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Die Art und Weise wie unsere Vorfahren ihr Leben gelebt haben, beeinflusst uns bis heute. Vielen Menschen ist es deshalb ein Bedürfnis, in ihrer Familiengeschichte auf Spurensuche zu gehen.

Vom 18. bis zum 20. Jahrhundert sind schätzungsweise sieben Millionen Deutsche nach Amerika, in die heutigen USA, ausgewandert. Ganz genau weiß niemand, wie viele es waren. Unstrittig ist hingegen: die Deutschen haben das Land jenseits des Atlantik stark geprägt. Sie gründeten Städte, dienten beispielsweise im Bürgerkrieg im Militär, stellten in einigen Regionen – beispielsweise im Mittleren Westen – die Mehrzahl der Bevölkerung.

Heute hat fast jede zehnte Amerikaner deutsche Wurzeln: 50 Millionen Menschen. In einigen Familien ist noch bekannt, woher die Vorfahren einst kamen und wann sie ausgewandert sind. In anderen ist dieses Wissen verschüttet. Doch immer mehr US Bürger begeben sich auf Spurensuche und wollen herausfinden, wer ihre Vorfahren waren.

Ahnenforschung – ein beliebtestes Hobby

Viele Amerikaner kommen sogar nach Deutschland, um hier zu erleben, wie ihre Vorfahren einmal gelebt haben. Einige Reiseveranstalter haben sich auf solche Reisen spezialisiert, in Deutschland und in den USA. Im Herbst 2013 reisen vierzehn US Bürger durch Rheinland – Pfalz und Nordrhein – Westfalen, um nach ihren Wurzeln zu suchen. Eine von ihnen, die siebzigjährige Sherry Danielsen, recherchiert bereits seit zehn Jahren ihre Familiengeschichte. Gleich mehrere ihrer Vorfahren kamen aus Deutschland. Wie Millionen andere verließen sie Deutschland, weil sie in ihrer Heimat kein Auskommen fanden. Insbesondere im 18. Jahrhundert hungerten viele Menschen hierzulande; es gab häufig Missernten, dazu viele Kriege der Kleinstaaten untereinander und mit dem benachbarten Frankreich.

Das Internet macht vieles einfacher

Seit es das Internet gibt, ist die genealogische Forschung um vieles einfacher geworden. Museen in Deutschland bemühen sich beispielsweise, die Passagierlisten der Auswandererschiffe zu digitalisieren. Ganze stadtgeschichtliche Museen stellen ihre Bestände online. Meist beginnt die Spurensuche also im Internet – so auch die von Sherry Danielsen. Sie spürte in Amerika zahlreiche Verwandte auf, die wie sie von deutschen „Maurers“ und „Knapps“ abstammen. Doch erst in Deutschland wurde ihr klar, dass es auch hier Nachkommen dieser Familien gibt. Über alte Kirchenbücher, Friedhofsunterlagen und Telefonbücher hat sie versucht, diese zu finden – und schließlich eine Spur aufgenommen, die sie zu einem Biohof in der Nähe von Kaiserslautern führt.

Zudem hat sie sich in Deutschland mit vielen Historikern und Heimatforschern getroffen, um zu verstehen, wie das Leben in Deutschland einst war. Denn wie die meisten Ahnenforscher möchte sie nicht nur wissen, wann und wo ihre Vorfahren lebten – sondern auch verstehen, wer diese Menschen waren, wie sie lebten und warum sie ihre Heimat verlassen haben.

Das Highlight: Ein Treffen mit deutschen Verwandten

Sherry Danielsen trifft die Familie Maurer, die ihrerseits sehr viele Unterlagen zur Familiengeschichte aufbewahrt haben. Die gemeinsame Vorfahrin, Katharina, lebte vor fast 200 Jahren. Einer ihrer Söhne, Heinrich, wanderte nach Amerika aus, während seine Brüder in Deutschland blieben. Eine Zeitlang schreiben sich die Familienmitglieder noch Briefe, irgendwann riss der Kontakt ab. Genau so ist es fast immer gewesen.

Sherry Danielsen ist glücklich, die Maurers gefunden zu haben. Die deutschen Verwandten sehen genau so aus wie einige amerikanische Vettern, staunt sie. Doch so viel Glück wie sie ist nur wenigen Ahnenforschern beschieden. Oft verlieren sich die Spuren der deutschen Vorfahren im Dunkel der Geschichte: weil in den amerikanischen Familien zu wenig Rechercheansatzpunkte überliefert sind oder weil in Deutschland im Laufe der Jahrhunderte viele Unterlagen zerstört oder verschollen sind.

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