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"Dieser Klick wird dein Leben verändern!" Vorsicht bei unglaublichen Versprechen und Stories, die zu schön sind, um wahr zu sein. Meist sind sie es auch nicht. odysso zeigt, wann Skepsis angebracht ist.

Fake News sind nichts Neues

Propaganda und Falschmeldungen gab es schon immer. Neu sind die Kanäle wie soziale Medien, die eine neue Dimension der Beeinflussung darstellen. Neu ist auch, dass ein amerikanischer Politiker die Bezeichnung 'Fake News' als Waffe gegen ihm unliebsame Presse einsetzt und so dem Begriff erst zu Konjunktur verholfen hat. Trumps Tiraden gegen die demokratische Presse sind auch nur eine Form der Propaganda. Neu ist vielleicht auch, dass die öffentliche Meinung auch in Friedenszeiten mit Taktiken manipuliert werden soll, die man in der Vergangenheit als psychologische Kriegsführung bezeichnet hat. Der Ton ist rauer, die Spalter sind zahlreicher geworden.

Donald Trump gilt als "Experte" in Sachen Fake News. (Foto: Imago, imago images / MediaPunch)
Donald Trump gilt als "Experte" in Sachen Fake News. Alle anderen, vor allem die Medien, lügen seiner Meinung nach. Imago imago images / MediaPunch

Wie erkennt man Fake News?

Um das Irrlicht vom Leuchtturm zu unterscheiden, finde ich persönlich die Frage nach dem Motiv sehr hilfreich. In der täglichen Arbeit als Journalist wird man zur Skepsis erzogen. Was bezweckt derjenige, der die Nachricht postet? Insbesondere wenn man etwas liest, das einen unmittelbar interessiert, trifft, emotional bewegt, Widerspruch oder Zustimmung hervorruft, sollte man überlegen, ob es vielleicht zu schön ist um wahr zu sein.

Man kann die Motive voneinander unterscheiden: Im häufigsten Fall geht es um Anerkennung in der sozialen Gruppe. Viele Fakes sind einfach nur Scherze. Häufig stammt die Quelle eines Likes oder Posts sogar von Satire-Seiten wie dem Postillon oder Titanic. Die manipulierten Bilder wurden dann einfach ohne Nennung der Quelle geteilt. Lustig und meist harmlos.  

Fake News (Foto: Imago, Der Postillon verbreitet bewusst satirisch motivierte Fake News.)
Der Postillon verbreitet bewusst satirisch motivierte Fake News. Imago Der Postillon verbreitet bewusst satirisch motivierte Fake News.

Motiv 'Aufmerksamkeit erregen'

Es ist banal, aber wer etwas verkaufen will, muss im Meer der Information irgendwie herausragen. Der Werkzeugkasten des Marketings wird im Zeitalter des Internets neu zusammengestellt. Eine beliebte Masche ist das so genannte ‚Click Baiting‘. Dazu zählen Sätze wie „Dieser Klick wird Dein Leben verändern“ oder „Das glaubst du nicht, was diese Frau erlebt hat!“.

Zum Marketing gehört es zudem, Aussagen durch Experten glaubwürdig erscheinen zu lassen. "Amerikanische Wissenschaftler haben herausgefunden..." oder "Klinische Studien bestätigen das." Gerade wenn es um unseren Körper geht, sind wir tendenziell leichtgläubig. Eine oder auch drei klinische Studien sind noch kein Beweis für einen zuverlässigen Effekt. Erst Metastudien, die zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten kritisch miteinander vergleichen mit tausenden Versuchspersonen können einen Effekt zuverlässig belegen.

Artikel mit Thomas Gottschalk als Finanzvermittler und E´Werbeträger - gefälschte Information. (Foto: SWR)
Thomas Gottschalk steht drauf, gefälschte Werbung steckt dahinter.

Verschwörungstheorien

Verschwörungstheorien sind Geschichten, die Zweifel in Fakten streuen. Ältere Beispiele sind Zweifel an der verbreiteten Annahme, dass die Welt eine Kugel ist, an der Evolutionstheorie Darwins oder der Mondlandung, die in Wirklichkeit eine Inszenierung gewesen sei. Fakten werden zu neuen Geschichten rekombiniert um Aufmerksamkeit zu erregen oder den Blick von etwas anderem abzulenken. Aktuelles Beispiel ist der Zweifel am Klimawandel.

Viele tausende Klimaforscher haben nach jahrzehntelanger Debatte schließlich als Fakt anerkannt: Das Klima wird global wärmer und die Ursache sind die Treibhausgase. Dennoch gibt es immer wieder Kritiker, die einzelne Thesen mit oft wenigen oder dürftigen Daten widerlegen wollen. Auch Journalisten machen hier oft Fehler, wenn sie Einzelmeinungen genauso stark gewichten wie den Konsens, ohne klarzustellen, dass die Meinungen im Verhältnis 1000:1 stehen. Oft bleibt beim Leser nur hängen, dass es zwei verschiedene gleich relevante Meinungen gibt.

Fake News (Foto: Imago, imago images/Christian Ohde)
Wer bestimmt, was Fakt ist und was nicht? Bürgerinnen und Bürger sollten sich möglichst aus verschiedenen Quellen informieren und gewichten, welcher Quelle man am ehesten vertrauen kann. Imago imago images/Christian Ohde

Motiv 'Propaganda'

Seit ein paar Jahren wird gezielt in sozialen Medien versucht, die politische Meinung mit falschen Meldungen zu beeinflussen. Lobenswert sind  Internetportale, die solche Versuche sammeln und überprüfen, wie z.B. mimikama.at oder hoaxmap.org. Dort fällt auf: Viele falsche Meldungen betreffen die Themen 'Körperverletzung', 'Raub/Diebstahl' und 'Vergewaltigung'. Andere Delikte sind offenbar weniger interessant für ‚Falschmelder’.

Ein Beispiel: „Ausländer versuchen, eine schwangere Frau zu vergewaltigen, verletzen sie und schlagen einen Helfer zusammen.“ Die Erfurter Polizei ist dem nachgegangen. Nichts ist daran wahr. Bei den vielen entlarvten Fakes auf der Hoaxmap fällt auf, dass häufig Geflüchtete oder Migranten die Täter und Frauen die Opfer sein sollen. Offenbar sind viele Falschmeldungen in sozialen Medien fremdenfeindlich und politisch motiviert.

Fake kommt aus dem Englischen und bedeutet: Fälschung, Betrug oder Schwindel. (Foto: Imago, imago images/Arnulf Hettrich)
Fake kommt aus dem Englischen und bedeutet: Fälschung, Betrug oder Schwindel. Imago imago images/Arnulf Hettrich

Sei kein Troll

Skepsis ist gesund. Aber Vorsicht, denn zuviel davon vernebelt die Wahrnehmung. Nach und nach sieht man nur noch 'sichere Beweise' dafür, dass alle anderen falsch gewickelt sind. Aber warum ist man sich so sicher, dass man in der eigenen Filterblase noch den Durchblick hat? Willkommen im Land der Trolle. Ein Gegengift ist die hier gestellte Frage nach dem Motiv für die Meldung.

Und im Zweifel sucht man im Internet, ob es noch weitere Quellen gibt. Für Bilder zum Beispiel gibt es die Bildersuchfunktion von Tineye oder Google. Man lädt das Bild hoch und kann sehen, ob die Bilder bereits in anderem Zusammenhang verwendet wurden. Schließlich die Webseite selbst unter die Lupe nehmen: Gibt es ein Impressum? Eine Kontaktmöglichkeit? Mit diesen Tipps kann man Fakes von Fakten gut unterscheiden.

Fakes und Hoaxes: Seiten die Falschmeldungen aufdecken

https://www.mimikama.at/

http://www.hoaxsearch.com/

https://hoaxmap.org/

Die Rückwärts-Bildersuche

https://tineye.com/

Das geht auch mit google:

https://support.google.com/websearch/answer/1325808?co=GENIE.Platform%3DAndroid&hl=de

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