Animation eine*r Astronaut*in auf dem Mond (Foto: NASA)

Raumfahrt

Mondmission Artemis – NASA rollt neue Superrakete zur Startrampe

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David Beck
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Ralf Kölbel

Das Artemis-Programm der NASA soll zum ersten Mal seit mehr als 50 Jahren Menschen auf den Mond bringen, dann vielleicht den ersten Deutschen, aber auf jeden Fall die erste Frau. Der Start dafür ist allerdings frühestens im Mai 2025. Jetzt wird die neue NASA-Mondrakete namens SLS zum ersten Mal getestet.

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Fast 50 Jahre nachdem mit Apollo 17 die bislang letzten Menschen auf dem Mond gelandet sind, laufen die Vorbereitungen für die nächsten Mondmissionen im Rahmen des Artemis-Programms. Im Mai ist der Start von Artemis 1 geplant, eine unbemannte Mission, die den Mond umkreisen soll. Nun rollt die NASA ihre Megarakete Space Launch System (SLS) und das Orion-Raumschiff auf dem riesigen Raupentransporter 2 (CT-2) zum Kennedy Space Center.

Für die rund 6,4 Kilometer lange Strecke von der Werkhalle bis zur Startrampe benötigt der Raupentransporter rund 11 Stunden. Der Raupentransporter ist schon seit rund 50 Jahren im Einsatz und Dank einiger Anpassungen und Reparaturen noch immer in einem guten Zustand.

Die neue SLS-Rakete der NASA soll eine neue Ära der Raumfahrt einläuten. Sie wurde eigens für solche Missionen zu weit von der Erde entfernten Zielen entwickelt. Wenn alle Tests erfolgreich verlaufen, wird die SLS dann frühestens Mai mit dem Raumschiff Orion an der Spitze erstmals zum Mond aufbrechen.

Das Manöver wie auch dann später den Start der Rakete kann man live auf dem YouTube -Stream der NASA verfolgen:

Letzte Worte auf dem Mond

Jeder kennt Neil Armstrongs erste Worte auf dem Mond. Aber kennen Sie die bisher letzten Worte, die auf dem Mond gesprochen wurden? Und vom wem sie stammen?

Wir verlassen jetzt Taurus-Littrow, wie wir einst gekommen sind und, wenn Gott es will, werden wir zurückkehren in Frieden und Hoffnung für die gesamte Menschheit. Gute Reise der Besatzung von Apollo 17.

Zugegeben, es rollt nicht so leicht von der Zunge wie "Ein kleiner Schritt für einen Menschen..." aber allein durch die Tatsache, dass es seit mehr als 50 Jahren die letzten Worte sind, die auf dem Mond gesprochen wurden, sind sie nicht weniger geschichtsträchtig.

Apollo 17-Astronaut Jack Schmitt steht vor dem Mondalandemodul und neben der US-amerikanischen Flagge auf dem Mond (Foto: NASA, fotografiert von Eugene Cernan)
Apollo 17-Astronaut Jack Schmitt war einer der bisher letzten Menschen auf dem Mond NASA, fotografiert von Eugene Cernan

In wenigen Jahren könnte die Mond-Pause allerdings vorbei sein: Mit dem Artemis-Programm will die NASA wieder Menschen auf den Mond bringen. Der Name ist nicht zufällig gewählt, Artemis ist die Mondgöttin der griechischen Mythologie und Zwillingsschwester Apollons, Namensgeber des Apollo-Programms.

Ein kleiner Schritt für eine Frau und eine*n Europäer*in

Mit Artemis soll auch erstmals eine Frau und eine Person of Color den Mond betreten. Neben der NASA sind auch andere Weltraumagenturen an Artemis beteiligt. Mit der Europäischen Weltraumagentur ESA gibt es bereits eine Abmachung, dass bei drei Flügen auch europäische Astronaut*innen zumindest zum sogenannten Gateway fliegen werden, einer geplanten Raumstation in einer Mondumlaufbahn.

Animation der Orion-Raumkapsel mit Antriebsmodul ESM der Europäischen Weltraumagentur ESA (Foto: NASA)
Die Orion-Raumkapsel mit der Artemis-Astronaut*innen zum sogenannten Lunar Gateway in der Mondumlaufbahn fliegen. Hervorgehoben ist das Antriebsmodul ESM, dass von der ESA entwickelt bei Airbus in Bremen gefertigt wird. NASA

Das Gateway soll als Zwischenstation auf dem Weg zur Mondoberfläche dienen: Mit der Orion-Kapsel, angetrieben vom European Service Module der ESA, fliegen die Astronaut*innen bis zum Gateway, um dann mit dem Starship von SpaceX auf die Mondoberfläche und zurück zu fliegen. Ob Europäische Astronaut*innen auch zur Oberfläche oder "nur" bis zum Gateway fliegen, ist noch nicht klar.

Aus dem derzeitigen Pool der aktiven ESA-Astronaut*innen könnten theoretisch auch die Deutschen Matthias Maurer und Alexander Gerst für eine Mond-Mission in Frage kommen. In der engeren Auswahl der NASA ist unter anderem Raja Chari, Kommandant der Crew-3-Mission zur Internationalen Raumstation, an der auch Matthias Maurer teilnimmt.

Frühestens 2025 Menschen auf dem Mond

Frühestens im Mai 2022 wird Artemis 1 starten, ein unbemannter Flug weit um den Mond herum und zurück zur Erde. Die etwa 25-tägige Mission wird der erste Flug der Orion-Raumkapsel und der Trägerrakete Space Launch System (SLS) sein, wobei diese hauptsächlich aus Komponenten besteht, die für das Space Shuttle entwickelt wurden oder sogar schon mit dem Space Shuttle in den Weltraum flogen – zum Beispiel die vier RS-25 Haupttriebwerke.

Vollständig zusammengesetzte Trägerrakete SLS mit Orion-Raumkapsel (Foto: NASA)
Am 21. Oktober 2021 wurde erstmals die Trägerrakete SLS mit der Raumkapsel Orion zusammengesetzt. Der Start von Artemis 1 ist für frühestens Mai 2022 angesetzt. NASA

Artemis 2 wird die erste bemannte Mission des SLS. Im Erd-Orbit wird das Raumschiff auf Herz und Nieren geprüft, bevor es dann auf einer sogenannten freien Rückkehrbahn (engl. free-return trajectory) einmal um den Mond fliegt. Bei so einer Flugbahn nutzt man die Schwerkraft des Mondes, um das Raumschiff abzubremsen, damit es automatisch auf eine Flugbahn zurück zur Erde geschickt wird. So kann sichergestellt werden, dass das Raumschiff zurück zur Erde fliegt, auch wenn es zu einem Problem kommen sollte, wie es zum Beispiel bei Apollo 13 der Fall war. Frühester Start für Artemis 2 ist April 2024.

Artemis 3 wird dann das Apollo 11 dieser Generation: die Mondlandung. Für die Mission wird es noch kein Gateway im Mondorbit geben. In einer separaten, unbemannten Mission wird die Landefähre – ein SpaceX Starship – zum Mond geflogen, mit dem die Besatzung von Artemis 3 dockt, umsteigt und damit zur Mondoberfläche und zurück fliegt. Diese Mission ist frühestens für Mai 2025 geplant, doch aller Erfahrung nach und mit Blick auf die Finanzierungslücken und noch offenen technischen Fragen ist diese Terminplanung nicht das letzte Wort der NASA-Planer.

Vom Mond zum Mars

Weitere Artemis-Missionen sollen dann einen mehr oder weniger dauerhaften Aufenthalt von Astronaut*innen auf und um den Mond etablieren. Neben der Gateway-Station soll auch ein Habitat-Modul auf dem Mond errichtet werden, das einen längeren Aufenthalt ermöglicht. Auf diese Weise könnten Erkentnisse für zukünftige bemannte Marsmissionen gesammelt werden, in deren Verlauf Menschen mehrere Monate im interplanetaren Raum überleben müssen – ohne die Möglichkeit einer schnellen Rückkehr.

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