: SWR)
Gefährliches Übergewicht

Wieso wird man dick?

„Zu wenig Bewegung, zu viel Essen“ lautet schnell die Begründung, wenn man nach den Ursachen für Übergewicht fragt. Das ist zwar nicht falsch, doch es lohnt sich, hier tiefer zu suchen. Denn sowohl mangelnde Bewegung als auch gehaltvolle Mahlzeiten, oder schlicht zu fettes und zuckerhaltiges Essen sind im Grunde das Ergebnis vieler falscher erlernter Angewohnheiten. Der Milchkaffee morgens, mittags Kantinenessen, nachmittags das Stückchen Kuchen, abends gern ein Glas Wein, auf dem Sofa chillen statt sich zu bewegen – all das summiert sich. Am Ende konsumiert man jeden Tag ein Kleinwenig mehr, als man eigentlich sollte.

Die Rechnung ist einfach: Jeder Mensch benötigt durchschnittlich soviel Energie, wie sein Körper an Grundumsatz plus körperlicher Aktivität (Sport, Arbeit) verbraucht. Der Grundumsatz ist die Menge an Energie, die der Körper täglich zur Aufrechterhaltung aller Überlebensfunktionen wie beispielsweise Körpertemperaturregelung, Atmung, Arbeit der Organe sowie die Verdauung braucht. Er ist von den Faktoren Gewicht, Größe, Alter und Geschlecht abhängig.

Konsumiert man pro Tag nur hundert Kalorien zusätzlich, ergibt das 36.500 Kalorien im Jahr. Ein Kilogramm Körperfett besteht rein rechnerisch aus 7.000 Kalorien. Macht rund 5 Kilo Gewichtszunahme im Jahr.

Frau mit Maske zur Messung der Atemgase während körperlicher Betätigung (Foto: SWR)
Ermittlung des Ruheumsatzes mit Hilfe der Spiroergometrie
Frau wird mit Ultraschall am Halsan der Schilddrüse untersucht  (Foto: SWR)
Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse

Suche mit Umwegen

Wer das Übel an der Wurzel packen will, muss sich auf eine zeitintensive Ursachensuche in Sachen Übergewicht einstellen. Die klassische Analyse der Blutwerte reicht oft nicht aus. Eine Ultraschall-Untersuchung der inneren Organe zeigt beispielsweise Veränderungen der Schilddrüse, die auf eine hormonelle Störung hinweisen. Der Ultraschall der inneren Organe verrät, ob man bereits krankhaftes Viszeralfett entwickelt hat, also Fett an den inneren Organen, oder ob eine Fettleber vorliegt. Aufschlussreich kann ein Medikamentencheck sein, denn von der Antibabypille über Antidepressiva und Kortison-Präparate verursachen zahlreiche Medikamente Übergewicht. Sehr häufig unterschätzen Betroffene den Faktor Schlafmangel. Denn schlechter oder zu kurzer Schlaf verhindert einen gesunden Fettstoffwechsel. Als Folge nimmt man zu. Studien zeigen, dass schon bei einem leichten Schlafmangel und sechs Stunden Schlaf pro Nacht die Wahrscheinlichkeit, dauerhaft Übergewicht zu entwickeln, bei 50 % liegt. Hier bringt eine Untersuchung im Schlaflabor Aufklärung.

Auswertung unregelmäßiger Schlafkurve (Foto: SWR)
Unregelmäßiger Schlaf verursacht Übergewicht

Buchtipp:

Hunger, Frust und Schokolade" Über die Bedeutung der Gefühle beim Essen (E-Book, EPUB)

Linktipps:

Genetische Ursachen für Fettleibigkeit

„Warum nehme ich nicht ab?“

„Schlaf beeinflusst Fettleibigkeit, Insulinresistenz und das Risiko von Typ-2-Diabetes.“

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Dagmar Stoeckle | Jörg Wolf