Comic

Wie gut hilft Sport bei Volkskrankheiten?

STAND
AUTOR/IN
Sophie König

Ein bis zu zehn Punkte niedrigerer Blutdruck, kein Insulin mehr bei Diabetes Typ II, ein bis zu 20 Prozent stärkeres Herz - Bewegung als Therapie wird vieles nachgesagt. Was stimmt, was nicht?

Diabetes Typ II wegtrainieren?

Bewegung macht unsere Muskelzellen zu echten Verbrennungsmotoren. Sie brauchen so viel Energie - also Zucker - dass ihr Vorrat schnell aufgebraucht ist. Also holen sie sich Zucker- Nachschub - und zwar aus dem Blut. Der Blutzuckerwert sinkt somit automatisch. Normalerweise sorgt das Hormon Insulin dafür, dass die Zellen genügend Zucker aus dem Blut aufnehmen. Diabetikern fehlt aber Insulin, sie müssen es deshalb spritzen. Wer das vermeiden möchte, sollte besonders viel trainieren! Muskeltraining senkt den Blutzuckerwert um rund 0,5 Prozent. Ausdauertraining schafft rund 0,7 Prozent. Der positive Effekt von Muskeltraining auf den Glukosestoffwechsel hält aber nach wissenschaftlichen Erkenntnissen höchstens 48 Stunden an. Diabetiker sollten deshalb nicht länger als zwei Tage Trainingspause einlegen. Allerdings hängt das auch von der Ausgangsfitness ab - wer regelmäßig und intensiv trainiert, kann eher mal ein verlängertes Wochenende mit dem Sport aussetzen als jemand Untrainiertes.

Bewegung als Blutdrucksenker?

Immer wieder kursieren Zahlen, wonach ausreichend Bewegung den Blutdruck um bis zu 10mmHg senken kann. Das ist leider zu optimistisch, wie große Übersichtsstudien zeigen. Zwar sind bei über 20.000 untersuchten Patienten auch mal einzelne Streuwerte mit bis zu 10mmHg dabei - der Mittelwert liegt aber bei rund vier Punkten, um die der Blutdruck durch Bewegung sinkt. Ein Medikament schafft mehr! Am bestens aber ist eine Kombination aus beidem, denn Bewegung hilft bei Bluthochdruck auf langfristige Weise: bewegen wir uns, steigt der Blutdruck zwar erst einmal, weil die Blutgefäße ganz schön gefordert sind. Aber sie gewöhnen sich an die Belastung und bleiben so elastisch. Die Blutgefäße werden durchgepustet und die Arterien verstopfen nicht so schnell. Interessant: je höher der Ausgangsblutdruck, desto mehr kann er mit Sport gesenkt werden.

Bessere Herzfunktion

Wer regelmäßig trainiert, kann sein Risiko, an einem Herz-Kreislauf Leiden zu erkranken, um bis zu 40 Prozent senken. Die Werte sind auch abhängig von Alter und Gewicht - Alter schützt aber vor Bewegung nicht! Selbst nach einem Herzinfarkt ist das Training gut: die Überlebenschancen steigen, es gibt weniger plötzliche Todesfälle als unter nicht Trainierten Infarkt-Patienten. Denn: Bewegung steigert die Herzfunktion um bis zu 20 Prozent! Das Herz pumpt mehr Blut durch den Körper und liefert so mehr Sauerstoff an die Organe. Die Durchblutung der Herzarterien verbessert sich, außerdem trainiert die Bewegung die Beinmuskulatur und entlastet so den Herzmuskel. Am besten sind kontinuierliche, rhythmische Bewegungen sind besonders gut. Langlaufen, Nordic Walking, Joggen oder Wandern zum Beispiel. Der Belastungspuls sollte dabei zwischen 110 und 140 liegen. Zu hohe Belastungsspitzen sind dagegen kontraproduktiv, Tennis oder Schwimmen zum Beispiel sind deshalb als Sportart nicht geeignet. Der Wasserdruck verlagert den gesamten Blutfluss von den Beinen in den Oberkörper - und somit aufs Herz. Das Herz wird überlastet!

Dichtere Knochen?

Medikamente erhöhen die Knochendichte rund doppelt so hoch wie ausreichend Bewegung. Das sollte aber kein Freifahrtsschein für Osteoporose-Patienten sein! Denn auch hier ist ausreichend Bewegung trotzdem hilfreich: kein Medikament kann nämlich den Gleichgewichtssinn und die Koordination schulen - und somit, Stürze zu vermeiden. Das ist für Osteoporose-Patienten aber am wichtigsten. Denn im Fall der Fälle hilft ihnen die Fähigkeit, sich entsprechend fallen zu lassen oder abzufangen mehr als eine medikamentös erreichte minimal höhere Knochendichte. Im Grunde gibt es also fast keine Ausrede, keinen Sport zu treiben. Gerade erkrankte Menschen sollten das aber nicht auf eigene Faust tun. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Sportmediziner!

STAND
AUTOR/IN
Sophie König