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Gesundheitsfreaks, Tausendsassas, Influencer - der Biohacking Trend hat immer mehr Follower. Doch wie ernst sind die Aussagen der Vorreiter zu nehmen? Was sagen Wissenschaftler dazu?

Was turnt besser? Drogen oder ein gesundes Leben mit Sport, Meditation und ausgeklügeltem Speiseplan? Letzteres sagt Max Gotzler, Biohacker, Buchautor und Influencer. Und das auch noch ohne Kater. Der ehemalige Profi-Basketballer erreicht ca. 100.000 Follower über Instagram und Co und hat auch viel zu sagen. Sein Ziel ist es, die Welt der Gesundheit zu modernisieren und potenzielle Patienten zu selbstverantwortlichen Biohackern zu coachen.

Seine täglichen Biohacks gehen u. a. von Atem-, über Selbstvermessungs-, bis hin zu Ernährungsberatung. Wenn möglich begründet er seine Aussagen mit wissenschaftlichen Studien. Wichtig für ihn, dass die Leute über’s Ausprobieren und Selbstvermessung herausfinden, was ihnen ganz persönlich wirklich guttut.

Follower stehen auf Laptop und halten die Daumen hoch (Foto: SWR, SWR-Eigendreh)
Max Gotzler erreicht 100.000 Follower SWR-Eigendreh

Strukturierte Tage

Doch nicht nur intensiver Sport und Spezialernährung spielen im Leben des Biohackers eine wichtige Rolle. Vor allem Routinen und strukturierte Tage sollen dazu dienen, das Gehirn zu entspannen. Morgens, wenn Gotzler aufsteht, verfolgt er immer wieder dieselben Rituale: Meditation, leichter Sport, erst trinkt er Wasser und dann Bullet-Proof Coffee, ein Spezial-Kaffee mit Butter, der den Hunger drosseln soll.

Danach checkt Gotzler via Handy-App die Qualität seines Schlafs. Gefallen ihm die Werte nicht, reagiert er mit längerer Meditation. Neurowissenschaftler bestätigen, dass wiederkehrende Tätigkeiten und Rituale dazu beitragen, Gehirnwellen zu verlangsamen. Dadurch beruhigen sich Körper und Geist.

Handy Display mit Schlaffaktoren (Foto: SWR, SWR-Eigendreh)
Selbstvermessung: Sleeptracker checken SWR-Eigendreh

FLOW durch körpereigene Drogen

Neben Gesundheit und aufgeräumter Psyche haben Biohacker ein ganz großes Ziel: Extase durch körpereigene Drogen. FLOW ist der wissenschaftlich definierte Zustand, um den sich alles dreht. Der Urheber des Begriffs, der Psychologe Mihály Csíkszentmihályi, beschreibt diesen Moment als optimale Erfahrung im Spannungsfeld von Langeweile und Angst.

Hirnforscher bestätigen, dass in diesem Bewusstseinszustand tatsächlich körpereigene Drogen in Form von Neurotransmittern wie zum Beispiel Dopamin und Serotonin ausgeschüttet werden. Man muss dafür zwar viel Zeit investieren u. a. mit Sport, gesunder Ernährung und wiederkehrenden Routinen. Das Gute daran sei aber, dass der Kater nach dem extatischen Hochgefühl ausbleibt.

Max Gotzler geht’s gut im Sauerstoffzelt (Foto: SWR, SWR-Eigendreh)
High durch körpereigene Drogen SWR-Eigendreh

Ketogene Ernährung

Kritiker warnen allerdings davor, Biohacker wie Gurus zu betrachten. Man müsse immer schauen, was andere Wissenschaftler zu den Empfehlungen und Tipps sagen. Max Gotzler empfiehlt seinen Lesern zum Beispiel ketogene Ernährung. Dabei geht es um Moleküle, die in der Leber aus Fettsäuren gebildet werden. Dazu empfiehlt Gotzler die Einnahme von gesunden Fetten und hochwertigen Ölen.

Doch was ist mit den relevanten Kalorien? Der Endokrinologe und Diabetologe Prof. Martin Stephan vom Westdeutschen Diabetes-Zentrum pflichtet Gotzler bei. Er sagt, Ernährung in Kalorien umzurechnen führe nicht zum Erfolg, wenn man zum Beispiel abnehmen möchte. Er betont die Notwendigkeit, Kohlenhydrate wegzulassen, denn dann würde weniger Insulin ausgeschüttet. Insulin ist für ihn der wahre Dickmacher der Nation.

Endokrinologe Prof. Stephan Martin im Interview (Foto: SWR, SWR-Eigendreh)
Endokrinologe Prof. Stephan Martin SWR-Eigendreh

Linktipps:

Vortrag Prof. Stephan Martin zum Thema „Die Fettlüge“

Information zu Neurotransmittern, so genannten Glückshormonen

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