Experiment Erfolgreich vom Zucker loskommen

AUTOR/IN
Dauer
Sendedatum
Sendezeit
22:00 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Es ist nicht leicht, auf Zucker zu verzichten. Erst recht, wenn Körper und Psyche die leckere Süße gewöhnt sind. Das zeigt unser Experiment mit einem echten Zucker-Junkie. Doch es ist zu schaffen.

Zucker hilft bei Stress

Ständige Meetings, Stress, Konzentration – für gesundes Essen hat Innovations-Berater Arno K. in der Werbeagentur keine Zeit. Kein Problem: An jeder Ecke gibt’s Süßes. Für ihn reicht das: „Zucker beruhigt mich und hilft mir in extremen Stresssituationen“, sagt Arno. Doch der Werbefachmann will auch auf seine Gesundheit achten. Deshalb will der 33-Jährige lernen, auf Süßes zu verzichten. Sein Plan: Er wird für 7 Tage auf Zucker verzichten. Er glaubt aber, dass es schwer für ihn wird, den Verlockungen zu widerstehen.

Kann Zucker süchtig machen? Ein bisschen, meint Prof. Thorsten Bohn vom Luxembourg Institute of Health: „Das Belohnungszentrum im Gehirn spielt beim Verzehr von Zucker eine zentrale Rolle. So genannte Glückshormone wie Dopamin und Serotonin werden dort ausgeschüttet. Und wenn Nach Dauer-Verzehr plötzlich kein Zucker mehr kommt, dann kann dort ein starkes Mangel-Gefühl entstehen.“

Mehr als 60 Gramm Zucker am Tag sollten wir laut WHO nicht zu uns nehmen. Denn zu viel Zucker strapaziert die Bauchspeicheldrüse. Das kann zu Diabetes führen. Und das ist noch nicht alles: „Zucker kann Entzündungsprozesse begünstigen. Es werden werden Zytokine – Entzündungsparameter – ausgeschüttet, und wenn das über lange Zeit wiederholt wird, dann besteht ein Risiko, dass Entzündungsprozesse chronisch werden.“

Gummibärchen sind für viele Menschen sehr verführerisch (Foto: Imago, imago images / teamwork)
Gummibärchen sind für viele Menschen sehr verführerisch Imago imago images / teamwork

Anastasia hat’s geschafft

Die Moderatorin Anastasia Zampounidis isst schon seit 13 Jahren keinen Zucker mehr. Durch Insulin-Schwankungen hatte sie ständig Heißhunger und wollte sich davon befreien. Doch am Anfang wurde sie immer wieder rückfällig: „Ich wusste damals nicht, dass Zucker außer in Kuchen oder Schokolade auch in zahlreichen anderen Lebensmitteln steckt. In Senf und Ketchup, aber auch in Putenaufschnitt, Salami, Gewürzgurken, Pizza oder Brot.

Erst als ich begann, Inhaltsangaben auf den Packungen zu studieren, hat es geklappt“, erklärt die mittlerweile 51-Jährige. Dafür musste sich Anastasia radikal umstellen. Das Ergebnis hat sie fasziniert: „Ich hab das Gefühl, dass ich ohne Zucker gefestigter auf dem Boden. Das klingt für manche eso, spiri, ich war und bin überhaupt nicht so drauf. Es war einfach so, dass die Dinge sind klarer geworden sind. Als ob ein kleiner Schleier sich gelüftet hat.“

Doch wie schafft sie das? Zahlreiche Lebensmittel – zum Beispiel Brot – bestehen aus Zuckermolekülen, den so genannten Kohlenhydraten. Verzichtet sie komplett darauf? „Ich liebe Kohlenhydrate. Auf Getreide, Körner und Hülsenfrüchte möchte ich auch nicht verzichten, weil die mich sehr glücklich machen. Sie sind nicht nur süß und lecker, sie sättigen und lassen mich in diesen natürlichen Rhythmus von Sättigung und Hungergefühl hineinkommen. Aber es entsteht kein Heißhunger.“

Und wie unterscheiden sich Kohlenhydrate? Ausschlaggebend ist, wie schnell der Blutzucker ansteigt und die Bauchspeicheldrüse belastet wird. Ernährungswissenschaftler sprechen auch vom glykämischen Index. Vergleicht man zum Beispiel einen Esslöffel Zucker mit einem Apfel, ist beides gleich süß. Obst aber enthält Pektine, einen Ballaststoff, der ein Gel im Darm bildet. „Aus diesem Gel wird der Zucker nur langsam freigesetzt, und nur langsam vom Körper aufgenommen. Deswegen ist der Apfel wesentlich gesünder als reiner Haushaltszucker“, betont Torsten Bohn. Auch körniges Schwarzbrot, Spagetti oder Linsen enthalten Kohlenhydrate. Zusätzlich aber auch Mineralstoffe, Vitamine und wertvolle Phyto-Chemikalien.

Es ist oft schwer vom Zucker loszukommen (Foto: Imago, imago images / Future Image)
Es ist oft schwer vom Zucker loszukommen Imago imago images / Future Image

Sieben Tage sind zu wenig

Radikaler Verzicht auf Kohlenhydrate muss also nicht sein. Auch Arno K. hat in seiner zuckerfreien Woche kohlenhydrathaltige Lebensmittel gegessen. Trotzdem hat er sich lange schlecht gefühlt. Bis zum Tag sechs. Da hörte der Heißhunger plötzlich auf. Doch schon für Tag acht hatte er sich wieder Schokosticks zurecht gelegt. Die Woche hat also nicht gereicht, um seinen Jieper auf Süßes in den Griff zu bekommen.

Arno meint, das läge an seiner Kindheit. Denn seine Mutter hat ihn für gute Taten und Leistungen mit Zucker belohnt: „Somit hab ich auch eine psychische, emotionale Verbindung zum Zucker. Heute belohne ich mich selbst mit Süßigkeiten.“

Es sieht so aus, als seien sieben Tage viel zu kurz, um eine Abhängigkeit in den Griff zu kriegen. Trotzdem gab’s für Arno auch Erfolge: „Ab Tag fünf meinte meine Freundin, ich wär netter als sonst. Und, dass ich abgenommen hätte. Das Hemd hat auch wirklich besser gepasst.“ Trockenfrüchte und Nüsse sind jetzt ebenfalls auf dem Speiseplan. Und auch ab und zu Tischtennis, um Stress auch mal ohne Süßes zu kompensieren.

Buchtipp:

  • Anastasia Zampounidis: Für immer zuckerfrei: Schlank, gesund und glücklich ohne das süße Gift. Verlag: Bastei Lübbe, 2017. 224 Seiten.
AUTOR/IN
STAND
ONLINEFASSUNG