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Medizinisches Pilotprojekt Neuer Impfstoff gegen Malaria wird getestet

Gespräch mit Sarah Weiss, SWR Wissen Aktuell

Seit Jahrzehnten arbeiten Forscher daran, einen Impfstoff gegen Malaria zu entwickeln. Jedes Jahr fordert die Tropenkrankheit fast eine halbe Million Menschenleben. Ab Ende April sollen in Ghana, Malawi und Kenia 360.000 Kinder jährlich den Impfstoff Mosquirix bekommen. Die Hoffnung: Tausende Leben könnten gerettet werden.

Hat die Wissenschaft damit den Kampf gegen Malaria gewonnen?

Es ist schon ein Riesenschritt – das erste Mal, dass ein Impfstoff gegen Malaria recht großflächig ausgegeben wird! Das ist eine große Chance, zunächst für diese drei Länder Ghana, Malawi und Kenia, die sich freiwillig gemeldet haben. Aber – jetzt kommt das aber: Der Impfstoff wird eben aus gutem Grund noch nicht überall ausgerollt, denn: Die Zulassungsstudie vom Hersteller GlaxoSmithCline hat gezeigt: Ja, die Impfung kann grundsätzlich funktionieren, aber scheint bislang nicht so wirksam, wie man sich das wünschen würde.

Nach drei Impfdosen – je nachdem, wie alt die Kinder bei der Impfung in bisherigen Studien waren – waren knapp die Hälfte von ihnen wirksam geschützt, in einigen Altersgruppen lag der Schutz allerdings noch deutlich darunter. Und das reicht der Weltgesundheitsorganisation WHO noch nicht. Zielvorgabe der WHO ist eigentlich eine Wirksamkeit von 80%. Und: Es gibt auch noch ein paar Fragezeichen bei der Verträglichkeit des Impfstoffs, weil aus den bisherigen Untersuchungen nicht klar abzuleiten war: Sind einige Symptome, die beobachtet wurden, tatsächlich auf den Impfstoff zurückzuführen, oder war das Zufall? Auf diese Punkte – Wirksamkeit und Verträglichkeit – will die WHO mit diesem großangelegten Pilotprojekt bis 2022 in Ghana, Malawi und Kenia quasi noch mal unter Realbedingungen schauen.

Durch den Malaria-Erreger sterben weltweit rund eine halbe Million Menschen pro Jahr

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Die Impfung ist also noch nichts für Urlauber, die in gefährdete Gebiete reisen?

Nein, tatsächlich nicht, weil es für eine globale Einführung des Impfstoffs eben noch zu früh ist. In erster Linie geht es jetzt um die Bevölkerung, die den Impfstoff über die üblichen Impfprogramme erhalten soll – gratis. Und trotz scheinbar noch ausbaufähigerer Wirkung und Verträglichkeit kann sie davon schon jetzt profitieren, denn wenn in einigen Altersgruppen zumindest ein Teil der Kinder geschützt ist oder auch die Verläufe von Malaria teilweise abgeschwächt werden können, ist das immerhin besser als gar kein Schutz.

Aber: Diese Impfung ist auch nicht die einzige, die derzeit in der Entwicklung ist. Ein anderer Ansatz von Tübinger Forschern könnte sogar noch vielversprechender sein und – wenn alles nach Plan der Forscher läuft – bereits in zwei bis drei Jahren zugelassen werden – für die Bevölkerung, und auch für Urlauber, die in die gefährdeten Gebiete reisen.

Was ist an dem Impfstoff, der in Tübingen entwickelt wird, anders als an dem, der jetzt in Afrika getestet wird?

Der, der jetzt in Ghana, Malawi und Kenia ausgegeben wird, ist ein Totimpfstoff – da sind also keine lebendigen Malaria-Erreger drin, sondern nur Bruchstücke von Molekülen, gegen die der Geimpfte dann im Erfolgsfall Antikörper bildet – und so immun wird. Die Forscher vom Tropeninstitut in Tübingen verfolgen einen anderen Ansatz. Und das Interessante ist, dass es sich hier um eine ganz klassische Art der Impfung handelt: Der Impfpatient bekommt dabei einen aktiven Malaria-Erreger gespritzt, wird also regelrecht mit Malaria infiziert. Bevor man aber wirklich krank wird, nimmt man dann zusätzlich ein Anti-Malariamittel ein. Die kurze Zeit der Infektion soll aber ausreichen, um Antikörper zu bilden – also immun zu werden. Das funktioniert scheinbar ziemlich gut. Die entscheidenden klinischen Zulassungsstudien zu diesem Ansatz der Tübinger Forscher sollen Anfang 2020 beginnen.

Und so lange noch keine der Impfungen für die große Masse erhältlich ist, gilt in Malariagebieten in Sachen Vorbeugung nach wie vor: Möglichst gar nicht erst von Mücken stechen lassen, also insbesondere mit Beginn der Dämmerung lange Kleidung tragen, sichere Moskitonetze verwenden und ggf. – auch prophylaktisch nach Rücksprache mit dem Arzt – auf Medikamente zurückgreifen.

Vor allem Kinder sind durch den Malariaerreger gefährdet

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