Transportdrohnen

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Wird der Traum individueller Paketsendung aus der Luft Wirklichkeit? Technisch gesehen könnte es bald losgehen.

Der LKW-Hersteller Mercedes-Benz Vans hat dafür 2016 sein erstes Konzeptfahrzeug vorgestellt: der „VisionVan“ kombiniert LKW mit Drohne. DHL Deutsche Post hatte im Frühjahr erfolgreich einen Liefertest in Bayern abgeschlossen. Und Forscher der Dualen Hochschule Baden-Württemberg sind überzeugt, dass schon 2017 erste Transportdrohnen ihrer Partner einsatzfähig sein könnten.

Fliegende Transporter

Für dünnbesiedelte Regionen und Inselstaaten wären Lieferdrohnen eine günstige Alternative zum Helikopter: rund um die Uhr autonom flugfähig – bei jedem Wetter. Einsatzchancen sieht Prof. Wolf Burger von der Dualen Hochschule Baden Württemberg DHBW beim Abwurf von Hilfsgütern. Sein Partner Aerospace Technologies arbeitet mit dem Drohnenbauer German Composite zusammen, um in Zukunft Hilfsgüter für Noteinsätze zu liefern, Blutkonserven von einem Krankenhausdach zum andern zu fliegen, oder bei der Seerettung zu helfen.

In China und Afrika werden Lastdrohnen zur Belieferung heute schon eingesetzt. Der Logistikkonzern DHL hat seine Paketkopter seit 2013 erst zu Empfängern auf die Nordseeinsel Juist zuletzt zum bayerischen in Reit im Winkl geschickt.

Aber in Deutschland machen weniger Versorgungslücken sondern das Lieferchaos in den Ballungszentren Probleme. 30 Prozent mehr Pakete erwarten Wirtschaftsexperten auch im kommenden Jahr. Dabei kämpfen Kommunen mit dem wachsenden Lieferverkehr, mit Lärm, Feinstaub und Stickoxiden.

Teuer und ineffizient – die letzte Meile

Beim Fraunhofer Institut für Arbeit und Organisation (IAO) in Stuttgart entwickelt Steffen Raiber im Projekt Logspace neue Konzepte für den Transport zum Kunden.
Heute macht die letzte Meile gute 40 Prozent der Kosten für Logistiker aus. Die Anfahrt vieler kleiner Liefermengen ist ineffizient: Zusteller finden keine Parkplätze, behindern den Verkehr und haben lange Fußwege. Fazit der Studie: Weder die von der Stadt Stuttgart vorgegebenen Lieferzeiträume noch die Stellplätze reichen für den Warenverkehr aus.

Alternative Zustellkonzepte

Um die Auslieferung zu optimieren hat das Fraunhofer IAO zentrale Logistikhotspots ermittelt: von hier aus könnten viele Kunden rasch erreicht werden. Frühmorgens liefert ein LKW die Pakete im Container an und stellt ihn ab. Von hier aus werden per Sackkarre verteilt oder mit der elektrischen Lastradflotte von Velocarrier. Steffen Raiber setzt auf unterschiedliche Liefersysteme in der Zukunft, auch Transportroboter. Mit fliegenden Drohnen rechnet er zunächst nicht.

Dabei hat Mercedes-Benz Vans erste Fahrzeugstudien vorgestellt, die Lieferwagen mit Drohnen kombiniert. Der Vision Van soll auf der letzten Meile Effizienzgewinne einfahren, dank intelligenter Assistenz-Systeme bei der Be- und Entladung. Der Zusteller klingelt an der Türe eines Kunden, während zeitgleich die Lieferdrohne autonom vom Wagendach losfliegt, um andere zu beliefern. In die Luftpost investiert der Fahrzeugkonzern. Und hat sich mit dem US Drohnenhersteller Matternet einen Logistik Spezialisten an die Seite geholt.

Die Logistik 4.0 und Visionen der Tüftler

Konkurrenz und Konsumveränderung erzwingen immer kürzere Lieferfristen: Von der Lieferung am Tag der Bestellung hin zur Auslieferung in derselben Stunde. In den USA bieten Onlinehändler schon die umgehende Anlieferung, „instant delivery“. Der stationäre Handel sieht im Lieferservice mit eigenen autonomen Flotten eine Chance zur Kundenbindung. Auch aus Imagegründen werden sich smarte emissionsfreie Lösungen in der Stadt durchsetzen, meint Steffen Raiber vom Fraunhofer IAO. Fliegende Drohnen sieht er im ländlichen Raum. Anders die Entwickler von Mercedes-Benz Vans, die innerstädtisch sowohl Transportroboter am Boden, wie auch in der Luft für denkbar halten.

Was kommt auf uns zu?

Paketdrohnen bleiben in Deutschland dennoch am Boden: bis rechtliche Neuregelungen einen sicheren Luftraum-Korridor für die fliegenden Postboten schafft. Die Überwachungstechnologie für Drohnen, die Unfälle mit autonomen Fluggeräten verhindert, wird die Deutschen Flugsicherung 2017 erproben. Bis dahin benötigt jeder Flug eine Sondergenehmigung.

Wann unsere Bestellung aus der Luft anfliegen könnte, bleibt weiter offen.

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