Auf Kollisionskurs

Asteroiden-Crash: So schützen wir die Erde!

STAND
AUTOR/IN
Luca Rizzelli

Die Frage, ob wir einen Asteroiden mit Kurs Richtung Erde aufhalten können, ist gleichzeitig beunruhigend und faszinierend. Welche Methoden gibt es und wie stichhaltig ist die zugrunde liegende Wissenschaft der verschiedenen Ansätze?

Viele von uns kennen die apokalyptischen Bilder aus Filmen wie “Armageddon” oder “Don’t look up” - Ein gigantischer Himmelskörper rast auf die Erde zu, die Menschheit hat nur noch wenige Tage, die drohende Katastrophe abzuwenden. Der Großteil potentiell gefährlicher Himmelskörper wird mit den drei Buchstaben NEO abgekürzt – “near-earth objects” oder zu Deutsch “erdnahe Objekte”. Die meisten NEOs sind Asteroiden. Ihr Durchmesser reicht von einigen Metern bis hin zu mehreren Kilometern.

Ein Asteroid im freien Fall. (Foto: SWR)
Ein Asteroid im freien Fall.

Fangen wir mit der “Armageddon”-Methode an: Der Asteroid wird mit einem möglichst großen Sprengkörper in die Luft gejagt. Klingt im ersten Moment einleuchtend und tatsächlich wird diese Methode unter anderem in Konzeptpapieren der NASA in Erwägung gezogen. Doch schaut man genauer hin, wird schnell deutlich: Das Sprengen eines Asteroiden mit Kurs auf die Erde schafft mehr Probleme als es löst. Sprengt man einen Asteroiden einfach in die Luft, dann ist es schwer abzusehen, in wie viele Bruchstücke er zerbricht, wie groß sie sind und ob einige dieser Bruchstücke nicht doch die Erde treffen könnten. Asteroiden werden im Englischen auch “rubble piles”, also Schutthaufen, genannt. Sie sind eine Ansammlung lose zusammenhaltender Brocken, verschiedener Größe und verschiedener Dichte. Sprengt man sie in die Luft, kann kaum vorhergesagt werden, was passiert. Am Ende macht man bei der Sprengung aus einem großen Problem nur mehrere Kleinere.

Ein Asteroid und seine Fragmente. (Foto: iStock)
In unseremm Sonnensystem gibt es Millionen Asteroiden. Sie sind größer als Meteoriten, aber kleiner als Zwergplaneten. iStock

Eine weitere Möglichkeit: Der Asteroid wird mittels Schwerkraft von seiner Umlaufbahn gezogen. Dazu würde man ein großes Objekt, ein Raumschiff oder einen Satelliten, in die Nähe des Asteroiden schießen. Das Objekt fliegt parallel zum Asteroiden und begleitet ihn, wie eine Art Trabant. Durch die Anziehungskraft des Objekts wird der Asteroid nach und nach von seiner Umlaufbahn abgelenkt. Mit genug Vorlauf kann ein potentiell gefährlicher Asteroid von seinem Kollisionskurs mit der Erde auf eine neue, ungefährliche Laufbahn gebracht werden. Der einzige Nachteil: Dieser Ansatz braucht viel Zeit. Es dauert einige Jahre, bis ein potentiell gefährlicher Asteroid nur durch Schwerkraft ausreichend abgelenkt wird.

Rettet uns der DART-Ansatz?

Im September 2022 will die NASA den ersten “double asteroid redirection test” (DART) abschließen. Etwas freier übersetzt heißt DART das so viel wie “Doppel-Asteroid-Ablenkungs-Test". Die Idee hinter DART klingt einfach: Eine Weltraumsonde soll mit großer Geschwindigkeit in einen Himmelskörper geschossen werden und ihn von seiner Flugbahn ablenken. "Double-Asteroid" deswegen, weil das Ziel ein Asteroid mit einem kleinen Mond ist. Der Asteroid heißt “Didymos”, sein Mond “Dimorphos”. Der Doppel-Asteroid ist für die Erde ungefährlich, gerade deswegen ist er ein guter Kandidat für DART. Klappt alles, könnten man mit diesem Ansatz im Ernstfall einen gefährlichen Asteroiden von seiner Umlaufbahn schubsen und die Erde vor dem Einschlag retten.

Die DART-Sonde. (Foto: Johns Hopkins University (APL))
Die DART-Sonde soll den Asteroiden "Didymos" und seinen Mond "Dimorphos" von seiner Flugbahn ablenken. Die NASA-Mission ist eine Übung für den Ernstfall. Johns Hopkins University (APL)

Linktipp:

Informations-Angebot der European Space Agency zu DART

STAND
AUTOR/IN
Luca Rizzelli