Laborleben

Der Alltag der Versuchstiere

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AUTOR/IN
Manuel Gerber

Im Jahr 2016 wurden in Deutschland mehr als zwei Millionen Tiere für Tierversuche verwendet. Mehr als 720.000 wurden zu wissenschaftlichen Zwecken getötet.

Standard im Labor: Mäuse

Die meisten der über zwei Millionen Tiere, die 2016 für Versuche verwendet worden sind, sind Nagetiere. Mäuse haben mit 66 Prozent der eingesetzten Tiere den größten Anteil. Ihre Gene stimmen zu 98 Prozent mit denen des Menschen überein. Sie sind im Unterhalt genügsam und brauchen wenig Platz. Sie werden meist in Plexiglaskäfigen gehalten, die mit gefilterter Luft belüftet werden, um die Keimbelastung und das Erkrankungsrisiko gering zu halten. Laut Gesetz dürfen maximal fünf erwachsene Tiere gemeinsam in einem Käfig gehalten werden. Jeden Tag kontrollieren Tierpfleger die Mäuse. Verhält sich ein Tier untypisch, wird ein Tierarzt dazu geholt. Unabhängig von der Überprüfung der Versuche muss auch die Haltung der Tiere von Amtstierärzten unangemeldet überprüft werden. Laut Gesetz mindestens alle drei Jahre.

Gen-Mäuse

86 Prozent der Mäuse sind genetisch veränderte Zuchten. Sie werden von anderen Unis oder privaten Firmen angekauft. Im Labor züchten die Wissenschaftler Nachkommen für ihre Studien. Die meisten der genetisch veränderten Mäuse werden unter Narkose getötet. Die Forscher entnehmen ihr Gewebe, um daran im Reagenzglas weiter zu forschen. Weil sie genetisch verändert worden sind, dürfen sie nicht ins Freie gelangen und ihre Kadaver müssen verbrannt werden. Das gilt auch, wenn zu viele genetisch veränderte Mäuse für einen Versuch gezüchtet worden sind. Überzählige Mäuse, die nicht genetisch verändert worden sind, können wenigstens noch als Futtertiere an Zoos abgegeben werden.

Das Leben der Affen

Am Wenigsten werden Affen für Versuche verwendet. 2016 waren es genau 2462, deutlich weniger als im Vorjahr. Mit den Affen werden hauptsächlich Versuche in der Hirnforschung gemacht und um Substanzen auf ihre Giftigkeit zu prüfen. Aufgrund der hohen Leidensfähigkeit der Tiere sind die gesetzlichen Auflagen besonders hoch. Die Affen werden in Gruppen gehalten und ständig medizinisch überwacht. Mindestens einmal im Jahr müssen die Amtstierärzte die Haltung der Tiere unangemeldet überprüfen. Versuche finden nur mit so genannten Nichtmenschlichen Primaten statt. Menschenaffen wie Schimpansen wurden in Deutschland zuletzt 1991 für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Seit 2010 sind Versuche mit Menschenaffen EU-weit verboten. Ausnahmen sind die Bekämpfung von Seuchen und Experimente, um die Art zu erhalten.

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Manuel Gerber