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Neues vom Rand des Sonnensystems "New Horizons" erreicht Ultima Thule

Der Vorbeiflug am Himmelskörper Ultima Thule ist ein Rekord: Es ist das am weitesten von der Erde entfernte Objekt, das jemals von einer Raumsonde untersucht wurde.

Was ist "Ultima Thule"?

Es handelt sich vermutlich um einen erdnuss- oder hantelförmigen Himmelskörper mit einem Durchmesser von 20 bis 30 Kilometern. Er befindet sich im sogenannten Kuiper-Gürtel. Diese Region am Rande des Sonnensystems - weit jenseits der bekannten Planeten - enthält -zigtausende kleine Himmelskörper.

Ultima Thule ist einer von ihnen - und ein Glücksfall: Denn der Himmelskörper wurde erst vor vier Jahren entdeckt - und liegt zufällig auf dem Kurs der Raumsonde New Horizons. Sie hat ihn am Neujahrsmorgen passiert.

Die Mission von New Horizons

Am 19. Januar 2006 schickte die Raumfahrtbehörde NASA die Raumsonde "New Horizons", zu deutsch "Neue Horizonte", auf ihren Weg ins All. 2015 erreichte die Sonde ihr erstes Ziel: den mittlerweile zum Zwergplaneten degradierten Pluto.

Nach rund dreizehn Jahren Flugzeit bewegt sich "New Horizons" nun weiter in Richtung Rand unseres Sonnensystems. Anfang Januar 2019 erreicht die Raumsonde den Himmelskörper "Ultima Thule", von dem Astronomen bislang so gut wie gar nichts wissen - außer der groben Form, und dass es sich eine Milliarde Kilometer hinter Pluto befindet.

New Horizons nähert sich somit dem am weitesten von der Erde entfernten Objekt , das jemals von einer Raumsonde untersucht worden sei, sagt Alan Stern. Der Chefwissenschaftler von New Horizons sieht den Traum eines ganzen Wissenschaftlerlebens in Erfüllung gehen.


Funkkommandos zu New Horizons sind sechs Stunden unterwegs

Alan Stern übertreibt nicht. Pluto war schon ein Reichweitenrekord, aber dieses Objekt stellt alles Bisherige in den Schatten. Selbst das Licht und damit auch die Funkkommandos von der Erde an die Sonde benötigen zwölf Stunden für den Hin- und Rückweg.

Da macht der Name dieses Himmelskörpers – Ultima Thule – wirklich Sinn: Er bedeutet "jenseits der bekannten Welt". Der Planetologe Marc Buie gehört zum New-Horizons-Team am Southwest Research Institute in Boulder im US-Bundesstaat Colorado.

Wir haben Ultima Thule erst 2014 gefunden, und das nach einer intensiven, zehnjährigen Suche. Es ist einer der lichtschwächsten Himmelskörper, die wir im äußeren Sonnensystem je entdeckt haben. Wir sind damit am Limit dessen, was erdgebundene Teleskope uns über dieses Objekt verraten konnten.

So könnte der Flug der "New Horizons" zum Kuiper Gürtel aussehen

So könnte der Flug der "New Horizons" zum Kuiper Gürtel aussehen

Das Blinzeln eines Sternes

Um diese technische Grenzen noch ein wenig auszureizen, hatte das New-Horizons-Team in den vergangenen Monaten Teleskope in Patagonien und in Südafrika aufgebaut. Von der südlichen Erdhalbkugel aus gesehen nämlich ist Ultima Thule dreimal vor einem Stern vorbei gezogen. Für jeweils zwei Sekunden war die Silhouette des Kleinplaneten vor dem Stern dabei für die Teleskope sichtbar. Für Alan Stern sahen die Bilder der Verdunkelung so aus, als ob ein Stern blinzeln würde. Das Objekt, das ihn verdunkelt, sieht aus wie eine Acht.

Erdnuss im All

Nun kennen die Astronomen also die Form von Ultima Thule. Doch der Zahl acht zu ähneln, kann immer noch mehre Gründe haben. Das Objekt könnte aussehen wie eine Erdnuss oder wie eine Hantel.

Möglich sei aber auch eine wesentlich interessantere Variante, glaubt Marc Buie: Es könnte sich auch um zwei kleinere Objekte handeln, die sich entweder in einem extrem geringen Abstand umkreisen, oder sich sogar berühren. Den Durchmesser von 20 bis 30 Kilometern berechneten die Astronomen aus seiner Bahngeschwindigkeit und der Zeitspanne, während der es den Stern bedeckt hat.

Außerdem steht nun fest, dass es nicht von einem Ring oder sonstigem Geröll umgeben sind. Diese hätte für New Horizons eine Gefahr dargestellt.

Die Grenzen der bekannten Welt

Womit Ultima Thule sich mit einem Schlag als Glückstreffer für die NASA erweist. Am Kurs der Sonde musste die NASA keine Änderungen vornehmen. Nach dem Vorbeiflug von New Horizons an Ultima Thule am frühen Neujahrsmorgen hat sich die Grenze der „bekannten Welt“ ein wenig hinaus verschoben.

Kuiper-Gürtel-Objekt mit dem Spitznamen Ultima Thule

Dieses von der NASA zur Verfügung gestellte zusammengesetzte Bild zeigt das Kuiper-Gürtel-Objekt mit dem Spitznamen Ultima Thule. Bevor das Objekt selbst erkannt werden konnte, musste erst die Helligkeit der umgebenden Sternen auf der Basis eines früheren Fotos reduziert werden.