Regionale Ernährung

Kann regionale Ernährung funktionieren? (Teil 2)

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AUTOR/IN
Monika Kovacsics

76 Prozent der Bundesbürger wünschen sich Lebensmittel aus ihrer Region. Doch die wenigsten handeln bislang konsequent danach.

Lebensmittel aus der Region – mehr als ein Ernährungsstil

Für Mitglieder der Bewegung „Slow Food“ haben saisonale und regionale Produkte oberste Priorität. Der Hamburger Sebastian Wenzel ist einer von ihnen. Lebensmittel einkaufen ist für ihn mehr, als der Gang in den Supermarkt. Er möchte wissen, wo seine Lebensmittel herkommen und wie sie hergestellt sind. Deshalb kauft er vorwiegend bei Direktvermarktern ein; also auf Wochenmärkten oder in Hofläden. Das bietet ihm Gelegenheit zur Diskussion mit dem Bauern, zum Beispiel über das Saatgut und die Anbaumethoden. Aber mehr als 15 Autominuten sollten Hofladen und Produzenten nicht entfernt sein. Aus Gründen des Umweltschutzes. Zwar steht bei Slow Food Geschmack und Genuss an erster Stelle. Aber Sebastian Wenzel legt auch großen Wert auf kurze Wege, damit der CO2-Ausstoss niedrig bleibt: „Der Umweltaspekt ist deswegen so wichtig, weil ich der festen Überzeugung bin, dass wir das Zwei-Grad-Ziel einhalten müssen und das werden wir nur machen können, wenn wir unsere Lebensweise in eine Richtung verändern, dass wir uns regional ernähren und deutlich regionaler aufstellen.“

Regionale Produkte vor der Haustür

Auch bei Fleisch hält es Wenzel so, dass er die Schweine- und Rinderzüchter in der Umgebung von Hamburg aufsucht. Dort sieht er selbst, wie die Tiere gehalten werden und was sie zu fressen kriegen. Direkt vom Tierhalter erfährt er auch, wann und wo die Tiere geschlachtet werden. So kann Wenzel ein Viertel Rind oder ein halbes Schwein bestellen. Das zerlegt ihm dann der Schlachter in portionsgroße, eingeschweißte Stücke. Rumpsteak und Filet sind allerdings selten dabei. Denn diese Edelteile machen nur 20 Prozent eines Tieres aus und sind auch wesentlich teurer. Für Wenzel kein Problem. Die Edelteile genießt er ohnehin nur an Fest- und Feiertagen. Er weiß, wie man auch die weniger gefragten Teile der Tiere, wie zum Beispiel eine Beinscheibe, lecker zubereitet. So kommen bei ihm zwei, höchsten dreimal pro Woche leckere Fleischgerichte auf den Tisch. Das Gemüse dazu wächst bei Sebastian Wenzel auch im eigenen Garten. Statt Rasen und Rosen pflanzt er vor dem Haus Erbsen, Bohnen, Kohl und Salat. Sein „Naschgarten“ ist für alle Passanten offen, einen Zaun gibt es nicht. Damit auch Passanten erfahren, welche Gemüse gerade Saison haben und direkt zugreifen können.

Vorratshaltung und Verzicht

Sebastian Wenzel ist überzeugt, dass seine Lebensweise nicht nur mehr Genuss bringt: „Mit der regionalen Ernährung ernährt man sich viel gesünder, man hat keine Chemie mehr im Essen, man hat saisonale Gemüse und Gemüsesorten, allerdings hat man auch eine vollständig andere Vorratshaltung.“ In seinem Tiefkühlschrank ist Platz für die Rekordernte der Bohnen und Erbsen aus dem Garten. Hier lagern auch die eingeschweißten Fleischteile direkt vom Metzger. Wenzel betrachtet seinen Ernährungsstil nicht als zeitraubend. Im Gegenteil. Er bringt ihm sogar Zeitersparnis. Beim Fleischkauf zum Beispiel geht er ein zwei Mal pro Jahr zum Züchter und braucht dann den Rest des Jahres nie wieder zum Fleischkauf in den Supermarkt.

Ist bei so viel Konsequenz nicht auch Verzicht angesagt? Manche substanziellen Dinge gibt es nicht aus der Region, zum Beispiel Sahne, weiß Wenzel. Dann macht er ein Zugeständnis und greift zur Sahne, die vielleicht aus Bayern kommt. Aber mindestens Bio-Sahne muss es dann schon sein. Auch bei Genusslebensmitteln wie Kaffee, Tee oder Schokolade, die von weit herkommen. Wenn er dazu greift, achtet er darauf, dass sie wenigstens Bio-Qualität haben, fair gehandelt oder fair transportiert sind, zum Beispiel Kaffee, der mit dem Segelschiff ohne Schadstoff- Emission transportiert wurde.

Ist Regionale Ernährung teurer?

Vielleicht auf den ersten Blick, meint Wenzel: „Aber die Frage ist, welche Kosten man in die Ernährung mit einpreist. Wenn man die Kosten der Umweltverschmutzung mit einberechnen würde, die durch Transport entstehen, wären regionale Lebensmittel sehr viel günstiger. Wenn man das nicht tut, dann ist das vielleicht auch mal teurer, es ist aber sehr unterschiedlich und stark von der Saison abhängig. Gemüse in der passenden Saison ist in allen Anbietungsformen sehr günstig und Gemüse, das außerhalb der Saison, in Spanien oder Südamerika angebaut wird hat natürlich deutlich höhere Kosten.“

Der Ernährungsstil von Sebastian Wenzel erfordert vielleicht mehr Zeit. Und die kann sich nicht jeder leisten. Vor allem erfordert er auch viel Kenntnis, Sachverstand und Wissen. Aber generell ist im Alltag viel mehr regionale Ernährung möglich, als allgemeinhin praktiziert wird.

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Monika Kovacsics