Plastik-Falle im Meer "Ocean Cleanup" funktioniert bisher nicht

AUTOR/IN

Den Ozean vom Plastik befreien – das will der niederländische Visionär Boyan Slat mit seinem Projekt „Ocean Cleanup“. Der Pilotversuch läuft seit September – doch das Plastik lässt sich nicht so leicht einfangen.

Boyan Slat hatte einen Traum, und hat ihn immer noch. Der junge Niederländer ist im Vorfeld fast schon missionarisch aufgetreten, um für seinen Plan zu werben. Bis zum Jahr 2050 will er 50 Prozent des Plastikmülls aus den Ozeanen entfernen.

Sein Lebensprojekt (wenn man das von einem 24-jährigen sagen kann) "The Ocean Cleanup" besteht aktuell aus einem großen 600 Meter langen Rohr, das er mit seinem Team vor einigen Monaten von San Francisco aus auf den Pazifik gezogen hat und das jetzt in einem großen Halbkreis übers Wasser treibt.

Unter dem Rohr hängt noch eine Art Schürze drei Meter tief ins Meer. Eine große Plastikfalle also, in der sich der Müll sammeln soll. Wenn das funktioniert, sollen Schiffe das Plastik einsammeln und an Land bringen, wo es recycelt oder einigermaßen sauber verbrannt werden könnte. Vielleicht wird das ja mal klappen, aber im Moment klappt es noch nicht so wie gedacht.

Kein Plastik in der Falle

Die genauen Aussagen sind etwas widersprüchlich. In einem Youtube-Video räumt der technische Sprecher von Ocean Cleanup ein, dass hier und da das eingesammelte Plastik auch wieder aus dem System entweicht.

Sein Chef Boyan Slat wird da sogar noch deutlicher. Ende November schrieb er in seinem Blog, dass Ocean Cleanup noch gar kein Plastik eingesammelt habe – er aber optimistisch sei, dass das noch gelingen wird.

Ocean Cleanup soll Plastikmüll im Pazifischen Ozean einsammeln (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - The Ocean Cleanup/AP Photo)
Der 600 Meter lange Rundbogen von Ocean Cleanup soll Plastikmüll im Pazifischen Ozean einsammeln. Bisher funktioniert das allerdings nur eingeschränkt. picture-alliance / dpa - The Ocean Cleanup/AP Photo

Ocean Cleanup - Weitere Versuche geplant

Das Hauptproblem ist also im Moment, dass das Plastik nicht in der Falle bleibt. Entweder, mutmaßt Slat, weil der Wind zu stark ist, oder weil die Anlage zu langsam übers Meer treibt, um nennenswert Plastik zu sammeln. Oder – auch das ein möglicher Grund: Die lange Röhre schwingt im Wasser und löst dabei Wellenbewegungen aus, die das antreibende Plastik wieder wegtreiben.

Für das Team von Ocean Cleanup ist das jedoch kein Grund aufzugeben, sondern das System weiter zu verbessern, es sei ja schließlich der erste Anlauf. Die Crew versucht jetzt, die Anlage zu beschleunigen und das Rohr weiter zu öffnen. Aber auch das ist bisher nicht gelungen, wie Slat einräumen musste.

Plastikverschmutzung im Meer (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Plastikmüll ist eine große Belastung für das empfindliche Ökosystem Meer. Thinkstock -

Weder Plastik noch Fisch wird gefangen

Kritiker waren von Anfang an skeptisch, zum einen, weil den Berechnungen zufolge die Anlage nur das Plastik auffangen kann, das größer als ein Zentimeter. Was kleiner ist und tiefer schwimmt, dürfte der Plastik-Falle entgehen. Und das ist eine ganze Menge. Anders als man oft denkt, besteht der berühmte Plastikteppich im Pazifik nämlich nicht aus herumschwimmenden Plastiktüten und Jogurtbechern. Die gibt es zwar aber auch, aber die meisten Teile sind kaum sichtbar. Sie aber sind das größte Problem, weil Fische, Krebse und Meeressäuger sie mit Plankton verwechseln, sich damit den Bauch vollschlagen, sich vergiften und am Ende in unserer Nahrungskette landen. Apropos: Meeresbiologen hatten auch Bedenken, dass "The Ocean Cleanup" unbeabsichtigte Nebenwirkungen hat:

"Es ist gar nicht klar, was diese Geräte an Beifang produzieren, welche Tiere sich darin verfangen", so die Einschätzung des Meeresbiologen Kurt de Swaaf. Immerhin, diese Befürchtung ist bisher nicht eingetroffen. Was aber auch daran liegen kann, dass die Plastik-Falle insgesamt kaum etwas fängt, eben: weder Plastik noch Fisch.

AUTOR/IN
STAND