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Der Mond lebt, ist also wohl noch seismisch aktiv

Neue Studie mit Apollo-Daten Der Mond schrumpft!

US-Forscher haben Daten erneut analysiert, die während der Apollo-Missionen vor fast 50 Jahren auf dem Mond gesammelt wurden. Und sie stießen auf eine Überraschung: Der lange Zeit für geologisch tot gehaltene Mond ist wohl doch ein noch aktiver Himmelskörper. Und das äußert sich auf eine besondere Art und Weise.

Im Jahr 2010 veröffentlichte die NASA auf einer Pressekonferenz erstmals hochauflösende Bilder einer seltsamen Geländeform auf der Mondoberfläche: Es handelte sich um sehr lange, kilometerlange, aber nur wenige Meter hohe Geländestufen, die sich damals an einer Handvoll Orte auf dem Mond finden ließen.

Bis heute hat man tausende weitere von ihnen gefunden. Aber schon damals, im Jahr 2010 stellte gleich der erste Reporter, der in der Pressekonferenz zu Wort kam, die entscheidende Frage: Haben diese Kliffs, diese Stufen im Gelände irgendetwas zu tun mit den Mondbeben, die von den Messstationen an den Apollo-Landeplätzen in den 70er Jahren gemessen wurden?

Der Mond lebt!

Neun Jahre nachdem diese Frage gestellt wurde, gibt es nun eine Antwort darauf: Ja, sehr wahrscheinlich verursachen diese Geländestufen Mondbeben. Und der Mond ist nicht, wie lange gedacht, total erstarrt und damit ein geologisch toter Himmelskörper.

Um zu dieser radikal neuen Einschätzung zu kommen, mussten alte Apollo-Daten mit neuester Software aufs feinste analysiert werden. Fünf Seismometer hatten die Apollo-Expeditionen zur Messung von Beben auf dem Mond zurückgelassen. Das von den allersten Astronauten aufgestellte Seismometer funktionierte nur für 3 Wochen, aber die anderen lieferten jahrelang Daten und zeichneten tatsächlich Erschütterungen auf.

Da man den Mond aber für einen toten, erstarrten Himmelskörper hielt, erklärte man sich diese Mondbeben mit Asteroideneinschlägen und dem Einfluss der Erdanziehung, die den Mond ständig leicht verformt und so Spannung im Mondgestein aufbaut, die sich dann eben in Mondbeben lösen kann.

US-Astronaut Edwin Aldrin deponiert am 20. Juli 1969 zwei Forschungsgeräte auf der Mondoberfläche, darunter einen Seismographen.

US-Astronaut Edwin Aldrin deponiert am 20. Juli 1969 zwei Forschungsgeräte des EASEP (Early Apollo Scientific Experiment Package) auf der Mondoberfläche, darunter einen Seismographen.

Doch die seltsamen Stufen in der Mondoberfläche erzählen noch eine andere Geschichte.

Mond hat Falten in der Oberfläche

Die Geländestufen müssen entstanden sein, als sich der Mond abkühlte und schrumpfte und dabei an seiner Oberfläche Falten warf, wie eine Weinbeere, die langsam zur Rosine trocknet. Um ungefähr 90 Meter hat sich die Mondoberfläche dabei im Lauf von hunderten Millionen Jahren abgesenkt. Und die erneute Analyse der Apollo-Daten zeigte jetzt, dass genau dort, wo sich die Geländestufen über den Mond ziehen, der Mond auch heute noch bebt: Mit anderen Worten: Die Geländefalten sind auch heute noch aktiv, sie verformen sich, weil der Mond immer noch schrumpft. Der Mond ist damit ein geologisch aktiver Himmelskörper.

Die durch das Mondschrumpfen an den Geländefalten ausgelösten Beben können so stark sein, dass sie Hangrutsche auslösen. Oder große Felsblöcke in Bewegung versetzen, die dann die Geländestufen herabkullern. Spuren beider Phänomene wurden auf hochauflösenden Fotos inzwischen entdeckt. Falls in wenigen Jahren tatsächlich Astronauten auf den Mond zurückkehren, werden sie also, im Gegensatz zu ihren Vorgängern vor 50 Jahren, diese Gefahr kennen und sich davor in Acht nehmen können.

undatierte Apollo 11-Aufnahme zeigt die von Kratern übersäte Mondoberfläche

Die undatierte Apollo 11-Aufnahme zeigt die von Kratern übersäte Mondoberfläche.