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Was der Boden braucht

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AUTOR/IN
Jörg Wolf

Ohne fruchtbaren Humus kann der Bauer einpacken. Trotzdem gehen viele Bauern schlecht mit dem Ackerboden um und das hat Folgen.

Der Stoff von dem wir leben

Auch wenn wir meist nur ahnungslos über ihn hinweggehen und ihn als „Dreck“ bezeichnen – wir leben von ihm. Der Boden gehört neben Luft und Wasser zu unseren zentralen Lebensressourcen. Aus ihm entnehmen alle Pflanzen – auch unsere Nutzpflanzen – die Nährstoffe für ihr Wachstum. Ohne Boden keine Bäume, kein Weizen, kein Mais, kein Gemüse. Natürlich kann man Tomaten auch in modernen Gewächshäusern auf Watte, am Tropf von künstlichen Nährlösungen wachsen lassen. Aber sieben und bald zehn Milliarden Menschen lassen sich so nicht ernähren. Es lohnt sich also darüber nachzudenken, wie wir diesen lebenswichtigen Stoff erhalten können, denn er wird durch die industrielle Landwirtschaft, Erosion und Flächenversieglung bedroht.

Lebendiger Boden ist keine Selbstverständlichkeit

Boden ist nicht einfach irgendein Pulver, sondern er hat eine aufwendige Hohlraumstruktur, die in Jahrtausenden entstanden ist. Dort findet der Stoffwechsel mit Pflanzen und Lebewesen statt. Eine Hand voll Erde enthält je nach Standort mehr Lebewesen als es Menschen auf der Erde gibt. Würmer, Käfer, Spinnentiere, Pilze, Algen, Bakterien, Einzeller – sie leben vom Boden und sind auf der anderen Seite ganz wesentlich für seine Eigenschaften verantwortlich. Zum Beispiel setzen sie aus organischen Abfällen wie Laub und Mist wieder die Nährstoffe frei, die die Pflanzen für Ihr Wachstum benötigen. Aber dieser Kreislauf funktioniert nur, wenn nach dem Abernten der Pflanzen die verlorenen Nährstoffe im Boden anschließend wieder ersetzt werden. Die Rede ist von Pflanzenresten oder tierischen und menschlichen Ausscheidungen, die am Ende der Nahrungskette anfallen und wieder in den Kreislauf der Nährstoffe, also in den Boden eingebracht werden müssen. Dort dienen sie den Bodenlebewesen als Nahrung und durch deren Stoffwechsel werden die Nährstoffe wie Phosphor, Kalium oder Stickstoff wieder für die Pflanzen im Boden verfügbar.

Wenn der Nährstoffkreislauf unterbrochen wird

Durch die Rationalisierung in der industriellen Landwirtschaft wird die Pflanzen- und Viehwirtschaft in der Regel voneinander getrennt. Die meisten Bauern haben deshalb neben ihren Feldern kein eigenes Vieh mehr. Viele Äcker können deshalb nicht ausreichend mit tierischen Ausscheidungen gedüngt werden, weil Tiermast und Milchproduktion zum Großteil in Massentierställen an ganz anderen Orten stattfinden. Das verursacht zwei Probleme: Einerseits entsteht nun ein Mangel an organischen Bodennährstoffen in den Regionen, die überwiegend durch Pflanzenwirtschaft geprägt sind und andererseits ein Überschuss an Gülle und Mist an den Orten, wo man sich auf die Massentierhaltung spezialisiert hat. Der Überschuss an Gülle und Mist, der hier anfällt, wird oft nur vor Ort auf den Äckern ausgebracht, die für die riesigen Mengen an Nährstoffen eigentlich zu klein sind. Die Folge ist eine Überdüngung der Böden. Die Nährstoffüberschüsse, die von den Pflanzen nicht genutzt werden können, gelangen dabei als Nitrat in unser Grundwasser.

Segen und Fluch der Kunstdünger

Dort wo es dagegen an organischen Düngern mangelt, versucht man die Lücke durch industriell hergestellte Kunstdünger wie Stickstoff, Phosphor und Kali zu schließen. Und tatsächlich sprechen die Pflanzen auf diese Nährstoffe gut an und wachsen hervorragend. Dennoch hat eine rein künstliche Nährstoffzufuhr viele Nachteile für den Boden und seine Lebewesen, denn die mineralischen Nährstoffe können von den Bodenlebewesen nicht als Nahrung genutzt werden. Sie sind auf organische Abfälle angewiesen und verlassen deshalb den Acker, wenn diese Nahrung ausbleibt. Der Humusgehalt des Bodens geht allmählich zurück und damit auch die natürliche Fruchtbarkeit des Bodens, die unabhängig von Kunstdüngern ist. Rein äußerlich wird die Veränderung dadurch sichtbar, dass der Boden pulvriger wird und seine grobe Oberfläche verliert, durch die er gerade bei starken Regenfällen besonders gut und schnell das Wasser aufnehmen kann. Rein mineralisch gedüngter Boden ist deshalb auch durch Regenerosion gefährdet.

Was wir brauchen

Um die Qualität eines Bodens zu erhalten braucht es also mehr als eine regelmäßige, künstliche Nährstoffspritze. Es geht darum, den Nährstoffkreislauf wieder so gut wie möglich zu schließen, damit keine Überschüsse ins Grund- und Oberflächenwasser gelangen, sondern die Nährstoffe aus tierischen und menschlichen Ausscheidungen wieder zurück in den Boden kommen. Das reduziert den Verbrauch an mineralischen Düngern, spart Energie, schont das Grundwasser und erhält langfristig die natürliche Fruchtbarkeit der Äcker, die letztlich das Kapital der Landwirte sind. Nur wenn nicht die Erntemaximierung allein im Mittelpunkt steht, sondern gleichzeitig der Erhalt der natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser, können wir unsere Nahrungsgrundlage langfristig sichern.
Außerdem werden langfristig große Anstrengungen erforderlich, um die Nährstoffe aus unseren Toiletten ebenfalls wieder für die Böden zu recyceln.

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Jörg Wolf