Netzhautdiagnostik (Foto: Universität Bonn/Sankara Eye Foundation)

Augenheilkunde

So können Mediziner Netzhautschäden per Smartphone diagnostizieren

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Ist kein Augenarzt verfügbar, dann kann eine Netzhautdiagnose per Smartphone wichtig werden. Forscher haben so ein Werkzeug zur medizinischen Diagnose entwickelt und getestet.

Netzhautschäden können zu Erblindung führen

Netzhautschäden wegen Diabetes sind eine der häufigsten Gründe, weshalb Erwachsene blind werden. In Ländern mit guter medizinischer Versorgung lässt sich leicht gegensteuern: Augenärzte können drohende Schäden bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen gut feststellen. In Entwicklungsländern ist das aber oft nicht möglich.

Forscher aus Bonn und Bangalore haben jetzt in einer Studie die Netzhautdiagnose per Smartphone erfolgreich getestet und ihre Ergebnisse im Fachblatt „Ophtalmology“ veröffentlicht.

Beispiel-Bild des Augenhintergrundes mittels umgerüstetem Smartphone. Auf dem bewusst zum Augenhintergrund scharfgestellten Bildbereich (Mitte) ist der gelbliche Sehnervenkopf mit daraus austretenden Gefäßen und umgebender Netzhaut zu erkennen. (Foto: © privat/Universität Bonn/Sankara Eye Foundation)
Beispiel-Bild des Augenhintergrundes mittels umgerüstetem Smartphone. Auf dem bewusst zum Augenhintergrund scharfgestellten Bildbereich (Mitte) ist der gelbliche Sehnervenkopf mit daraus austretenden Gefäßen und umgebender Netzhaut zu erkennen. © privat/Universität Bonn/Sankara Eye Foundation

Mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen können Betroffene vorbeugen

Wenn eine Zuckerkrankheit schlecht eingestellt ist, leiden die Gefäße: Im Auge sind davon vor allem feinste Äderchen der Netzhaut betroffen. Sie versorgen die Sinneszellen mit Sauerstoff und Nährstoffen. Wenn sie absterben, bilden sich krankhafte neue Gefäße – die schädigen die angegriffene Netzhaut weiter.

Ein Teufelskreis, der am Ende zur Erblindung führen kann. Mit regelmäßigen Kontrolluntersuchungen lässt sich vorbeugen. Wenn Warnzeichen rechtzeitig auffallen, können Ärzte die Netzhaut mit Laserlicht behandeln. Und natürlich dafür sorgen, dass die Zuckerwerte der Patienten sich wieder verbessern.

In Schwellenländern sind Kontrolluntersuchungen Luxus

In Schwellenländern wie Indien sind solche Kontrolluntersuchungen ein Luxus für wenige. Das könnte sich bald ändern: Wissenschaftler der Universitäts-Augenklinik Bonn haben zusammen mit Kollegen der Sankara Eye Foundation in Bangalore die Netzhautdiagnose per Smartphone erprobt: vier unterschiedliche Ansätze haben die Forscher für ihre Studie in „Ophtalmology“ verglichen. Sie wollten sehen, wie gut sich Netzhautschäden mit einem normalen Mittelklasse-Smartphone erkennen lassen.

Am Sankara Eye Hospital in Bangalore schult Dr. Maximilian Wintergerst (Mitte) augenärztliches Hilfspersonal in der Smartphone-basierten Funduskopie. (Foto: Universität Bonn/Sankara Eye Foundation)
Am Sankara Eye Hospital in Bangalore schult Dr. Maximilian Wintergerst (Mitte) augenärztliches Hilfspersonal in der Smartphone-basierten Funduskopie. Universität Bonn/Sankara Eye Foundation

Mit Speziallinsenaufsatz wurden 80 Prozent der Netzhautveränderungen erkannt

Am besten funktioniert die Netzhautdiagnose, wenn eine zusätzliche Speziallinse auf das Handy gesetzt wird. Damit entdeckten die Wissenschaftler fast 80 Prozent aller Veränderungen der Netzhaut – auch in frühen Stadien. Bei fortgeschrittenen Schäden lag die Trefferquote sogar bei 100 Prozent.

Die Diagnose per Handy ist einfach und erfolgreich

Die Forscher haben für ihre Testreihen augenärztliches Hilfspersonal einer großen Klinik in Bangalore geschult: Die Hilfskräfte filmten mit der Smartphone-Kamera den Augenhintergrund der Patienten - die Untersuchung dauerte nur ein bis zwei Minuten. Zur Diagnose gingen die Bilder dann per Internet an geschulte Fachärzte. Das ist der große Vorteil der Methode, gerade für Entwicklungs- und Schwellenländer: Auch geschulte Laien können die Untersuchung vornehmen; schnell und ohne teure Geräte.

Geschulte augenärztliche Hilfskraft nutzt ein umgerüstetes Smartphone als Augenspiegel unter Anleitung von Dr. Maximilian Wintergerst. (Foto: Universität Bonn/Sankara Eye Foundation)
Geschulte augenärztliche Hilfskraft nutzt ein umgerüstetes Smartphone als Augenspiegel unter Anleitung von Dr. Maximilian Wintergerst. Universität Bonn/Sankara Eye Foundation

Weniger Patientenkontakte in der Corona-Pandemie nötig

COVID-19 erfordert, dass wir neue Möglichkeiten erforschen, Patienten-Kontakte in Krankenhäusern zu reduzieren. Dies ist eine vielversprechende Methodik, die Effizienz beim Screening auf Diabetische Retinopathie zu verbessern.

Augen-Screening mit umgerüsteten Smartphones in Indien. (Foto: Universität Bonn/Sankara Eye Foundation)
Augen-Screening mit umgerüsteten Smartphones in Indien. Universität Bonn/Sankara Eye Foundation

Weitere Funktionen sollen in einer App verfügbar werden

Zu Zeit entwickelt das deutsch-indische Forscherteam eine passende App: Mit ihr soll sich für jeden Patienten eine elektronische Krankenakte anlegen lassen. Außerdem arbeiten die Forscher an einer automatischen Vorauswertung der Aufnahmen mit Hilfe künstlicher Intelligenz. Bei solchen Verfahren „lernt“ eine Software anhand tausender von Netzhautbildern, krankhafte Veränderungen selbstständig zu erkennen.

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