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Nach Sojus-Absturz Neuer Aufbruch zur ISS

Fünf Monate nach der Notlandung einer russischen Sojus-Rakete hat dieses Mal bei einem neuen Start alles geklappt. Wie die US-Raumfahrtbehörde NASA mitteilte dockte die Raumkapsel mit zwei US-Astronauten und einem russischen Kosmonauten am Freitag an der Internationalen Raumstation ISS an.

Als Nick Hague und Alexej Ovchinin am 11. Oktober vergangenen Jahres in der kasachischen Steppe von den Rettungsteams aufgefunden wurden, hatten die beiden dramatische Minuten hinter sich. Einer der vier rings um die Sojus-Rakete angebrachten Booster, die in der Startphase zusätzlichen Schub verleihen, hatte sich zwar wie geplant nach knapp zwei Minuten von der Hauptstufe gelöst, blieb dabei aber für einen kurzen Moment in seiner Verankerung hängen und stieß kurz gegen den Rumpf der Hauptstufe.

Diese Erschütterung registrierte der Bordcomputer, stellte daraufhin umgehend den Schub ab, die Raumkapsel mit Ovchinin und Hague wurde von der Raketenspitze abgesprengt und die Notlandung eingeleitet.

Rettungsmannschaften stehen neben der notgelandeten russischen Sojus-Kapsel in der Steppe von Kasachstan.

Rettungsmannschaften stehen neben der notgelandeten russischen Sojus-Kapsel in der Steppe von Kasachstan.

Vertrauen in die Sicherheitssysteme

Eine wirklich heikle Situation. Und kein Astronaut, der das erlebt hat, wird gezwungen jemals wieder in eine Rakete zu steigen. Ovchinin und Hague haben damit aber kein Problem, sagt Dr. Rüdiger Seine, der Leiter der Astronautentrainingsabteilung bei der Europäischen Weltraumagentur ESA. Ganz im Gegenteil:
Die Sojusrakete hat auf die Fehlfunktion genau so reagiert, wie man das erwarten würde. Die beiden sind sehr sicher und völlig unbeschädigt zum Boden zurückgekommen und haben daher eigentlich eher das gute Gefühl mitnehmen können, dass sie in sicheren Händen sind.

Der russische Kosmonaut Alexei Ovchinin vor dem Start der Sojuskapsel

Der russische Kosmonaut Alexei Ovchinin vor dem Start der Sojuskapsel

Astronautentraining in Köln

Rüdiger Seine hat die beiden persönlich erlebt, denn was nicht so bekannt ist: Alle Astronauten, die zur ISS fliegen, müssen, ganz gleich aus welchem Land sie stammen, auch den Umgang mit den Armaturen und Geräten im europäischen Bauteil der ISS lernen. Und zu diesem Zweck kommen sie für ein paar Trainingstage nach Köln.

Wobei Ovchinin und Hague für die Vorbereitung ihrer neuen Mission sogar zu dritt an den Rhein kamen. NASA-Astronautin Christina Koch ergänzt das Männerteam beim zweiten Startversuch. Beim missglückten ersten Versuch im Oktober hatte man den dritten Sitzplatz in der Sojus noch zugunsten von zusätzlicher Fracht freigelassen.

Bei den letzten Presseterminen vor dem Start gaben sich die drei betont gelassen, trotz der dramatischen Vorgeschichte. Auf die Frage, worauf er sich bei der anstehenden Mission am meisten freue, antwortete Nick Hague, dass er bislang nur Raumflüge kenne, die nach zwei Minuten zu Ende seien. Nun sei er gespannt darauf zu erleben, wie es nach diesen zwei Minuten eigentlich weitergehe.

Die US-Astronauten Christina Hammock Koch (l) und Nick Hague (r) und der russische Kosmonaut Alexej Owtschinin während ihrer Abschlussprüfung

Die US-Astronauten Christina Hammock Koch (l.) und Nick Hague (r.) und der russische Kosmonaut Alexej Owtschinin während ihrer Abschlussprüfung im Gagarin Kosmonauten Trainingszentrum bei Moskau.