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Mit dem neuen Mobilfunkstandard 5G flammen die Diskussionen über Gefahren durch Elektrosmog wieder auf. Bisherige Studien können allerdings keine eindeutigen Gesundheitsgefahren nachweisen.

Bessere Informationen über Strahlenschutz geplant

Die Bundesregierung will die Bürger besser über Fragen rund um den Strahlenschutz informieren. Dazu richtet das Bundesamt für Strahlenschutz ein neues Kompetenzzentrum in Cottbus ein. Die Bundesregierung hatte angekündigt, so Vorbehalte gegen neue Funkmasten in der Bevölkerung zerstreuen zu wollen. Bisher seien - bei Einhaltung der Grenzwerte - keine gesundheitsschädigenden Auswirkungen durch elektromagnetische Felder wissenschaftlich belegt.

5G-Gegner schlagen Alarm

Peter Hensinger von der mobilfunkkritischen Organisation „Diagnose Funk“ aus Stuttgart hat kein Handy. Das sei eine Superwanze zur Überwachung, sagt er, und obendrein mit viel zu großem ökologischem Fußabdruck. Und natürlich schädlich für die Gesundheit. Denn das Smart Phone sendet direkt am Kopf.

Und längst hätten Studien gezeigt, dass über den Umweg über die sogenannten freien Radikale auch das Erbgut im Gewebe geschädigt werden könne. Krebsgefahr inklusive. Auch Tierversuche – jüngst die amerikanische NTP-Studie mit Ratten – hätten die Krebsgefahr bestätigt. Und insgesamt lägen für die neue Technologie noch nicht genügend Studien für eine Gefahrenbewertung vor.

Mobilfunkgegner schlagen Alarm. Der neue Mobilfunkstandard 5G berge große Gefahren. Strahlenforscher bezweifeln das. (Foto: Imago, imago images / Christian Ohde)
Mobilfunkgegner schlagen Alarm. Der neue Mobilfunkstandard 5G berge große Gefahren. Strahlenforscher bezweifeln das. Imago imago images / Christian Ohde

Bundesamt für Strahlenschutz widerspricht


Dem widerspricht das Bundesamt für Strahlenschutz in seinem Internetangebot entschieden. Vor allem in den ersten Jahren unterschieden sich die für 5G genutzten Frequenzbereiche physikalisch nicht von den Frequenzen, auf denen auch schon UMTS oder LTE-Signale gesendet wurden.

Erkenntnisse aus Studien, in denen mögliche Gesundheitswirkungen elektromagnetischer Felder des Mobilfunks untersucht worden seien, könnten daher zu einem großen Teil auf 5G übertragen werden. Innerhalb der gültigen Grenzwerte für Mobilfunksendeanlagen und bei Einhaltung der im Rahmen der Produktsicherheit an Mobiltelefone gestellten Anforderungen gebe es demnach keine bestätigten Belege für eine schädigende Wirkung des Mobilfunks.   

Auch Schweizer Epidemiologe gibt Entwarnung

Prof. Martin Röösli ist Umweltepidemiologe und hat sich auf das Gebiet der elektromagnetischen Felder spezialisiert. Er gilt hier international als Experte. Der Befürchtung der Mobilfunkgegner, durch die höhere Anzahl der Sendemasten bei 5G steige die Strahlenbelastung an, tritt er klar entgegen:

Es ist genau umgekehrt. Weil die Smart-Phones bessere Verbindung zu den Sendemasten finden, müssen sie nicht so stark strahlen. Dadurch sinkt die Belastung.

Prof. Martin Röösli, Umweltepidemiologe
Prof. Röösli (links) sieht Studien zu höheren Krebsraten durch obilfunk eher kritisch (Foto: SWR, SWR)
Prof. Röösli (links) hält Studienergebnisse nicht für besorgniserregend. SWR

Auch die angeblich eindeutig kritischen Ergebnisse einschlägiger Tierversuche relativiert er. In einer wichtigen Studie sei die Bestrahlung deutlich höher gewesen als die zu erwartende Belastung durch 5G für die Menschen. In der „NTP-Studie“ entwickelten bestrahlte männliche Ratten zwar Krebs. Allerdings eine Art, die bei Menschen praktisch nicht vorkomme. Außerdem hätten die bestrahlten Ratten dennoch länger überlebt als die unbestrahlten.

RWTH-Forscherin zu widersprüchlichen Ergebnissen in Studien


Sarah Drießen leitet an der Uniklinik in Aachen das Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit (femu). 20.000 Studien zum Problemfeld Elektrosmog lagern hier. Ein großer Teil ausgewertet und zu Übersichtsstudien zusammengefasst. Sie meint, für Laien sei es schwierig, zu verstehen, warum die meisten Wissenschaftler beim Thema Gefahr durch 5G generell Entwarnung geben, obwohl in einzelnen Studien offenbar Hinweise auf diese Gefahr gezeigt worden seien.

Dr. Sarah Drießen ist Expertin in Bezug auf Strahlenbelatung durch 5G-Mobilfunk  (Foto: SWR, SWR)
Die Forscherin Dr. Sarah Drießen von der Uniklinik Aachen kennt alle wichtigen Studien zur Strahlenbelastung durch Mobilfunk. Ihr Fazit: Es ist keine Gesundheitsgefahr nachweisbar. SWR

Sarah Drießen erklärt:

Es ist immer so, dass man zu einem bestimmten Endpunkt – beispielsweise Krebs – sich wirklich alle Studien anschauen muss. Ich muss auch die Qualität berücksichtigen. Und da kann ich eben in der Gesamtschau sagen: es ist keine Gesundheitsgefahr nachweisbar.

Sarah Drießen, Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit (femu)

Große Statistiken zeigen kein „Signal“

Für Laien dürften vielleicht die Daten aus zahlreichen Langzeitstatistiken zum Gehirnkrebs aus vielen Ländern weltweit am überzeugendsten wirken. Die Zeitreihen zeigen seit Jahrzehnten in praktisch allen Altersklassen auch seit Einführung der Handy-Technik keinen Anstieg dieser Krebsraten.

Allein in der Altersklasse über siebzig sieht man etwa in Schweden einen leichten Anstieg. Doch das erklärt Umweltepidemiologe Röösli mit der Tatsache, dass die Alten immer älter werden und damit der Krebs in dieser Altersklasse natürlicherweise zunehme. 

Anti- 5G-Demo in Berlin - Bundesweit gibt es Demonstrationen gegen die Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G. (Foto: Imago, imago images/Rolf Zöllner)
Bundesweit gibt es Demonstrationen gegen die Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G. Imago imago images/Rolf Zöllner
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