Cluster Der schlimmste Kopfschmerz der Welt

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Die Attacken treten in Intervallen auf, besonders nachts. Was dabei genau im Gehirn passiert ist noch unbekannt. Nur ganz spezielle Therapien machen die Qual erträglich.

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Cluster-Kopfschmerz, Histaminkopfschmerz oder Bing-Horton-Syndrom, oder auch Suicide-Headache (=Selbstmord-Kopfschmerz (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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Die Arzthelferin Doris Kümmel war jahrelang Migränepatientin, vor zwei Jahren hat sie Cluster-Kopfschmerzen bekommen. Seitdem hat sie täglich oft mehr als sieben dieser Attacken und kann praktisch keine Nacht mehr durchschlafen. Dass es solche Schmerzen gibt, hätte sie sich nie vorstellen können.

Wie stark sind die Schmerzen und was hilft?

Bei Clusterattacken fängt das Auge auf der Schmerzseite an zu tränen, die Bindehaut ist gerötet, das Lid hängt, die Nase läuft. Die Patienten können nicht ruhig bleiben, müssen sich bewegen - aber am schlimmsten sind die Schmerzen hinter dem Auge: Auf einer Schmerzskala von null (schmerzfrei) und zehn (schlimmste vorstellbare Folterschmerzen) landet Cluster-Kopfschmerz bei 9 bis 10. Im Vergleich: Migräne liegt bei 5 bis 8 und Spannungskopfschmerz bei 4 bis 5.

Gegen die fast schlagartig einsetzenden Schmerzen inhalieren viele Cluster-Patienten reinen Sauerstoff. Oft helfen auch schnellwirkende Triptan-Nasen-Sprays. Der Wirkstoff Triptan verengt die Blutgefäße.

Was passiert in der Attacke?

In Deutschland leiden etwa 100.000 bis 200.000 Menschen unter dem Extremschmerz. Doch bisher wissen Mediziner nur ungefähr, was bei den viertel- bis halbstündigen Cluster-Attacken im Gehirn vor sich geht. Anscheinend sind ähnliche Areale beteiligt wie bei der Migräne. Ziemlich sicher ist wieder der Hypothalamus beteiligt. Wie bei der Migräne ist auch der Gesichtsnerv Trigeminus aktiviert, es werden massiv Botenstoffe ausgeschüttet und in den schmerzenden Bereichen weiten sich die Gefäße. Eine zentrale Rolle spielt aber wohl das Ganglion sphenopalatinum (SPG), ein Nervenknoten nahe der Nasenwurzel, über den bei Attacken die Schmerzreize laufen. Hier setzt eine neue operative Behandlungsmethode an. Dabei wird eine Sonde als Neurostimulator genau neben dem Nervenknoten im Kiefer implantiert. Bei Anfällen wird diese Sonde per Magnetfeld mit Energie versorgt und legt den Knoten mit leichten Stromimpulsen lahm.

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